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Der Israelit · 1896-11-26 · Heft 95 (26.11.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 95 (26.11.1896)
Date
1896-11-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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11WIL Jahrgang. Erste Beilage zu M 95 des „3scacllt“. Leitender Artikel. Die modernen Makkabäer. Eine ChanuKabrtrachtung von Rabbiner Dr. A. Ackermann, Brandenburg a. H. (Schluß.) Das Wort, welches wir meinen, lautet: (Chaggai 2, 11—14.) p : tcn^ mw a^nsn ns s: nucat n ick rc ■w:n bm cnbn ba 'km ym rna *)»3 B>~p "ibo w'x KL" : xb iivK'i a’insn ujn «np’n, bcsc bz bs: psn pr» bsi D'jncn kcbvi nSx bzz trcJ xöb bc v? cs ’:n dkj ^ch ^:n pi rm cyn p tdipi vn pn : xsv' nvsn :sin Kvv er» i2'ip' 12>K: nrr,'T) rrtrr» bz pi n „Also spricht der Ewige der Heerschaaren: Befrage doch die Pri ster in der Lehre also: Siehe, es trägt ein Mann heiliges Fleisch in dem Zipfel seines Gewandes und er rührt mit dem Gewand an Brod oder an Gekochtes oder an Wein oder an Oel oder an irgend eine Speise — wird es heilig? Da antworteten die Priester und sprachen: Nein! Und Chaggai sprach: Wenn ein durch eine Leiche Unreiner alles das anrührt, wird es unrein? Da antworteten die Priester und sprachen: Es wird unrein! Da entgegnete Chaggai und sprach: So ist dieses Volk und diese Nation vor mir, ist der Spruch des Ewigen, und so alles Thun ihrer Hand, und was sie dort darbringen ist unrein!" Es war die Zeit, welche wir im vorigen Kapitel geschildert haben, da die heilige Arbeitsstätte brach lag, da das Volk mitten im heiligen Lande, mitten in der heiligen Stadt ohne Tempel und ohne Gottesaltar schwach leichtfertig abseits stand. Was ihm fehlte, war der Muth, war die Thatkraft, war die Entschiedenheit der Gesinnung, die zu lebendigem Wirken geführt haben würde; die innere Schwäche lähmte die Hand und hielt jedes kräftige Zugreifen hintan. Da tritt der Gottesmann auf und führt den Schwachen ein Bild aus ihrem religiösen Leben vor Augen. Die Priester ruft er auf, die vor allen Erwählten, bei denen die Schwäche ganz besonders sträflich und unverzeihlich erscheinen mußte; sie sollen ihm antworten, mit ihren eigenen Worten will er sie strafen, ihr eigener Mund soll ihnen und ihren Volksgenoffen das Urtheil sprechen. Nun ist es ein Zwiefaches, was in dem prophetischen Frage- und Antwortspiel enthalten ist: Ein Allbekanntes und ein Neues. Jenes soll diesem zur Folie dienen. Daß ein an einer Leiche Verunreinigter durch Berührung unrein macht ist für das jüdische Bewußtsein etwas so Bekanntes und Selbstverständliches, daß die Frage kaum verständlich wäre, wenn ihr nicht die andere vorherginge, ob das Geheiligte, wenn es, in ein Gewand gehüllt, eine Speise berührt, diese etwa heilig mache. Der Prophet will sagen, daß es viel leichter sei, zum Schlechten verführt, als für das Heilige begeistert zu werden. „Der Unreinen unter Euch," so könnten wir das Seherwort erweitern, „der Schwachen und Muthlosen sind viele, wenige nur sind fest und stark. Darum greift das Unheil immer weiter um sich, und dies um so mehr, als die Wenigen, welche vom Heiligen durchdrungen sind, ihre Gesinnung „im Zipfel ihres Gewandes" umhertragen, sie sorgfältig verbergen und verhüllen und darum ihre begeisternde Kraft völlig einbüßen! Glaubt Ihr etwa, daß die Begeisterung, wenn sie lautlos und zaghaft im Innern schlummert, zu heiligen Thaten entflammen könne? Seht, Euere Priester antworten Euch : xh Nein! Und habt Ihr vergessen, daß das Schlechte eine gewaltig werbende Kraft besitzt, daß das Unreine unrein macht? Hört, Eure Priester erwidern Euch: köb’ Es macht unrein! Darum thut von Euch die Schwäche, Eure Begeisterung aber enthüllet frei und frank, ohne Scheu und ohne Rücksicht; dann entzündet ein Funke in Eurer Mitte taufend strahlende Flammen!" Ist es nicht, als hielte ein neuerstandener Prophet dem heutigen Geschlecht in J-rael eine Strasrede, als wollte Chaggai unser Judenthum geißeln und zu neuer Stärke anfeuern? Ja, sie gelten heute mehr denn je, die Worte des Propheten, gellen in ihrer ganzen, vorwurfsvollen Schwere! Oder sind nicht auch heute die Schwachen und Feigen, die Gottvergessenen und Gleichgiltigen, die Ermatteten und Erkalteten in der Mehrheit? Und die Treuen undMuthvollen, die Festen und Starken, sind sie nicht zu einem kleinen Häuflein zusammengeschmolzen? Ja, sind selbst unter diesen von ehrlichem Wollen Erfüllten die Naturen so selten, die ihr Heiligstes und Theuerstes im „Zipfel ihres Gewandes" tief und sicher verbergen, damit nur ja nicht bei unpassender Gelegenheit etwas davon sichtbar werde? Die Halben und Lauen, sind sie heute ausgestorben? Fürwahr, auch unserem Geschlechts thut eS noth, daß man es warne vor der verführenden Macht des Abfalls! Woher stammt sie denn, die Größe und die Gefährlichkeit dieser Macht? Sie stammt aus der Natur des Menschen, der an der Erde hanget mit allen seinen Lebensfasern und nichts schwerer erträgt, als von dieser Erde mit ihren lockenden Freuden losgerissen

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