Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 95 (26.11.1896)
- Date
- 1896-11-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1812 In diesem Augenblick fühlte er wieder das Wonnegefühl des gläubigen Juden, das ihn beglückt, wenn er seinem Gotte dienen kann. Und um keinen Preis möchte er dieses Gefühls verlustig gehen. Noch ein solches Gefühl kennt er. Er will es sofort empfinden und rasch greift er in die Tasche und legt ein blinkendes Goldstück in die Hand des Kindes. Dieses sieht das Gold und sagt lächelnd: „Ach, mein Herr, ich besitze nicht so viel Geld, um herausgeben zu können." „Sollst Du auch gar nicht, das Geld gehört Dir!" „Das viele Geld für die Kerzen! Darf ich das denn auch nehmen?" „Gewiß, mein tfinb imb Du sollst noch mehr haben. Komme am ersten Chanukah-Abend wieder hierher und ich will sehen, was ich für dich thun kann." „Dank, vielen Dank!" sagte Dina und wollte die Hand des Justizrathes küssen, die dieser jedoch zurückzog. Dann fuhr sie fort: „Für mich erbitte ich gar nichts, mein Herr! Aber wenn Sie für meine Mutter Etwas thun könnten, würden Sie eine große Mizwoh thun." Diese Bitte für die Mutter, so nahe sie auch lag, gefiel dem Justizrath nicht: sie deuchte ihm unbescheiden. Stirnrunzelnd fragte er deshalb: „Wer ist Deine Mutter?" „Eine arme, kranke, jüdische Wittwe, die noch nie Jemand zur Last gefallen ist." Dernhoff wurde aufmerksam. Vielleicht war es die Frau, von welcher der Arzt gesprochen hatte! „Wie heißt Deine Mutier und wo wohnt ihr?" Dina nannte Beides, Namen und Wohnung. „Bringe Deine Mutter mit." „Ach Herr, meine Mutter darf noch nicht ausgehen . . Der Herr Docter meint, es könnte Ostern werden —." „So komme Du allein, aber vergiß nicht daran!" „Ich werden kommen, und nochmals vielen Dank." Sie drehte sich um und entfernte sich. Der Justizrath sah ihr lange sinnend nach. Sie hatte Aehnlichkeit mit seiner Tochter, sowie mit einer vor Jahren verschollenen Schwester. Wenn die Mutter des Mädchens- Dernhoff wurde aus seinen: Sinnen durch einen Diener gestört, der ihn nach dem Krankenzimmer seines Kindes rief. Er folgte dem Diener auf dem Fuße und trat ein. Matt wie ein gehetztes Vöglein, blaß wie eine Lilie lag das Töchterchen in seinem Bettchen und nur die lebhaften dunklen Augen und der Strahl des Glücks, der beim Anblick des Vaters aus denselben brach, zeigten, daß das Kind lebe. „Was willst Du?" fragte er leise seine Frau. „Willst Du nicht so freundlich sein und den Herrn Oberconsistorialrath bitten, die Weihnachtsbescheerung in unserem Hause auf acht bis zehn Tage zu verschieben! Vis zu dieser Zeit hoffe ich, daß unsere Tyrza daran Theil nehmen kann." „Wir werden diese Bescheerung überhaupt fallen lassen. Ich finde sie lächerlich für ein jüdisches Haus." „Du willst damit doch nicht sagen, daß unser Haus —." „Leider habe ich kein Recht mehr dazu, unser Haus ein jüdisches zu nennen, aber so Gott mir mein Kind gesunden läßt, wird mein Haus wieder —." „Dein, unser Kind wird auch ohne ein solches Gelübde wieder genesen und sich freuen, wenn es die Lichter des Weihnachtsbaums leuchten sieht." (Schluß folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt dnrch S F. Ktetnacke r, Lelpsig, Roßplatz 1k. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion etngesandten Mannsertpten findet nicht statt, man bittet deshalb, stch von allen Einsendungen eine Copie znrlickznbehalten. Inhalt (Hauptvtatt) r Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschast zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Darmstadt. Frankfurt a. M. Berlin. Wreschen. England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Chanukkahkerzen. Von H. Berger—Mainz (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Die modernen Makkabäer (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. — Vereinsnachrichten. — Gerichtszeitung. Inhalt her ztveiten Beilage: Leitender Artikel: Von den Ufern der Newa. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Aus Bayern. Aus Baden. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. Amerika: New-Dork. Türkei: Salonichi. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.