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Der Israelit · 1896-11-26 · Heft 95 (26.11.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 95 (26.11.1896)
Date
1896-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1810 England. London (Der Bürgermeistertag.) Mit dem üblichen Ceremoniell fand jüngst der feierliche Amtsantritt des Bürgermeisters von London statt. Das schöne Wetter hatte eine ungewöhnliche Menge Schaulustiger herbeigelockt. Was jüdische Zuschauer ganz besonders interessirte und erfreute, war die Anwesenheit der Knaben-Mustkkapelle des jüdischen Kranken- und Waisenhauses (Jews Hospital and Orphan Asylum); aber auch die Christen spendeten den frischen, fröhlichen jungen Burschen, die in ihren netten Uniformen äußerst fesch aussahen und ganz vorzüglich spielten, reichliches Lob, in das auch alle Zeitungen in ihren Berichten, die „Times" und der „Daily Telegraph" an der Spitze, einstimmten. Der neue Bürgermeister wurde auf dem ganzen Wege von der Guildhall zum Justizpalast enthusiastisch begrüßt, ganz besonders aber in seinem Sprenget Farringdon Ward, das ihm zu Ehren sehr hübsch decorirt war. Im Justizpalast hielt Herr Richter Hawkins eine Ansprache an den Bürgermeister, in welchem er die Tugenden des verstorbenen Sir Benjamin Phillips pries und die er mit den Worten schloß: „Gehe hin und thue deßgleichen." Am Abend gaben der neue Bürgermeister und feine Gemahlin ein glänzendes Fest. Unter den Gästen befanden sich Lord und Lady Pirbright, der Oberrabbiner Dr. Adler, Sir H. A. Jsaacs rc. vermischtes <*■ Könitz (Westpr.) Dieser Tage feierten Hierselbst Herr Theophiel Davidsohn und Frau Pauline geb. Schneider das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, besser bekannt unter dem Namen „Schaps", steht im 91 , seine Gattin im 81. Lebensjahre. Hochgeachtet von ihren Mitbürgern, sind beide geistig wie körperlich gleich frisch. Die Söhne, welche als Aerzte in Berlin leben, die Töchter, Enkel und alle anderen Verwandten hatten sich vollzähl g, zum Theil aus weiter Ferne, eingefunden, um gemeinsam das Fest zu begehen. Feuilleton. (Lhanukahkerzen. Von H Vrrrgrv —Mainz. (Alle Rechte Vorbehalten). 2) Mitten in den Vorbereitungen zu der großen Festbescheerung erkankte das einzige Töchterchen des Justizrathes an einem typhösen Fieber und die Mutter desselben konnte nicht von dem Bette ihres Kindes fort. Obschon der Arzt, der Dinas Mutter behandelte, auch der Hausarzt des Justizrathes war und täglich mit der Frau deffelben am Krankenbette ihres Kindes zusammentraf, kam nie die Rede auf die arme kranke Jüdin. Dina hatte den Befehl ihrer Mutter ausgeführt. Im Pfandhause hatte sie für das Gebetbuch der Mutter fünf Mark erhalten. Für drei Mark hatte sie kleine Wachskerzen gekauft und den Rest zurückgelegt für die Zeit der größten Roth. Nun ging sie in die Häuser der Juden und bot ihre Waare an. Das Vetteln ist ein hartes Brot; ein nicht weniger hartes war das, was Dina jetzt zu verdienen suchte! Die Feder sträubt sich, das zu erzählen, was sie hören mußte. Der Eine hatte zu Chanukah kein Licht nöthig; der Andere fragte, wann dieser Fasttag sei; der Dritte sagte, daß er einen Weihnachtsbaum, aber kein Chanukahlicht entzünden werde. Wieder ein Anderer schalt, daß ein so junges Kind zum Bettel erzogen werde und wies ihm barsch die Thüre. Als der Abend herbeikam, war Dina müde und hatte weniger eingenommen, als alle Tage vorher. Weinend kam sie zur Mutter. Diese tröstete sie und sagte: „Du wirst auch schon jüdsche Herzen finden, die nicht müssig bleiben bei der Roth des Nächsten." Das Befinden der Mutter hatte sich etwas gebesiert und der Arzt verordnete kräftigende Nahrung wie: Fleisch, Wein, Eier rc. Lächelnd hörte ihm die Mutter zu und sagte alsdann: „Wollen Sie mir nicht Dinge verschreiben, die ich auch nehmen kann." Erstaunt sah der Arzt die Kranke an und sagte: „Ich habe doch Frau Justizrath Dernhoff für Sie interessiert." „Besten Dank, Herr Doctor, aber die Dame hat jedenfalls mehr zu thun, als nach einer kranken Jüdin zu sehen!" „Sie ist doch sonst für sehr wohlthätig bekannt." „Das mag sein, wenn es sich um Andersgläubige handelt. Für Juden findet sie keine Zeit." „Nun, ich werde schon dafür sorgen." Kopfschüttelnd entfernte sich der Arzt und ging geraden Wegs zu Dr. Dernhoff. Er traf den Justizrath zu Hause und dieser erkundigte sich eingehend nach dem Befinden seines Kindes. Der Arzt konnte ihm beruhigende Auskunft geben und die Sorge von seiner Stirne bannen. Hierüber erfreut wollte er eine Flasche guten Weines kommen lassen, aber der Arzt sagte: „So billig kommen Sie nicht davon, Herr Rath. Ich brauche dreihundert Mark für einen guten Zweck." i

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