Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 95 (26.11.1896)
- Date
- 1896-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1809! s auf die drei besonderen Kriterien des Judenthums vor den übrigen Religionen. Im Bunde mit denselben und deren segensreichen Einfluß werde der Verein sicherlich kein unwichtiges Glied bilden, wenn er seine Ausgaben immer mehr ausbaue und fördere. — Noch manche launige Vorträge folgten, den festlichen Humor steigernd. Wir erwähnen nur die trefflichen Toaste der Herren H. B o d e n h e i m e r, I. Lehmann und A. Mainzer, sowie das gelungene Tischlied des Herrn stud. Sally Lehmann. Herr Kantor Lebermann gab unter dem Eindrücke des zeitlichen Zusammenfallens der Feier mit der rr6in n*no eine vergleichende Betrachtung zwischen dem Entwickelungsgang des Vereins und der Familiengeschichte des Patriarchen pnsr. Auch der Monat unseres Festes tes, in welchem ebenfalls die Zahl 25 ihre Verherrlichung finde, sei für den Verein ein bedeutsamer Hinweis, wie derselbe in seinen Prinzip en und Bestrebungen ein Mittel besitze, um auch mit wenigen Leuten in der heutigen Zeit gegen Unglauben und Neuerungssucht wirksam ankämpfen zu können. Ein 'ib sei gleichsam der Verein im Dienste seiner heiligen Aufgabe und gleich dem "b, dessen Dienst erst im 25. Jahre begonnen habe, möge derselbe nach jetzt ebenfalls zurückgelegtem 25. Lebensjahr in allseitig aktiver Weise sein Ziel erstreben, lernen, lehren, schaffen und unterstützen, in min, mit min und fü r min. Nicht unerwähnt mögen ferner zwei um den Verein verdiente Herren bleiben, von welchen der eine, Herr I. Lehmann, der eifrig strebende Vorsitzende des Vereins, in gewohnter, opferfreudiger Weise zum Gelingen des schönen Festes hervorragend beitrug, und deffen Verdienste, um jüdische Lehre und jüdisches Leben von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Marx in gebührend sinniger Weise geehrt wurden, während ein anderer Gönner des Vereins — anonym — zur pietätvollen Erinnerung an dies Jubiläum einen prachtvollen Becher stiftete, welcher in kunstvoller Gravirung die Namen aller Mitglieder des Vereins seit deffen Gründung enthält. Das Fest selbst wird ein denkwürdiges in der Geschichte des Vereins bleiben und durch alle Zeiten die Wahrheit verkünden, daß einiges, begeistertes Streben für heilige Ziele, sowohl diese als die Strebenden gegenseitig adelt, min verbreitet durch Lehre und Leben, aber auch Hingebung weckt und den Opsermuth entflammt in den Herzen ihrer Jünger! Frankfurt a. M. Aus meiner Reise in Norddeutschland habe ich die bedauerliche Wahrnehmung gemacht, daß in manchen, darunter hervorragenden Gemeinden, bezüglich ndrp und Sabbat-Ausgang ein nicht zu rechtfertigendes Zeitmaß angegeben und eingehalten wird. Am vorigen Sabbat (21. Nov. n^tm) war ich in einer Gemeinde, in welcher der Gottesdienst am Freitag Abend 4 Uhr 15 Min. und net? wrc 4 Uhr 39 Min. mit ira begonnen, demnach Freitag Abend 24 Minuten vor Nacht mit dem Beten angefangen wurde. Rechnet man nun 15 Minuten — in Wirklichkeit dauert es ja länger — bis zu rav nbnp, so hat man nur fünfzehn Minuten vor Nacht n2e> ^3pv gewesen! Möchten maßgebende Kreise und Persönlichkeiten diesem Uebelstande ihre Aufmerksamkeit zuwenden, hier ist schleunigste Abhilfe geboten. Berlin, 24. Nov. Die alljüdische Sitte der Einfachheit der Beerdigung und die Gleichheit von Arm und Reich im Tode schwindet immer mehr aus den jüdischen Gemeinden. Das Reformjudenthum huldigt vielfach dem „Claffen"-Unwesen und dem Kranzluxus. Da viele Juden mehr auf Andersgläubige hören, als auf ihre eigenen Lehrer, so ist Folgendes zur Veröffentlichung in einem jüdischen Organe geeignet. Vom Hofprediger Dr. Frommel wird geschrieben: „Wie oft hat der Heimgegangene Seelsorger seinem Widerwillen gegen den Luxus und die Verschwendung, die in der Widmung von Kränzen zu Tage tritt, Ausdruck gegeben. „Wenn ich das Geld, das in Kränzen angelegt wird, für meine Armen hätte" — so hat er oft geäußert, — „welche Wohlthaten könnte ich damit erweisen." Auch der Kaiser und die Kaiserin werden diesem Wunsche ihres verehrten Seelsorgers entsprechen und keine Kränze an seinem Sarge niederlegen." Das verdient auch bei Juden Beherzigung. Wrescherr, 19. Nov. Welchen Einfluß die Rabbiner in Rußland auf ihre Glaubensgenoffen haben, zeigt folgende Thatsache. Zur Ehre unserer Glaubensgenoffen muß man sagen, daß Trunksucht unter ihnen nur in äußerst geringem Maße verbreitet ist und wo in einzelnen Fällen dieses Laster auftritt, sucht man es mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu beseitigen. So fröhntc dem Laster der Trunksucht ein israelitischer Kaufmann, der trotz aller Ermahnungen und selbst Drohungen der Verwandten der lasterhaften Neigung nicht entsagen wollte. Jetzt wandte man sich an den Rabbiner, der über den Trunksüchtigen das Cherem (Bann) aussprach. Infolge dessen sagten sich nicht nur die Frau und Kinder von dem in den Bann gethanen Kaufmann los, sondern auch alle israelitischen Kaufleute brachen alle Beziehungen zu ihm ab. Das brachte den Trunksüchtigen zur Vernunft : er schwor vor dem Rabbiner, nicht mehr dem Laster zu fröhnen, und nach einer einjährigen Probezeit wurde der Bann aufgehoben. Hermann Wolff.