Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 94 (23.11.1896)
- Date
- 1896-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1790 Lehren, als Tausende Goldes und Silbers!" Allein im Grunde predigt auch jedes andere unserer Feste jenen Gedanken, rufen sie uns alle, das eine in dieser, das andere in jener Form, die Erhabenheit unserer Seelengaben in's Gedächtniß. Oder lehrt es uns nicht jeder Sabbat, wenn er mit seinem süßen, beseligenden Frieden Einkehr hält in Haus und Herz, daß alle Güter dieser Welt nicht glücklich machen, wenn wir sie nicht als von Gott gegeben ansehen? Ja, rüttelt uns nicht das Leben selbst durch seine donnernden Geschicke gar oft mit einem mächtigen Schlage zu der fast verlorenen Erkenntniß empor, daß nur das Morgenroth des Ewigen und Göttlichen die düsteren ^Schatten des Daseins zu verscheuchen vermag? Nun wohl, des Chanukafestes Mahnungen gehen tiefer, als wir sie zu fassen gewöhnt sind. Gleichwie die kleinen unscheinbaren Lichtlein, die jeder leise Luftzug fast verlöschen kann, dennoch eine so gewaltige und vernehmliche Sprache reden, in ihrem lieblichen Schein einen so tiefen Sinn ausstrahlen, so sind auch die Chanukkatage wohl prunklose; aber geachtete, sinnige und tiefgehende Festtage! Unsere synagogalejLiturgie ist^ bekanntlich bestrebt, die Gedankenkreise unserer Feste zu erweitern und zu vertiefen. Sie thut dies an Sabbaten und hervorragenden Festtagen, indem sie zu dem Gedankeninhalt des Wochenabschnitts oder zu dem der festtäglichen Perikopen entsprechende Anlehnungen aus den Prophetenbüchern hervorsucht und miltheilt, und so die Tiefe des Thorawortes durch die beispielkräftige Wucht geschichtlicher Ereignisse oder durch die begeisternde Macht der Sehersprache in einen deutlicheren Gesichtskreis emporzuheben sucht. Auch die Größe des Chanukkagedankens hat sie erfaßt und in seiner ganzen unerschöpflichen Bedeutung entwickelt. Zu Chanukka, welches auf einem Ereigniß aus nachbiblischer Zeit begründet ist, mußte ein weiter zurückliegender Vorgang gefunven werden, um die Bedeutung des Festes in das rechte Licht zu rücken. Dies geschieht denn auch, indem die Haftara des in die Chanukkawoche fallenden Sabbat der Tempelreinigung und Tempelweihe aus makkabäischer Zeit die ähnlichen Vorgänge gegenüberstellt, welche etwa ^vierhundert Jahre zuvor einen Theil des israelitischen Volkes im heiligen Lande so tief bewegt haben. Auch damals lag das Heiligthum darnieder, waren die hehren Mauern zerstört und geborsten, hatten die gottgeweihten^Geräthe^ zu unreinen, entheiligenden Zwecken gedient. Wohl war die Blüthe Israels, die begeisterte Mannschaft unter Jeschua's und Serubabels Führung aus Babylon zurückgekehrt, wohl hatten sie begonnen, Stein an Stein zu fügen und die heiligen Mauern an der Stätte, die Gott auserwählt, aufs Neue emporzuführen: allein der Anfang war ein so kläglicher, das; die alten Leute, die noch die Pracht des ersten Tempels geschaut hatten, in Thränen ausbrachen. Und als dann die Feindseligkeiten der Samaritaner hemmend eingriffen und allmählich die Begeisterung aus den Herzen der Zurückgekehrten verscheuchten, da blieben die Mauern halbfertig stehen, die kaum ergriffenen Arbeitsgeräthe ruhten, statt eines Gottestempels hatte man eine Ruine emporgebaut, deren Mauern als deutliche Ankläger in die Lüfte ragten und von deren kahlen Höhen der Vorwurf der Muthlosigkeit, der Schwäche und des Kleinmuths herabzutönen schien. Und siehe da, ebenso wie später unter der Schreckensherrschaft des Antiochus die begeisterte Rede des alten Mattisjahu seine ihm ebenbürtigen Söhne zu Kampf und Sieg entflammte, so hatte damals das Vaterwort des Einig-Einzigen durch den beredten Mund seiner Diener nach langem, traurigen Zwiespalt, des Volkes Kräfte wieder geeinigt, die Schwachen befestigt, die Muthlosen mit neuem Eifer und neuer Zuversicht erfüllt, hatte endlich die Vollendung von Tempel und Opferaltar und die erneute Weihe des Heiligthums in glänzendem Triumphe herbeigeführt. Die Propheten Chaggai und Secharja waren es, die, vom Geiste des Herrn erfüllt, mit dem lodernden Feuer ihrer Persönlichkeit, wie mit der Unwiderstehlichkeit ihrer Mahnrede jenes herrliche Ziel erreichten. Zeigt nun die zur Hastara des Chonukasabdat ausersehene Profetie des Secharja in geheimnißvollen Visionen, wie mit der äußeren Erneuerung, der äußener Reinigung auch der innere Aufbau des Volkes, sein Wandel im Lichte Gottes Hand in Hand gehen müsse, so scheint uns ein Wort des Propheten Chaggai nicht minder werthvoll zu fein und in nicht minder inniger Beziehung zu den Lehren der makkabäischen Erhebung und des makkabäischen Sieges zu stehen. Insbesondere, wenn wir uns anschicken, diese Lehren auf unser Zeitalter anzuwenden, den ewigen, unvergänglichen Kern aus ihnen herauszuschälen und die große, gewaltige Vergangenheit einer fortgeschrittenen Gegenwart als Spiegel entgegenzuhalten, wenn wir, mit einem Wort, von unseren Ahnen lernen wollen, so wird uns jenes Wort des Chaggai, das zu einem dem makkabäischen so ähnlichen Zeitalter gesprochen ward, wie eine Leuchte in dunkler 'Nacht neue Bahnen eröffnen. (Fortsetzung folgt.)