Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 93 (19.11.1896)
- Date
- 1896-11-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1779 Tenor, über welchen der Vortragende in ausgiebigster Weise verfügt, seine Vortragsweise, welche eine gründliche, musikalische Ausbildung und die Beherrschung der lieblichen, alten verrälh, hat die Zuhörer wahrhaft entzückt. Nach Einheben der mw ergriff der junge Herr Herz das Wort zu einein kurzen Vortrag, in welchem er die Bedeutung eines der min isb zum Ausdruck brachte, und weil gerade an diesem Tage ein cve von xsv rcca mit der Feier verbunden wurde, so verstand es Redner, die Bedeutung dieser beiden freudigen Ereigniffe in schönster Weise zu vereinigen. Derselbe bekundete durch seinen Vortrag, daß er auch als Talmudift und Redner Gründliches und Gediegenes zu leisten vermag. Ihm sei an dieser Stelle der öffentliche Dank ausgesprochen, und wünschen wir, daß der verehrlichen Familie Herz auch fernerhin nur rrnsL» beschieden seien. O e st e r r.-U ngar. Monarchie. Wien, ü. Rov. Der Führer der Antisemiten, der ärgste Judenhasscr, Dr. Lueger, ist in dem Bezirk Leopoldstadt, wo die meisten Juden wohnen, zum Landtagsabgeordneten gewählt worden; wohl konnte dies nur durch die maßloseste Agitation des antisemitischen Pöbels erreicht werden, allein daß es erreicht wurde, das ist beschämend und betrübend zugleich! — Mit welchen Mitteln bei den jüngsten Wahlen zu Werke gegangen wurde, beweist die Thatsache, daß, wie aus mehreren Erklärungen von Wählern ersichtlich, der Bürgermeister durch städtische Diener Wahlzettel, mit seinem Namen ausgefüllt, den Wählern in's Haus sandte. — Der niederösterreichische Landtag hat jetzt eine antisemitische Zweidrittel-Majorität. Aus Ungarn. Dieser Tage überbrachte, wie bereits berichtet, eine Abordnung der Preßburger orthodox-israel. Gemeinde die usuellen Martinigänse nach der Wiener Hofburg. Sr. Majestät empfing die Deputation, deren Sprecher der langjährige verdienstvolle Präses Joel Wolf war, in überaus huldvoller Weise und richtete an jeden einzelnen der Herren freundliche Worte. Der Herrmanstädter Landmann Joachim Radoi hat vor Jahresfrist an eine Straßenecke ein großes Gemälde ausgehängt, welches in grellen Farben die Fabel vom Tisza-Eszlürer Ritualmorde veranschaulichte. Dem Gemälde fügte er die Erklärung bei, daß die Juden das Blut von Christen unbedingt zu religiösen Zwecken benöthigen. Der Gerichtshof erblickte jedoch in dieser „sinnreichen" Erklärung eine Aufreizung gegen die israelitische Confession und verurteilte den modernen Landmann zu 10 fl. Geldstrafe und 2 Wochen Gefängniß. H. L. Rußland. Warschau, 17 Nov. Zur Juden frage enthält der „Marsch. Dnewn." eine bemerkenswerthe Aeußerung; er kritisirt nämlich die Verhandlungen der jüdischen Kolonisationsgesellschaft in Paris, bei welchen u. A. auch empfohlen worden, dafür zu sorgen, daß die in Rußland zurückbleibenden Juden nach Möglichkeit mit Land versorgt und zum Ackerbau angehalten würden. Das sei nun nach Meinung des „26. D." aus zwei Gründen ausgeschlossen: Außerhalb des Ansiedelungsrayons sei den Juden der Aufenthalt auf dem flachen Lande überhaupt verboten, es könne somit auch gar nicht davon die Rede sein, sie mit Land ansässig zu machen, im Weichselgebiet aber, wo ein solches Verbot nicht bestehe, seien an verkäuflichem Lande blos etwa 2 Millionen Morgen disponibel, welches Areal für die landlosen und die wenig Land besitzenden Bauern, für welche es kaum hinreiche, reservirt bleiben müffe. „Nicht ein Fuß breit Landes und für Geld an die Juden"", lautet die Schlußsentenz des offiziösen Blattes. Demgegenüber werden thatsächlich alle theoretischen Erörterungen über die Beschäftigung der Juden mit der Landwirthschaft hinfällig, ebenso aber wohl auch alle wider die Juden nach dieser Richtung erhobenen Vorwürfe. England. London. (Tod der Gräfin Rachel d'Avigdor.) Donnerstag verschied hier nach langem, schweren Leiden die Gräfin Rachel d'Avigdor, die Tochter des verstorbenen Sir Jsaae Lyon und Isabel Goldsmid. Die Verstorbene war eine hochgebildete Dame, die eine ausgezeichnete Erziehung genoffen hatte; unter ihren Lehrern befand sich z. B. der berühmte Dichter Thonras Campet. Ihr Schwiegervater war ein Mitglied des großen von Napoleon einberufenen Sanhedrin. Die Namen Figdor und Avigdor sind wohlbekannt in der jüdischen Literatur. Im Süden Frankreichs leben einige Bankiers, Verwandte des Gatten der Verstorbenen. Von drei Söhnen, die sie ihrem Manne schenkte, lebt nur noch einer Sergius d'Avigdor. Ihre einzige Tochter ist die Wittwe von Horatio Lucas. Die Verstorbene, eine ungemein fromme, streng orthdoxe Jüdin, trennte 'ich von ihrem Manne Salomon Henri d'Avigdor, als dieser nach Paris ging, wo er ein persönlicher Freund Napoleons des Dritten wurde, der ihm sogar den Herzogstitel verlieh. Sie war Präsidentin und Mitglied vieler wohlthätiger Vereine, bezeugte großes Interesse für jüdische Schulen und jüdische Künstler und Künstlerinnen.