Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 93 (19.11.1896)
- Date
- 1896-11-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1776 Hettimgsnachrlchtett und Correfponderrzen. Deutschland. Aus Frankfurt a. M., 12. Nov. Auf Veranlassung des Bürgermeisters von Dörnigheim, Herrn Lapp, sollte in der Kirche seines Ortes eine Tafel aufgehängt werden, welche die Namen derer verzeichnete, die am letzten französischen Kriege theilgenommen hatten. Unter den sich anmelvenden Kriegern befanden sich auch die Herren W 0 l f S t e i g e rwald und Löser Steigerwalo, beide jetzt in Frankfurt wohnhaft. Der Geistliche verbot aber die Anbringung der beiden israelitischen Namen. Die Herren beruhigten sich nicht bei diesem Bescheide. Jetzt nun theilt Herr L. Steigerwalo mit: „Dem Dörnigheimer Pfarrer ging seitens des Landrathsamts in Hanau die Aufforderung zu, sowohl mich als meinen Vetter zu benachrichtigen, daß die Gedenktafel mit unseren Namen in der Kirche aufgestellt wird, was auch bereits geschehen ist. Im Uebrigen halten die Dörnigheimer Kriegskameraden beschloffen, daß im Falle unsere Namen nicht auf die Tafel gesetzt werden dürfen, die Errichtung einer Tafel unterbliebe." Thorn. (Der d eut sche Pr ivatb eamtenverein und die Antisemiten.) In einer Sitzung des Deutschen Privatbeamtenvereines zu Thorn hatte ein Antisemit sich über die Aufnahme von Juden in den Verein beschwert und hierbei betont, daß unter einem Deutschen nur ein Arier verstanden werden könne. Darauf erhielt er, wie der „Deutsche General-Anzeiger" mittheilt, folgendes Schreiben: „Unter Bezugnahme auf Ihre in der letzten Monatssitzung des Vereines gemachten Bemerkungen machen wir Sie darauf aufmerksam, daß wir ein derartiges Benehmen nicht dulden dürfen und sowohl zur Wahrung des Ansehens unseres Vereins, als auch zum Schutze unserer Mitglieder energisch Verwahrung dagegen einlegen müssen. Wir weisen Sie noch besonders darauf hin, daß im Deutschen Privatbeamtenverein weder politische, noch religiöse Zwecke verfolgt werden, noch verfolgt werden dürfen, und daß bei den Zusammenkünften des Vereins Alles zu vermeiden ist, was einen Ande. tzdenkenden oder Andersgläubigen in seinem Denken und Glauben beleidigen könnte. Hochachtungsvoll Deutscher Privatbeamtenverein, Zweigverein Thorn. Der Vorstand. Posen, 16. Nov. In einem kleinen Städtchen an der polnischen Grenze, Zerkow, wurden die Bewohner im Sommer, und zwar im Wonnemonat in große Aufregung versetzt. Es verbreitete sich plötzlich das Gerücht, daß der Gastwirth Graubart einen Knaben habe rituell schachten wollen^und schon gab es hierorts Leute, welche behaupteten, es gesehen zu haben. Herr Graubart soll den Knaben geknebelt, ihn in ein Zimmer geschleppt und dort auf's Bett geworfen haben, wo er die Hand erhob und den rituellen Schächterschnitt ausführen wollte. Mit diesen schaurigsten Ausschmückungen wurde die Anschuldigung gegen Graubart und seine Glaubensgenossen verbreitet. Dieses Märchen wurde natürlich der gerichtlichen Behörde übermittelt, und nachdeni gegen 40 Zeugen vernommen worden waren, ging dem Herrn Graubart von der Staatsanwaltschaft dieser Tage die Mittheilung zu, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt ist. Veranlassung zu diesem Falle gaben folgende Einzelheiten: Die Frau des Herrn Graubart kaufte von einer Landfran zwei Tassen, die mit Butter gefüllt wurden, denn dort ist es noch üblich, daß die Leute die Butter in Taffen zum Verkauf bringen. Am nächsten Markttage sandte nun die Verkäuferin ihren 12jährigen Sohn zu Frau Graubart, um die Tassen abzuholen. Herr Graubart war allein im Laden anwesend und wußte nicht, wo die verlangten Tassen aufbewahrt waren. Er ging deshalb in den Hof, um seine Frau darnach zu fragen und verschloß während dieser Zeit die Ladenthür. Der Knabe blieb nun allein im Laden, er sing, wahrscheinlich aus Furcht, daß er allein war, laut zu weinen an, und dieses laute Weinen ist draußen gehört worden. Da es gerade Wochenmarkt war und dieses Haus am Markte liegt, so sammelten sich schnell eine Menge Menschen vor dem Hause, und dieses gab Veranlassung zu dem Gerücht, lieber die Ursache des Weinens befragt, konnte der Knabe anfangs gar keine Antwort geben, bald aber schien er sich in der Rolle eines Märtyrers zu gefallen und war nahe daran, von unfern Antisemiten heilig gesprochen zu werden. Herr Granbart wurde deswegen mit einer Anklage wegen Freiheitsberaubung bedacht; dieselbe ist, wie bereits mitgetheilt, von der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen worden, und will Herr Graubart nun gegen die Verbreiter energisch Vorgehen. Wasfertrüdingen, 1ö. Nov Am ns» rnfnn wurde dahier das seltene Fest der Einführung einer neuen Thorarolle gefeiert. Unser verehrter Lehrer Herr Herz hat an diesem Tage dieselbe ihrer Bestimmung zu geführt. Das “iss wurde in feierlichster Weise aus der Behausung des Genannten abgeholt und bei seinem Erscheinen im Gotteshause mit xsn 7ns empfangen. Die Gesänge sowohl am Freitag Abend, als am ns» beim -pm wurden durch den Sohn unseres verehrten Herrn Lehrers, welcher z. Zt. in Prichsenstadt als Lehrer angestellt ist, vorgetragen. Der herrliche