Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 93 (19.11.1896)
- Date
- 1896-11-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448693--42862-2491884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ich erst hinauf in's Betzimmer; da saß ich und ließ mein ganzes langes Leben mit all seinen Kämpfen und Qualen, Freuden und Leiden an meinem geistigen Auge vorüberziehen und so mag es wohl gekommen sein, daß ich der fliehenden Zeit nicht achtete." „Du warst bei Gott, Vater," sagte Korani des alten Mannes Hand ergreifend und an seine Lippen führend; „wohl denen, die es nie verlernt haben zu Gott aufzuschauen und ihm für alles Gute zu danken!" Das waren herrliche Tage, die die wieder vereinten Familienmitglieder jetzt verlebten. Ein Geist der Zusammengehörigkeit, der echten, im Glauben an Gott erstarkten Frömmigkeit beseelte alle. „Nur wo alle eines Sinnes, eines Glaubens sind," sagte Wernau, als sie nach dem Gottesdienst am ersten Festtage die Synagoge verließen, „kann wahres Familienglück Wurzel fasten. Versprecht mir Kinder, daß Ihr, auch wenn ich nicht mehr bin, Eurem Gott, und damit Euch selbst, treu bleiben wollt." — Ein stummer Händedruck sagte mehr als Worte. Julius, tief bewegt, reichte seiner Frau den Arm und ging mit ihr voran; er sprach nichts, aber die Frage: „Wärst Du des Glückes dieser Stunde theilhaftig, wenn Du jene Andere als Dein Weib heimgeführt hättest?" trat deutlich vor seine Seele. Er beantwortete sie, indem er Jennys Arm fester an sich drückte und ihr vernehmbar flüsterte: „Geliebte Frau, in Dir und mit Dir habe ich das wahre Glück gefunden!" Inniger schmiegte sie sich an ihn; ihre Augen begegneten einander; sie glühten vom Feuer jener echten Liebe, die, wenn der Sinnesrausch längst geschwunden, ihre Wunderkraft noch nach Jahrzehnten in ungetrübter Reinheit bewahrt. —ZDasI'ist die Liebe gleichgestimmter Seelen, die trotz Wandel der Zeiten ewig gleich bleibt. Bertha und Korani folgte den Beiden. „Wir haben zwar," sagte die junge Frau, „zwei Lebensjahre verloren, jene Jahre, in denen Du einem falschen Ideal nachjagtest; aber sag' aufrichtig, Schatz, war es nicht richtig, daß ich damals consequent blieb? Denke, wenn Du in der Kirche, ich in der Synagoge die Andacht verrichten, wir verschiedene Feiertage halten würden, wo wäre da die Poesie des Familienlebens, wie entsetzlich wäre überhaupt ein solches Dasein?" „Du Haft Recht, wie immer," sagte Korani, „und dann, wie Hütten wir das Kind erziehen sollen? Es war eben eine Irrung, aus der wir uns glücklich emporgearbeitet haben!" „Ja, und zum Danke dafür," sprach Bertha, „erziehen wir unseren Jungen zu einem guten charaktervollen Menschen, der dereinst, treu seinen! Glauben, die Irrungen vermeiden wird, deren sein Vater zum Opfer fiel." „Gefallen wäre," verbesserte Dr. Korani, „wenn ihn sein guter Engel nicht vor dem Fall bewahrt hätte!" „Ich Dein guter Engel?" fragte scherzend die junge Frau. Sie waren eben am Hause angelangt; schnell trat er mit ihr in die Vorhalle und sie zärtlich umarmend sprach er: „Ja mein guter Engel! Danke ich es Dir doch, daß ich wieder heimgefunden und ein Glück genieße, das weder Amt noch Würden bieten können; die Ruhe des Gewistens und echtes, trautes Familienglück! Der „JSraelit" erscheint wöchentlich aweimal, montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Duchhandel verkehrt Lurch E F. Ktrinacker, -eipfig, Noßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzeilc oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden, «ine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zur ückzuv eh alten. Inhalt (Hauptvlatt) r Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelit. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Köln. Altona. Aus Unterfranken. Oesterr. Ungar. Monarchie: Bukarest. Italien: Livorno. Marocco: Tanger. — Vereinsnachrichten. — Gerichtszeitung. — Feuilleton: Chawiwin Jißurin. Eine Erzählung von Jda Barber, Wien. (Schluß.) Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Verkappter Antisemitismus in Ungarn. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Frankfurt a. M. Thorn. Posen. Wassertrüdingen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Warschau. England: London. — Personalen. — Vermischtes. Inhalt der -wetten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Vom badischen Schwarzwald. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Triest. Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse. Verantwortliche Redactton: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.