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Der Israelit · 1896-11-19 · Heft 93 (19.11.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 93 (19.11.1896)
Date
1896-11-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1774 Werden, daß jene Zöglinge, die blos Lehrer oder blos Cantoren (Schächter) werden wollen, schon mit Schluß des fünften Jahrganges ihre Reifczeugniß erhalten. Unsere Gemeinde, die nicht wenig stolz darauf ist, daß vier italienische Gemeinden Parma, Pisa, Reggio und Modena Livorneser Kinder als Rabbiner haben, und daß eines ihrer Kinder, Rabbi Sabato Morais n, nicht nur Rabbiner dir sephardischen Gemeinde zu Philadephia, sondern zugleich auch Leiter des orthodoxen Rabbiner- SeminarS in New Aork ist, würde so noch weiter eine Pflanzstätte für die Thora bleiben und nockweiter ihre Kinder als Rabbiner oder Hazanim in die Welt hinausschicken können. Aber auch Roni, die Metropole Italiens, könnte dann seine eigenen Kinder als Rabbiner und Hazanim anstellen. Diesis schöne Project, das jetzt noch erwogen wird, dürste bald eine vollendete Thatsache sein. M a r o c c o. Tanger, l. Nov. Der „Al-Maghreb Al- Aska“ hier schreibt; „Ein düsterer Schein wurde auf die hiesige jüdische Gemeinde durch den soeben erfolgten Tod des Herrn I L. Benfusan, eines ihrer geachtetsten Mitglieder geworfen, der nach langer und äußerst schmerzhafter Krankheit, deren rascher Fortschritt gleich vom Anfänge an jeder ärztlichen Hilfe spottete, verschied. Er war über fünfundzwanzig Jahre Dolmetsch des französischen Consulatcs hier. Vor seinem Tode betraute er noch seinen langjährigen Freund, Herrn Zarbib, mit einer wichtigen Mission an den neuen französischen Consul, Herrn Bertram. Beide Herren haben den letzten Wunsch des Verstorbenen auch großmüthigst erfüllt. Eine zahlreiche Schaar gab dem Todten das letzte Geleite und am Begräbnißtage wehte die Flagge des französischen Consulates halbmast." (Obige Correfpondenz stammt nicht von unserem gewöhnlichen Berichlestatter her, sondern von einem neuen Freunde unseres Blattes in Tanger, welcher wünschte, daß das Ableben des Verstorbenen auch im „Israelit" erwähnt werde. D. Red.) Wereiusnachrtchten. Zürich. Dem zweiten Jahresbericht des Vereins Renion dahier entnehmen wir: Von kleinen Anfängen ausgehend, aber getragen von der Sympathie seiner Mitglieder hat der Verein Reunion sich mehr und mehr über einen großen Theil der israelitischen Bevölkerung Zürichs ausgedehnt. Er hat durch Vorträge das Interesse für jüd. Geschichte und Literatur, durch prächtige Unter- Haltungen, Gründung von Lesezimmer und Bibliothek geistiges und geselliges Leben unter seinen Mitglieden gefördert. Treuevoller und idealer Gesinnung seiner Mitglieder ist es zu verdanken, daß manch schwere Probe siegreich bestanden worden ist, so daß der Verein nicht nur nach Innen, sondern auch nach Außen eine Achtung gebietende Stellung sich erworben hat. Gerichtszeitung Lemberg. Ein eigenthümlicher Prozeß wurde dieser Tage^vor dem Strafgericht zu Kalusz verhandelt. Unter der Schafherde des Gutsbesitzer Suchorzcwski in dem Dorfe Kosztlbv unweit Slupce brach eine Seuche aus, der zahlreiche Schafe zunr Opfer fielen. Der Besitzer wandte vergebens allerlei Mittel an; ta beschloß der Schafhirt Brzonkowski, der, wie alle seine Bcrufsgenossen, „zauberkundig" war, auf eigene Faust ein Mittel anzuwcndcn, welches bei der abergläubischen polnischen und ruthenischen Bauernbevölkerung traditionell ist, nämlich die Lerche eines jüdischen Kindes aus dem Weideplatz der Schafe zu vergraben Er verband sich mit zwei Eomplicen, m>t denen er sich Abends in den Fiiedhof zu Slupce stahl, wo er die Luche eines kurz zuvor beerdigt n Kindes ausgrnb und in ein Laken gewickelt mitnahm Vorher halten die Leichenschänder, um sich Eourage zu machen, in einem Wirlhshause gekneipt, und dorthin begaben sie sich auch nach verübter That; einer kaufte Schnaps, und betrunken, wie sie waren, sielen sie in einen Graben, in dem sie ihren Rausch ausschliesen. Als sie bet Morgendämmerung erwachten, gingen sie nach Hause, vergaßen aber die neben ihnen liegende Leiche. Dieselbe wurde später gesunden, und ein neben ihr gefundener Stock führte aus die Spur der Thätcr. Brzonkowski wurde zu zwei Monaten schweren Kerkers, seine Genossen zu vier Wochen Arrest verurtheilt. Feuilleton. Shcrwiwin Iißurin. Eine Erzählung 9) von Ada Barber. Wien. Rach einiger Zeit wurde er noch spät Abends in den Krankensaal berufen; man meldete ihm, daß eine Schwerkranke, die man bewußtlos auf der Straße gefunden, soeben eingebracht worden sei. — Bald stand er an dem Lager einer bleichelt, regungslos daliegenden Frau, deren Antlitz von Blut überftrömt war; es kam aus einer Wunde am Kopfe, die ihr wohl mit einem Beil beigebracht worden sein mußte. Als er ihr in die jetzt sich öffnenden Augen blickte, war es ihm als stehe sein Herz still. „Kathi," rief er, vollständig vergessend, wo er war. Die bleiche Frau richtete sich vollends auf, sah ihn starr an und schien ihn nicht zu kennen. „Man hat mich in's Krankenhaus gebracht?" fragte sie betroffen umschauend. „O, wenn er nur nicht erfährt, wo ich bin," jammerte sie, „er hat mich geschlagen, mit Füßen getreten, er wollte —" „Beruhigen Sie sich," unterbrach sie Julius; „lassen Sie uns zuerst Ihre Wunde untersuchen."

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