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Der Israelit · 1896-11-19 · Heft 93 (19.11.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 93 (19.11.1896)
Date
1896-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1773 ■i j I Oe st err.-Ungar. M onarch ie. Bukarest, 10. Nov. Die moralische und materielle Lage der 300 000 Israeliten, welche das Königreich Rumänien bewohnen, ist bedauernswerther und trauriger als selbst jene unserer grausam verfolgten Glaubensgenossen in Marocco, Persien und Rußland. Inzwischen scheinen unsere Glaubensbrüder in den civilisirten Ländern unsere Leiden nicht zu kennen, welche schon seit Jahrzehnten datiren und sich von Jahr zu Jahr verschlimmern, besonders seit dem Jahr 1878, d. i. seit dem letzten russisch-rumänisch-türkischen Kriege, in welchem mehr als 4000 rumänische Juden als Soldaten muthig und tapfer kämpfend für die Ehre, Ruhm, Größe und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes ihr Leben auf den Schlachtfeldern in Bulgarien geopfert haben, nicht zu gedenken der anderen lausenden verwundeten und zu Krüppel gewordenen jüdischen Soldaten, welche für alle Zeit dienstunfähig geblieben. Anstatt nun für die unermeßlichen Opfer an Gut und Blut, welche die Juden mit den: ganzen Eifer und mit Hingebung fürs Vaterland gebracht, erkenntlich zu sein, haben es die rumänischenStaatsmänner verstanden, durch ihre schlaue Diplomatie den Artikel 44 in dem im Jahre 1878 in Berlin geschlossenen internationalen Vertrage der sieben europäischen Großmächte, welcher Rumänien die Verleihung der bürgerlichen und politischen Rechte an die eingeborenen Juden zur Pflicht machte, zu vernichten, ja sie ihaten das Gegentheil, indem sie alle Juden in ihrem, auch mit ihrer Hilfe vom türkischen Joche befreiten Heimathlande als Fremde erklärten. Eine ähnliche Undankbarkeit hat man noch nie wabrgenommen, und keine der sieben Großmächte hat gegen diese schreiende Ungerechtigkeit protestirt, wahrscheinlich, weil diese nicht die Cretenser ooer christlichen Armenier betraf, die Juden sind eben schutzlos. Die Folge dieser empörenden Ungerechtigkeit ward verhängnißvoll für die rumänischen Juden, welche gesetzlich als Fremde in ihrem Heimathlande angesehen werden, aber allen Steuern und dem Militärdienste unterworfen, der geringsten Rechte beraubt sind, selbst derjenigen, die Staatsschulen zu besuchen, welche doch aus dem Staatssäckel, zu dem die Juden reichlich beisteuern, errichtet und erhalten werden. Die einschränkenden Gesetze, welche durch die gesetzgebenden Kammern gegen die Juden votirt wurden, sind unzählig. Diese Ausnahmsgesetze haben ihnen alle Broderwerbsquellen verschlossen, darum sind sie auch fast alle arm. Aber jene Gesetze, welche besonders drückend empfunden werden, das sind die Gesetze vom Jahre 1893, welche den rumänischen Juden die Schulen und die öffentlichen Krankenhäuser verschloffen haben. Durch diese draconischen, seitdem noch verschärften Gesetze haben die Rumänen ihren unversöhnlichen Haß gegen die Juden bis zur Evidenz bewiesen. Und trotz alledem nennen sie sich civilisirt, freisinnig, demokratisch und lieben es, Rumänien den Titel „das Frankreich des Orients" (France de FOrient) „den Herd des Lichtes des Balkans" (Foyer de lumiere de Balcans) ic. beizulegen, während in Wirklichkeit jenes Land nur den Titel „Wilder Barbar" verdient. Daher geschieht es, daß wegen der unsäglichen Leiden, welche die rumänischen Juden ausstehen, sie zu Hunderten mit Weib und Kino in gastfreundlichere Länder, vorzüglich nach Ungarn, Bulgarien, Türkei und Palästina auswandern. Jüngst haben in Galatz sich hundert jüdische Familien, welche 772 Seelen zählten, nach der Türkei eingeschifft, mit dem Vorsatze, in Palästina ein Grundstückanzukaufen, um daselbst eine Ackerbau-Colonie zu gründen. Was so den Einen zum Wohle, gereicht Rumänien insoserne zum Nachtheil, als es so thätige und arbeitsame Menschen verliert. Unglücklicherweise können nicht alle auswanderrn. Diejenigen, welche Zurückbleiben, und deren Zahl ist groß genug, kämpfen größtentheils mit Elend und Angst, besorgt um die Zukunft ihrer geliebten Kinder, welche die rumänische Regierung abschtlich des Unterrichts und der Erziehung beraubt. Italien. (Ad.) Livorno, 26. October. Trotzdem, daß die Anzahl der Juven in Italien blos 40,000 beträgt, besitzen dieselben doch zwei Rabbiner-Seminare, eines hier und eines in Rom, von denen eines selbstverständlich ganz überflüssig ist. Jndeffen will die hiesige Gemeinde, die eine brr^'2 vm “vy ist und aus der schon große Rabbiner, die wahre rrnnn *tbi> waren, hervorgegangen sind, auf ihr Rabbiner-Seminar, das früher eigentlich eine Jeschibah war, nicht verzichten, während die Gemeinde von Nom wieder behauptet, daß sie, als die erste des Königreiches und als die älteste jüdische Gemeinde Europas überhaupt, auch das Recht habe, eine eigene Rabbinerschule zu besitzen. Leider fehlt es dem Rabbiner-Seminar in Nom an den nöthigen Geldmitteln, während das hiesige, wo zahlreiche Stiftungen aus den alten Zeiten existiren, von der Sorge um Existenzmittel befreit ist. Man plant daher jetzt unter Beibehaltung beider Seminare, deren Studien so einzurichten, daß die Auslagen für dieselben bedeutend eingeschränkt werden können. Demzufolge würden die drei unteren Jahrgänge hier und in Rom fort bestehen, die zwei mittleren Jahrgänge würden dann hier und die zwei oberen Jahrgänge in Rom absolvirt werden. Das Lehrerpersonal hier und in Rom könnte dadurch bedeutend reducirt werden. Die Zöglinge brauchten daher im Ganzen nur sieben Jahre im Seminar zu bleiben. Auch soll das Studium so eingerichtet

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