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Der Israelit · 1896-11-19 · Heft 93 (19.11.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 93 (19.11.1896)
Date
1896-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1771 seines Weges wandelnden Bruder gram zu werden, der auch ihm die Wege seiner Ueberzeugung gönnt. „Was Du nicht willstu. s. w.," nicht wahr, das ist ja Euer Hillelsatz, den Ihr so gerne den ganzen übrigen Schulchan Aruch des Judenthums vertreten lasten möchtet? Ei, so zeiget doch, daß es Euch wenigstens mit diesem Einen Gottcsgebote Ernst sei, und ihr das wenigstens auch da übet, wo es einmal das Opfer eures Vortheils, eurer vermeintlichen Consequenz, eures falschen point d’honneurforbert. Oder gilt Euch auch dieses Gebot der N ä ch ft enliebe nur — im Bunde „mit bcm Fortschritte?" Aber, sprechet Ihr, die Bildung und Entwickelung dieser Neligionsgesellschaft führe nothwendig zur Auflösung der hiesigen israelitischen Gemeinde. Täuschet Euch doch nicht! Die hiesige israelitische Gemeinde besteht ja schon längst nicht mehr. Ihre Auflösung ist ja seit Jahren schon vollendet. Wäre sie es aber nicht, so legtet Ihr ein trauriges Zeugniß für Eure Ueberzeugungen ab, indem Ihr Eure Auflösung von einem so kleinen Häuflein, wie das der Religionsgesellschaft, fürchtet. Wir fürchten Euch nicht. Wir glauben an die Ewigkeit, weil an die Göttlichkeit der Institutionen, die uns verbinden, und darum auch an die Ewigkeit der Gemeinde, die sie trägt. Unser Judenthum ist so alt, hat schon so nmnche, so verschiedenartige Stürme so siegreich ausgehalten, — es wird mich diese Zeit prüfender Erschütterung überdauern. Habt Ihr das gleiche Zutrauen zu Eurem neuen „Prinzipe", wie Ihr es nennt, so zeigt's, daß Ihr ihm die Kraft eines Prinzips zutraut, und waget es. Euch auf eigene Füße zu stellen. Trauet Ihr aber selber Eurem neuen Glauben die lebensfähige, Herzen gewinnende, Begeisterung weckende und Hingebung, dauernde Hingebung erzeugende Kraft nicht zu, so meinet doch nicht, dies Alles durch äußere Autorität, durch obrigkeitliche Bei hülfe erzwingen zu können. Ein religiöses Gemeinwesen läßt sich nicht dekretiren. Ein religiöses Gemeinwesen wurzelt in der lebenswarmen, treuen Hingebung und Anhänglichkeit seiner Glieder an ein gegebenes, über Allen stehendes, gemeinsames Heilige. Man kann wohl Individuen zwingen, an gewisse Personen, in gewisse Kassen Zahlungen zu leisten. Aber man kann eben so wenig damit die Einen zwingen, das als ihr religiöses Heiligthum anzuerkennen, was mit diesem Gelde gezimmert wird, sobald es ihr religiöses Heiligthum nicht ist, als man den Andern, mit all diesen Leistungen doch keinen neuen Geist, kein neues Leben einhauchen, kein neues Heiligthum schaffen kann. Regierungsdekrete setzen ein religiöses Gemeinwesen voraus, wollenes nie schaffen. Ein Gemeinwesen aber, dessen Gemeinschaft nur in Regirung des einzig wirklich vorhandenen väterlichen Heiligthums und in unbestimmter Erwartung eines noch erst zu ermittelnden neuen Glaubens bestehen soll; — dessen Träger die Geltung des Codex selbst verleugnen, aus welchem sie doch allein die Berechtigung ihres Namens und ihrer Autorität zu deduciren vermöchten, — ein Gemeinwesen, das sich überall auf usurpirtem Boden, mit usurpirten Ansprüchen und Mitteln bewegt, die ausschließlich vielmehr gerade dem väterlichen Heiligthum angehören, dessen gemeinsame Bekämpfung und Verleugnung den Einigungspunkt desselben bildet, — ein religiöses Gemeinwe sen, das zu seinem Halt fortwährend der obrigkeitlichen Autorität bedarf, hat in der Brust seiner Scheinglieder längst zu sein ausgehört, ein solches Gemeinwesen hat keine Existenz. Was daran erscheint, ist Traum und Schaum, hat kein Wesen und keine Zukunft. Die Religionsgesellschaft aber hat eine Zukunft. Nicht weil sich Der und Jener zu ihr bekennt, nicht weil sie so und so viel Glieder zählt, sondern weil sie einen positiven, wahrhaftigen Kern in sich trägt, um den sich ihre Bekenner in treuer Hingebung schaaren, und der sich die äußere administrative Hülle natur- und rechtgemäß aus eigenen inneren Prinzipien von selbst anbildet. Der Wahrheit aber gehört die Zukunft. Kuschta kae. Amen für jetzt. Bei Philipps sehen wir uns wieder." — Wir fragen: haben diese herrlichen Worte wirklich schon alle aufgehört, aetuell zu sein? Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenze«. Deutschland. Mainz. 17. Nov. Unter ungeheuerer Betheiltgung fand heute das Leichenbegängniß des Herrn Jonas Bondi dahier statt. Schon lange Zeit vor dem anberaumten Termine füllten sich die Straßen in der Nähe des Sterbehauses mit einer unabsehbaren Menschenmenge, sowie mit Equipagen aller Art, unter welchen stch auch diejenigen befanden, die von den Corporations- und WohlthätigkeitSanstalten, welchen der Verblichene angehörte, abgesandt waren. In seinem Wohnzimmer, in welchem allsabbatlich seit langen Jahren regelmäßig dreimal

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