Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 92 (16.11.1896)
- Date
- 1896-11-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448692--42843-2491864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1758 nach russischer Sitte Salz und Brot überreichte. Indem er die Gaben in Empfang nahm, wandte sich der Bischof an die Deputation mit einer kurzen Ansprache, in der er hervorhob, daß alle Menschen die Kinder eines Vaters seien, und daß der Gott der Juden derselbe Gott ist, welchen die Christen preisen, zugleich ermahnte er die Juden, mit ihren christlichen Mitbürgern tu Eintracht zu leben. Ein ähnliches Vorkommniß hat auch in Slnpk ftattgefunden. Hier war es der Bischof Simeon, welcher die Stadt besuchte und ebenfalls von einer jüdischen Deputation, mit dem Rabbiner Eschmann an der Spitze, begrüßt wurde. Auf die Begrüßungsansprache des Rabbiners erwiederte der Bischof in Gegenwart der ihn begleitenden Geistlichkeit mit einer feierlichen Rede, in welcher er die Rothwendigkeit der Brüderlichkeit und Einigkeit zwischen allen Menschen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses betonte. Der Bischof nahm darauf das Brod und Salz, ertheilte allen Anwesenden den Segen und übergab das Brod dem Rabbiner mit dem Aufträge, dasselbe unter die anwesenden Juden zu vertheilen, als Symbol der Brüderlichkeit und Einigkeit. Griechenland. ('!.) Korfu, 12. Rov. Vor Kurzem befand sich hier aus der Durchreise ein angesehener und wohlhabender Glaubensgenosse aus Deutschland (derselbe wünscht nicht, daß sein Name öffentlich genannt werde), der sich eifrigst nach den Verhältnissen unserer Gemeinde erkundigte und auch einige religiöse Anstalten und unsere Synagogen besuchte. .Mehrere Gemeindemilglieder begaben sich zu dessen Begrüßung in sein Absteigequartier und schilderten ihm dabei zugleich auch die große Roth, die seit der letzten Judenverfolgung hier in unserer Gemeinde herrscht. Derselbe versprach Abhilfe und hielt auch getreulich Wort. Einige Wochen nachher trafen von ihm 3000 Drachmen ein, die er unter unseren Glanbensbrüdern im Deutschen Reiche gesammelt hatte. In seinem Begleitschreiben kündigte er uns zugleich an, daß sich in seiner Heimath einige wohlhabende Glaubensbrüder entschlossen haben, auf ihre Kosten einen Oberrabbiner hier anzustellen und zu diesem Behufe eine Concurrenz auszuschreiben. Dies soll auch schon erfolgt sein, und so diirften wir bald durch die edle Unterstützung unserer Glaubeubrüder im deutschen Reiche wieder einen >nnx-i nxa, einen Rabbiner haben. vermischtes. Pretzburg, fll. Nov. Heute, als am Martinstage, werden seitens der hiesigen orth. isr. Gemeinde in der Wiener Hofburg, in den betreffenden Kammerämtern, die üblichen Martini-Gänse feierlichst überreicht und hat sich zu diesem Behufe der Sekretär dieser Gemeinde, Wilhelm Grünsfeld und Gemeindebcamter Leopold Löwp bereits nach Wien begeben, während die Vorstandsmitglieder Joel Wolf, Mor. Bettelheikti und Ig. Herzfeld Morgen, am 12. d., aus diesem Anlasse von Sr. Majestät in Privataudienz empfangen werden. Feuilleton. (Lhawiwin Hißurin. Eine Erzähllmg 8) von Ada Barber, Wien. „Da wiirde ich gegen mctuc Ueberzeuguug sprechen, Bertha, und Du weißt, das thue ich nicht. Ich denke ganz bestimmt daran, zum Christenthum überzutreten, da ich alsdann bedeutend größere Chancen habe und zweifellos die angestrebte Stellung im Ministerium erhalte. — Meine Kanzlei bringt nicht das, was ich zllttl Leben gebrailche, es kann noch Jahre dauern, bis ich mir eine Clientel schaffe; wovon in dieser Zeit meine Ausgaben bestreitend Glaube mir, Kind, es muß sein; als Juden gehen wir mit gebundener: Beinen durch's Leben, sind am freien Attsschreilen, an freier Bethätigung gehindert! Was liegt im Grunde daran, ob ich mich Christ oder Jud' nenne! Ich bin das Eine so wenig, lote das Andere. — Du selbst denkst nicht mehr wie Deine Eltern; ich weiß, Du bist der neiten Lebensauffassung zugänglich, ein Küld ullserer Zeit, Du wirst mich verstehen, Bertha und, wenn Du mich wahrhaft liebst, trotz der Weigerung Deiner Eltern die Meine werden." Bertha konnte den mächtig hervorstürzenden Thränen nicht gebieten. „Mir blutet das Herz," sprach sie, „aber ich muß Dir entsagen, Geliebter. Es giebt für mich kein Glück, das mit dem Fluche der Eltern erkauft wäre. — So leb' denn wohl, tausend mal wohl," sprach sie in Schluchzen ausbrecheud; „wir haben uns heilt' das letzte Mal gesehen!" „Nur für heute leb ivohl, nlein süßes Mädchen," sprach er sichtlich bewegt; „noch gebe ich die Hoffnung nicht auf. Dich die Meine zu neunen. Wann darf ich Dich bei der Tante besuchend" „Rie," sprach sie ernst und ihre Thränen trock ltend, wandte sie sich zum Gehen. Rach einigen Schritten drehte sie sich llm. Dr. Korani stand noch wie feftgebannt auf derselben Stelle; sie sah, wie er eine Thrüne im Auge zerdrückte. Gern lväre sie zurückgeeilt, hätte sich ihm in die Arme geworfeu, ihm versprochen trotz alledem, mit oder ohne der Eltern Segen die Seine zll werden; doch da war es ihr, als sähe sie das ernste, würdevolle Antlitz ihres Vaters, als hörte sie die flehende Stimme der Mutter, und tief traurig wandte sie sich zum Wcitergehen; die Füße versagten ihr