Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 92 (16.11.1896)
- Date
- 1896-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1756 dann fehlt ihm der Boden, auf dem er sich allein consolidiren kann. Wird man aber die Lehren des Judenthums für den zu gründenden Judenstaat zu Rathe ziehen, so ist jedes Bestreben unsererseits zur Erreichung dieses Ziels von vornhinein gerichtet. mip' mro „derjenige, der Israel zerstreute, der wird es auch wieder sammeln" (Jeremias 81, 10.) Wir fördern durch solche Bestrebungen der Selbsthilfe unser Wohl nicht, sondern gefährden es. Müssen wir deßhalb das ganze Unternehmen schon in der Idee für verfehlt halten, so konstatiren wir dennoch mit Befriedigung den Umschwung der öffentlichen Meinung, daß man nur mit dem Gedanken eines Judenstaats rechnet und ihm, wenn auch nur in der hier gewürdigten Weise das Wort redet. Es werden gewiß noch manche fehlgeschlagene Versuche erfolgen, bis die Unmöglichkeit und Haltlosigkeit aller derartigen Bestrebungen eikannt wird. Aber das Mißlingen alles deffen, was Menschen nach dieser Seite hin anstreben, ist nothwendig, um uns mit der alten, prophetischen Wahrheit zu durchdringen: ujw w7> /aste 'n /jppina 'm uebw (n rs „Gott unser Richter, Gott unser Gesetzgeber, Gott unser König, Er wird uns helfen!" Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. E. R. Berlin, 8. Nov. Die heutige Sitzung der Repräsentanten wurde wieder mit einigen Zuwendungen eröffnet. Frau Pauline Taller spendete 10,000 Mk., Frau Regina Lewent 5,000 Mk. Herr Kommerzienrath Albert Arons 8,000 Mk. für das Hospital. — Herr Rentier Jsaac Haberland hat einen bestimmten Theil seines Vermögens den Altcrversorgungsanstalten vermacht. Die Testamentsvollstrecker schätzen den Antheil auf 95,000 Mk. — In der Sitzung v. 28. Juni hat bei Gelegenheit der Berathung über den Bericht des Reichenheim'schen Waisenhauses Herr Professor Louis Lewin erklärt, daß die Angaben des Curatoriums, nach welchen der Gesundheitszustand der Zöglinge ein guter sei, irrig wäre, sogar viel zu wünschen übrig lasse und der Prozentsatz des Erkränknngen ein ziemlich hoher sei. Auf Antrag des Herrn Justizrath Dr. Tiktin beschloß damals die Versammlung den Vorstand um Erhebungen zu ersuchen und zwar durch eine Commission, bestehend aus den Herren: Geheimer Medicinalrath Professor Senator, Prof. Dr. Baginsly, Geh. Sanitätsrath Marcuse, Geheim. Sanitätsrath Bras, Sanitätsrath Lazarus und Sanitätsrath Wiesenthal unter Zuziehung des Prof. Lewin. Das Resultat, welches in einem Protokoll der Versammlung vorliegt, ist dasjenige, welches die aus den erst genannten 6 Herren bestehende Commission einstimmig abgegeben hat: Der Gesundheitszustand der Zöglinge ist durchaus befriedigend, die Beschaffenheit des Grundstückesund dessen Einrichtungen sind nicht gesundheitsschädlich und es liegt gegenwärtig keine Rothwendigkeit zur Abänderung vor. In der nun folgenden Debatte ergreift zuerst Prof. Lewin das Wort. — Auf das Urtheil der Commission gäbe er nichts, selbst die Aerzte seien Laien, da sie keine Hygieniker von Fach seien z. B. Geheimrath Marcuse, der den Nachweis führen muffe, daß er bei Pettenkoser in München Hygiene gehört habe. — Justizrath Meyer schildert die Zusammensetzung der Commission mit der Schlußbemerkung, daß, wenn wir diese Autoritäten nicht unter uns in der Versammlung hätten, so müßten wir sie holen. — Geheimrath Senator wies darauf hin, daß der Prozentsatz des Erkrankungen schon darum eine Verminderung erfahre, daß dieselben Kinder in Wiederholungsfällen wieder aufgeführt seien, — außerdem sei der Gesundheitszustand ein besserer als in anderen Anstalten, so daß das Reichenheim'sche Waisenhaus einen sehr günstigen Rang in der Statistik einnehme. — Herr Rudolf Moste, vergleicht die Verhältnisse mit dem jüngst von ihm in Wilmersdorf eingerichteten Waisenhaus und kam gleichfalls zu günstigen Resultaten. — Justizrath Tiktin hält das gebildete Laienelement wohl für geeignet in allen Fragen zu urtheilen, der Fachmann solle Begutachter, der Laie Richter sein. — Sanitätsrath Blumenthal nimmt Geheimrath Marcuse gegen die Angriffe Prof. Lewin's in Schutz, die ärztliche Praxis habe genügende Erfahrung auf dem Gebiete der Hygiene. — Maurermeister Joseph Fraenkel spricht über die neuesten Methoden hygienischer Einrichtung. — Stadtrath Weigert weist daraufhin, daß die Einrichtungen des Reichenheim'schen Waisenhauses denen der öffentlichen Schulen entsprechen, er halte sich auf Grund seiner Erfahrung berechtigt ein Urtheil abzugeben, das Gutachten der Hygieniker habe nur Werth, wenn es durch die Praxis erprobt sei. Wolle man nur nach der Theorie der Hygieniker leben, so dürfe man nicht athmen, essen, trinken, sondern müsse ruhig den Tod abwarten. Prof. Baginsky hält gleichfalls die Einrichtungen für gut, die neueren hätten sich nicht immer bewährt. — Auf Antrag des Justizrath's Tiktin beschließt nun die Versammlung von dem Berichte der Commission Kenntniß zu nehmen und dadurch den früher erhobenen Einspruch für erledigt und widerlegt zu halten. — — Der Bericht über die Revision der Gemeindehauptkaffe und der Depositorii wird entgegengenommen. Die Satzungen der Armencommission werden nach einer langen Geschäftsdebatte an den Ausschuß