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Der Israelit · 1896-11-16 · Heft 92 (16.11.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 92 (16.11.1896)
Date
1896-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1756 läßt uns unser Väterglaube täglich um diese Theokratie die innigsten Gebete zum himmlischen Vater emporsenden:. ■o\ry ijn’ „Mögen unsere Augen sehen, möge unser Herz sich freuen und jubeln unsere Seele bei deiner Hilfe in Wahrheit, wenn man von Zijon spricht: Dein Gott hat nun sein Königthum angetreten. Gott ist König, Gott war König und wird als König walten in aller Ewigkeit. Denn das Königthlun ist dein und in alle Ewigkeit wirst du in Herrlichkeit als König walten, denn wir haben keinen König außer dir Gepriesen seist du, Gott, König in seiner Herrlichkeit, stets regiert er über uns in aller Ewigkeit und über alle seine Werke." Und diese Gottcshecrschaft in dem messianischen Zukunftsstaat Israels äußert sich nickt nur so in unseren Gebeten, auch der nüchterne Eodisikator des jüdischen Gesetzes hat ihn nie anders gedacht. Sein großes, das ganze jüdische Gesetz und Recht umfassende Werk schließt Rabbenu Moscheh Maimon mit den Worten: „Die Weisen und Propheten haben die messianische Zeit nicht herbeigesehnt, um eine Welt- oder Völkerherrschaft auszuüben, auch nicht damit die Nationen sie hoch stellen, ebensowenig um zu esten, zu trinken und sich zu freuen, sondern nur damit sie freie Muße haben für die Thora und ihre Wissenschaft, weil es dann keine Dränger und Störer mehr gibt und sie so das Leben der künftigen Welt erlangen können; wie wir es in H.lchoth Teschuba erklärt. (Daß die Rückkehr nach Zijon in Hilchoth Teschuba gelegentlich der Rückkehr von unseren Verirrungen behandelt wird, sagt alles. Diese aufrichrichtige rückhaltlose Rückkehr zu Gott ist das einzige, was wir zur Erreichung der Rückkehr in unsere Heimath thun können. Jede andere menschliche Veranstaltung diese Rückkehr auzubahnen, weicht vom Glauben unserer Väter ab, und ist deßhalb irrig und — gefährlich.) Um jene Zeit gibt es dort keinen Hunger, keinen Krieg, keinen Neid und keine Gehässigkeit; das Gute ist in reicher Fülle und alles Köstliche ist so reichlich wie Staub vorhanden. Die Beschäftigung aller Welt geht lediglich darin auf, Gott zu erkennen. Deßhalb werden in Israel alle große Weise werden, und den Gedanken ihres Schöpfers erfassen, soweit dies menschlicher Fassungskraft nur möglich ist, denn es ist gesagt: Voll wird die Erde der Erkenntniß Gottes, wie das Wasser den Meeresboden deckt." Der Herzliche Judenstaat will der von Gott verhängten Zerstreuung Israels entgegentreten und sie aufheben, ohne Rückkehr Israels zu Gott, ohne Theokratie. Wir glauben nicht, daß das große weltgeschichtliche Drama mit einer solchen Farce cnden wird. Der neue Staat wird gegründet, um den außerjüdischen Antisemiten äuä dem Wege zu gehen. Laufen die Einwohner des neuen Staats nicht Gefahr aus der Scylla der nichtjüdischen Antisemiten in die Charybdis der jüoischen zu gerathen? „Jeder ist in seinem Bekenntniß oder in seinem Unglauben so frei und unbeschränkt, wie in seiner Nationalität." Wenn ausschließlich Gläubige o)er ausschließlich Ungläubige den neuen Judenstaat bevölkern werden, so wird das schon zur Noth gehen. Aber wenn die Einzelnen in ihren Gruppen, Städten und sonstigen Verbindungen wie Ja und Nein auseinandergehen, wenn den einen als beklagenswerther Rückschritt gilt, was die andern als erftrebenswerlhen Fortschritt feiern, wie werden sie einheitlich, friedlich glücklick neben einander leben und wirken und gar einc staatliche Vereinigung bilden können? Herr Herzl hat bereits so weit an alle Details gedacht, daß er uns, wie schon erwähnt, sogar die Embleme der Fahne mittheilt, die über seinem Judenstaat wehen soll. Ueber diesen Gegenstand werden die Gläubigen und ihre Antipoden sich wohl leicht verständigen. Aber was darüber hinausliegt, wird ihnen auf Schritt und Tritt zum Stein des Anstoßes uno zum Zankapfel werden. Es ist z. B. in der Broschüre wiederholt von den Schiffen, Eisenbahnen, Telegraphen des neuen Staats die Rede. Werden diese an Sabbat und Feiertag funktioniren oder feiern? In dem einen Fall werden die Gläubigen, im andern Fall die Ungläubigen darin ein öffentliches Aergerniß erblicken. Werden die Schulen, die vom Staate zu gründenden und zu subventionirenden höheren Lehranstalten im Dienste des überlieferten, historischen Judenthums stehen, das man gewöhnlich das orthodoxe nennt, oder weroen sie die Geschäfte irgend eines Modejudenthums unserer Tage besorgen? Wenn Palästina der Boden des neuen Judenstaates werden sollte, bleibt dann im siebenten, dem Schmittojahr der Boden brach liegen, und werden die übrigen Gesetze erfüllt oder übertreten, die an das heilige Land geknüpft sind? Brauchen wir die Anläffe zu Streit und Hader alle aufzuzählen, die sich aus jedem Schritt ergeben müssen, sobald Menschen einen Staat bilden, die in solchem schreienden Gegensatz in den vitalsten Fragen des Lebens auseinandergehen? An diese für jeden Juden so ungemein nahe liegenden Momente hat der sonst so weitsichtige Verfechter des neuen JudenstaatS offenbar nicht einmal gedacht; wenigstens hat er sie nicht einmal gestreift. Und doch liegt hier der Kernpunkt der ganzen Angelegenheit. Was uns Juden zu Juden macht, das ist unser Judenthum, in dem das uns zur Erfüllung übergebene Gottesgesetz zum Ausdruck kommt. Wenn für dieses alte, echte unverwäfferte Judenthum in dem neuen Judenstaat kein Platz ist, dann ist in der Thal das ganze ein utopisches Lustschloß, denn

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