Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 92 (16.11.1896)
- Date
- 1896-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1754 5?^pwp^es^r?@äw|j!?f»wj?si«?p!!rog5^f9fr^s^?^5»jsy^9|?*^5c? mal aushören und mit einer Rückkehr in das Land unserer Väter enden wird, aber nur dann, wenn sich vorher die volle, rückhaltlose Rückkehr von allen Verirrungen vollzogen hat, die durch unser Exil gesühnt werden sollten. Wir wollen aus den vielen hierher gehörigen Belegen nur den Wortlaut ver ersten Sätze des 30. Cap. im V. B. M. hier anführen: „Und es wird geschehen, wenn über dich alle diese Worte, der Segen und der Fluch, die ich vor dich hingegeben habe, gekommen sein werden, so wirst du es dir zu Herzen bringen unter allen Völkern, wohin Gott dein Gott dich verwiesen, und wirst bis zu Gott deinem Gott zurttckkehren und aus seine Stimme hören, nach allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinen: ganzen Herzen und deiner ganzen Seele. Und dann wird auch Gott dein Gott sich wieder zurückwenden — deine Vertriebenen aufsuchen und wird sich deiner erbarmen, und wird dich zusammensammeln aus all den Völkern, wohin Gott dein Gott d:ch zerstreut. Wenn auch einer deiner Verwiesenen am Ende des Himmels sein wird, wird von dort Gott dein Gott dich zusammensammeln und von dort dich zu sich nehmen, und Gott dein Gott wird dich heimbringen zu dem Lande, das deine Väter einst in Besitz genommen und wird dich nun noch in größerem Maße als deine Väter beglücken und vermehrendu aber kehrst zurück U"d hörst auf die Stimme Gottes und erfüllst alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, und Gott dein Gott zeichnet dich in all deinem Händewerk, in der Frucht deines Leibes, in der Frucht deines Viehes und in der Frucht deines Bodens zum Guten aus. Denn Gott wird sich über dich zum Guten freuen, wie er sich über deine Väter gefreut. Denn du wirft nun auf die Stimme Gottes deines Gottes, die in dieses Buch der Thora niedergeschrieben ist, hören, alle seine Gebote und seine Gesetze zu beobachten; denn du wirst nun zu Gott deinem Gotte mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele zurückkehren." Mit diesen klaren und unzweideutigen Sätzen ist der unerschütterliche Granitboden gelegt, auf welchem noch heute das Judenthum der Gegenwart und in alle Zukunft hin besteht. Klar und unzweideutig ist der pap: die von uns zu erwartende Wiedersammlung aus der Zerstreuung zur Gesammtrückkehr in das Land der Verheißung, und ebenso klar und unzweideutig mwn mra:: die unveränderlich bleibende Verpflichtungskraft des uns von Moses übermittelten Gesetzes ausgesprochen. Nur eine volle Rückkehr zur unverbrüchlichen Treue gegen dieses Gesetz in aller Zerstreuung unter die Völker endet diese Zerstreuung, und nur die endliche volle Verwirklichung dieses Gesetzes auf den: Boden des ihm angehörigen Landes ist das Ziel der einstigen Wiedersammlung in demselben. (Vergl. Hirsch's Pent. Commentar z. St.) Von allen diesen fundamentalen Bedingungen findet sich in dem Herzt'schen Judenftaat kein Sterbenswörtchen. Das eigenartige thrnnenreiche Geschick der jüdischen Exulanten ist Herrn Dr. Herzl keine Sühne ihrer eigenen Verirrungen, sondern eine Folge der — Emanciption.x) Während die treue endliche Verwirklichung des Gottesgesetzes das Hochziel unserer Wiedervereinigung in: Lande unserer Väter ist, ist es im Herzt'schen Judenstaat der — Siebenstundentag; „denn im Zeichen der Arbeit gehen die Juden in das neue Land." Ist das der Glaube oer Väter, von oem es in diesem Buche heißt, daß wir nur an ihm unsere historische Zusammengehörigkeit erblicken wollen? Herr Herzl braucht die Geistlichen und Rabbinen nur dazu, um Stimmung für die Sache zu machen. Wenn sie aber vem Ideal des Judenstaats treu blieben, wie wir es vem Glauben unserer Väter verdanken, dann würde sich das Herr Herzl schönstens verbeten. Es würde eine solche Anschauung unter „die theokratischen Velleitäten unserer Geistlichen werfen und sie nicht aufkominen lassen, sie in ihren Tempeln festzuhalten wiffen, wie wir unser Berufsheer in den Kasernen festhallen." Unser jüdischer Zukunftsstaat, wird sich auf dem Boden des Gottesgesetzes erheben und seine sämmtlichen Veranstaltungen und Maßnahmen sollen der Verwirklichung dieses Gottesgesetzes gewidmet sein. Dieses Gesetz, seine Lehrer und Vertreter sollen in dem Herzt'schen Judenstaat nichts dreinzureden haben! Während Herr Herzl sich nicht entschieden genug dagegen verwahren kann, „daß wir am Ende eine Theokratie d. h. Gottesherrschaft haben werden," t) Wir wollen die relative Wahrheit, die in dieser Behauptung liegt, nicht verkennen und noch weniger den Muth, den noch vor zehn Jahren wohl Niemand gehabt hätte, die so heiß und blindlings ersehnte Emancipation als die eigentliche Ursache unseres Antifemitisumus zu bezeichnen. — Wir können es uns nicht versagen den betr. Passus aus der Herzlichen Schrift hier wörtlich anzuführen: „In den Hauptländern d es An t i se mit i sin u d ist dieser eine Folge der Iuden - Emancip atio n. Als die Kulturvölker die Unmenschlichkeit der Ausnahmsgcsetze cinsahcn und uns freiliesren, kam die Freilassung zu spät. Wir waren gesetzlich in unseren bisherigen Wohnsitzen nicht mehr emancipirbar. Wir hatten uns in: Ghetto merkwürdigerweise zu einem Mittelstandsvolkc entwickelt und kamen als eine fürchterliche Eoncurrenz für den Mittelstand heraus. So standen wir nach der Emancipation plötzlich im Ringe der Bourgoisie und haben da einen doppelten Druck auszuhalten, von innen und von außen. Die christliche Bourgoisie wäre wohl nicht abgeneigt, uns dem Sozialismus als Opfer hinzuwerfen; freilich würde das wenig Helsen." Diese ganze Auffassung gehört auch zu de:: in die Augen fallenden Symptomen emes Umschwungs der bisherigen Anschauungen.