Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1750 einigen Tagen erschienen ist, interessante Daten. Vor allem verdienen die großen Erfolge des Obersten Goldsmid verzeichnet zu werden. Oberst Goldsmid ist in Cardiff stationirt, und es gelang ihm, 503 Rekruten für den Armeedienst auszubilden, welche alle die Schtußprüfung zur definitiven Aufnahme in den Dienst trefflich bestanden, während der sonstige Durchschnitt der approbirten Rekruten pro Regiment nur 237 betrug. Ein Vergleich mit den Daten früherer Jahre zeigt, daß die Zahl jüdischer Soldaten in stetiger Zunahme begriffen ist, und man darf konstatiren, daß sich alle ohne Ausnahme die Zufriedenheit und das Lob ihrer Vorgesetzten in hohem Grade erwerben. In einer der letzten Nummern der „Admrralitäts- und Kavallerie-Zeitung" („Admirality and Horse-Guard Gazette-) wird in offizieller Weise der jüdischen Soldaten auf das Schmeichelhafteste gedacht. „Wer haben unter den Offizieren der britischen Armee", sagt das genannte Blatt, „einige Angehörige jenes Stammes, welcher, wie wir aus der biblischen Geschichte wissen, ein so ausgezeichnetes Kriegsmaterial lieferte. Es ist sehr zu bedauern, daß wir ihrer nur so wenige haben, denn es ist ja beinahe ein Gemeinplatz., wenn wir sagen, daß der Jude jede Laufbahn, die er einschlägt, mit Ausdauer und Glück verfolgt. Gleichviel, ob der Unterschied zwischen Juden und Christen auf dem Bekenntnisse beruht, oder im Blute begründet ist, der jüdische Soldat im englischen Heere steht in keinem Punkte seinem christlichen Kameraden nach. Wir wiederholen es: „Je mehr Juden im englischen Heere, desto besser."" Dänemark. W. 8. Kopenhagen, 3. November. Am vorigen Sonntag hielt der hiesige Oberrabbiner D. Simonsen im Lokale des Vereins für das Buchgewerbe einen ausgezeichneten und lehrreichen Vortrag über „Hebräische Typographie in derVorze it UN d G e genwart," veranschaulicht durch eine reiche Ausstellung von hebräischen Druckwerken, theils Eigenthum der großen Königl. Bibliothek, theils solches der Universität, theils der Buchdruckerei Drugulin in Leipzig und zum größten Theil Eigenthum des Vortragenden selbst. Redner gab zuerst eine Darstellung der Entwickelung und Ausbildung der hebr. Sprache und Schriftzeichen von dem sogenannten Althebräischen bis zu den jetzt gebräuchlichen Formen und zeigte als Illustration dem Publikum die Copie eines Abgußes einer 2600 Jahre alten Inschrift, welche vor einigen Jahren unerwartet angebracht in einem Tunell entdeckt wurde, das um die Zeit des Königs Hiskijahu ausgehauen und in Verbindung mit dem Siloahdamme gesetzt wurde, um während des Angriffes der Assyrier auf Jerusalem, die Einwohner Jerusalems mit Wasser zu versehen. — Daß die Erfindung der Buchdruckerkunst weit länger zurück als Gutenberg reiche und auch unter den alten Juden bereits vorgekommen sei, indem man glaubte, in einem Citat der heil. Schrift eine Stütze zu finden, „daß das Wort" mit eisernem Griffel und Blei" rnvvn cy: geschrieben werden soll, diese Behauptung des Vortragenden ist wohl nicht ernst zu nehmen. Als nun die Erfindung mit durchgreifendem Erfolge in's Leben trat, setzten sich die Juden rund umher, sofort in den Besitz dieser für das Studium und die Ausbreitung der Gotteslehre so wichtigen Kunst. In vielen Orten z. B., so in Portugal waren es überhaupt die ersten Druckereien, die von Juden zum Druck von Hebräisch gegründet und errichtet worden waren. Die erste datirte vom Jahre 1475 und erschien in Reggio und Tievi de Sacco in Italien. Während die Druckereien in Spanien und Portugal in Folge der Vertreibung der Juden nicht lange bestanden, blühte die Kunst in Italien, besonders nachdem die Familie S o n ci n o in der Stadt Sonino und anderen Städten in Italien (später in Konstantinopel) zu drucken angefangen hatten. Von besonderer Bedeutung wurde die im Beginne des 16. Jahrh. von dem christlichen Antwerpener Buchdrucker Daniel Bömberg errichtete Druckerei in Venedig, woraus große und schön ausgestattete Werke, io die erste vollständige 12 Foliobände starke Talmuvausgabe hervorging. Während hernach auch in Deutschland, der Schweiz, in Böhmen (namentlich bei der Familie Gerson-Kohn u. Back), im Oriente viel Hebräisch gedruckt wurde, fuhr Italien fort, die Oberhand zu behalten. Ein Schlag jedoch traf die Buchdruckereien dieses Landes durch einen Konkurrenzftreit zwischen den beiden Firmen Ginstiniani und Bragandini, der bis zum Papste ging und dahin führte, daß talmudische Schriften verbrannt und überhaupt verboten wurden, so daß letztere eine Zeit lang eben so selten wurden, wie nach dem Autodafe in Paris, wobei 24 Wagenladungen werthvoller hebräischer und chaldäischer Schriften im mißverstandenen Eifer für das Christenthum in den Flammen aufgingen. Späterhin wurde strenge Censur eingeführt, wie sie jetzt noch in Rußland besteht, und die italienischen Druckereien haben keine Talmudausgaben mehr geliefert. Im 17. Jahrhunderte trug Holland, namentlich Amsterdam den Preis für große und schöne Werke davon. In den slavischen Ländern, besonders in Krakau und Lublin wurden bedeutende Werke geliefert, aber mit dem Kosakenaufstande im Jahre 1648, verloren dieselben ihre Bedeutung, bekamen aber neuen Impuls von Holland. Italien, Holland und Rußland nehmen im Ganzen genommen den ersten Rang auf dem Gebiete der hebr. Buchdruckerkunst