Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. Meile Mlafle y&M 91 des „Israelin. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest. (Ein Wink aus Roni.) Einer römischen Depesche der „N. Fr. Pr." zufolge ist vom Vatikan aus den Führern der klerikalen Volkspartei in Ungarn gerathen worden, sich der Propagirung eines antisemitischen Programms im neuen Reichstage zu enthalten. Motivirt ist das Gutachten der päpstlichen Kurie damit, daß eine Verquickung der katholischen Ideen mit dem Antisemitismus der Kirche zu entschiedenem Schaden in einem Lande gereichen müßte, in welchem die Regierung fest entschlossen sei, den Antisemitismus nicht auskommen zu lassen. — Mangel an Durchsichtigkeit kann man dieser Motivirung keineswegs vorwerfen. Lemberg, IO. Rov. Einen erneuten Beweis der weichherzigen Auffassung christlicher Nächstenliebe eigener Art hat unlängst eiic hiesiger Bürger geliefert. Man erzählt so lang und so breit, daß die christliche "Nächstenliebe alle Menschen umfasse, während die jüdische „engherzig und verbohrt" sei und sich nur auf Glaubensgenossen erstrecke, daß es heute scholl Juden giebt, die dumm genug sind, daran zll glauben. Jener Bürger übergab dem Magistrat der Stadt Lemberg die Summe von 11 OOO fl. für wohlthätige Zwecke mit der deutlichen Bestimmung, daß sie nur an christliche Arme und Wohlthätigkeits- Jnstitutionen vertheilt werde. Sogar von dem Betrag für arme Schüler eines hiesigen Gymnasiums wollte der edle Mairn nichts einem jüdischen Schüler zukommeli lassen. Das ist übrigens hierzulande Reget. Zum Ruhme unserer Glaubensgenossen sei es gesagt, daß dieselben dieses „erhebende" Beispiel nicht nachahmen und bei einer jeden solchen Schenkung — die übrigens unter Juden urlgleich häufiger vorkomnlt — stets die christlichen wie die jüdischen Armen zu gleichen Theileu bedenken, wie dies der Lehre unserer Religion entspricht. Es wäre jedoch erwünscht, daß Stiftungen weiter reichender Natur, die nicht den Zweck haben, unmittelbarer Noth abzuhelfen, sondern für die Dauer zu wirken, wie Stipendien für Studirende oder Kunftjünger, Stiftungen für billigen Credit u. dgl. nicht, wie bisher regelmäßig „ohne Unterschied der Eonsession", sondern lediglich für jüdische Bewerber bestimmt werden; umsomehr, als unsere Behörden das „ohlie Unterschied der Confession" so verstehen, daß der jüdische Bewerber bei jüdischen Stiftungen stets leer ailsgehe. Rußland. Moskau. Ein bemerkenswerthes Eingeständniß hat jüngst ein hoher russischer Würdenträger gemacht. Bei der Grundsteinlegung des Gebäudes der medizinischen Fakultät in Odessa hielt der Gehilfe des Ministers für Volksausklärung, Geheimrath N. M. Anitschkow, eine Rede, die bei der Stellung des Mannes ganz besondere Bedeutung verdient, da in ihr ein Verdammungsurtheil über das in Bezug auf die Ausbildung der Juden in Rußland befolgte System enthalten ist. In seiner Festrede sagte Geheimrath Anitschkow unter anderen!, daß sich in Rußland ein besonderer Mangel an Aerzten bemerkbar mache, wodurch die Volksgesundheil erheblich leide. Bei uns komme ein Arzt auf 60< >o Einwohner, während in Deutschland bereits auf 3000 Einwohner je ein Arzt komme, in Frankreich auf je 1800 und in England auf je 16"0. Diese Armuth an Aerzten in Rußland erklärt der Minister unter anderem dadurch, „daß die Universität, welche ihre Thore sperrweit allen Denjenigen öffne, die nach höherer Ausbildung verlangen, sich gezwungen sehe. Vielen, welche sich medizinischen Studien zu widmen wünschen, Aufnahme zu verweigern zufolge von Ursachen, welche von der Hochschule ganz unabhängig sind." England. London. Hier starb vorige Woche der Baron Albert Sassoon. Derselbe war der Chef des großen gleichnamigen englisch-indischen Handelshauses. Er wurde am 15. Juli 1818 zu Bagdad geboren, wo seine Familie seit langer Zeit zu den ersten gehörte. Schon sein Vater hatte in Bombay ein Handelshaus errichtet und Verbindungen mit Indien, China und Japan angebahnt. Der Sohn brachte das Geschäft zu hoher Blüthe. Aber auch seinen Glaubensgenossen in Bombay und Bagdad war er ein treuer Freund und Berather. Große Wohlthätigkeitsanstalten in beiden Städten tragen seinen Namen. Im Jahre 1890 verlieh ihm bie Königin in Würdigung seiner Verdienste um den englischindischen Handel die Baronetswürde. Seine Gattin, Lady Sassoon, ist streng-religiös. Der älteste Sohn ist mit der Tochter von Baron Gustav Rothschild in Paris verheirathet. Das Wappen der Familie trägt die hebräische Inschrift: Enietst we-Emimah und die lateinische: Candide et constanter. Getreu diesem Wahlspruch gestaltete sich auch das Leben und Wirken des Heimgegangenen Baron Albert Saffoon. — lieber die jüdischen Soldaten im englischen Heere bringt das statistische Jahrbuch des britischen Heeres über das Jahr 1895, das vor