Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1743 aus dem Erheben der Widersprüche die Rabbbinen zu Textkritikern machen zu wollen. Gerade der Vorgang unserer alten Talmudlehrer zeigt, wie frei, wie offen sie waren, wie sie nicht aus berechnender Klugheit etwas verheimlichen oder vertuschen wollten. Und waS führt der Verf. alles an, und wie führt er es an. Sehen wir einmal: „Eingeschaltet wurde: a) In den Pentateuch, nach dessen Abschluß: Von Mose selbst Num. 10, 35. 36 (Sabb. 115 a) und Num. 22, 2—24, 25 (jer. Sota 5, 6 (muß heißen 8]). Erster Nachweis ist falsch; Sabb. 1151) heißt es nur, daß Num. 10, 35. 36. absichtlich an eine Stelle gesetzt wurde, wohin die Verse dem Zusammenhang nach nicht gehören. Mit dein Nachweis der Citate steht es überhaupt in der vorliegenden Schrift sehr schlimm, so daß inan vermuthen muß, daß eine ganze Reihe blind! n is irgend einem Autor nachgeschrieben ist. Was den zweiten Punkt betrifft, so heißt es an der angeführten Stelle 'c aroi im mir moo 'n 2712 NL'2 W rs will das nun sagen? Was heißt hier nach dem Abschluß, hat doch Moses selbst dies geschrieben, also war nach Ansicht jenes talmudischen Autors der Abschluß erst nachdem jene Abschnitte eingefügt waren. Hochinteressant und bezeichnend für die Art und Weise, wie der Vers, citirt, ist aber Folgendes: Iosua soll den Abschnitt über die Asyltlädte nachträglich in den Pentateuch eingeschoben haben; hierzu wird eitirt Menachoth 30 a; Sifre, letzter Abschnitt S. 250; Maccotb 11a. Dann folgt die Bemerkung über die Hinzufügung der letzten acht Verse durch Iosua, wozu die Fußbemerkung „Ibidem." Bezieht sich dieses Ibidem auf den ganzen Inhalt der vorangegangenen Notiz oder nur auf die letzte Stelle? Doch es mag dies unwesentlich sein; aber bemerkenswerth ist die erste Notiz. Der Verf. citirt „Sifre, letzter Abschnitt S. 250;" was soll denn das heißen? Von Sifre cxistiren vielleicht acht verschiedene Ausgaben mit und ohne Erklärungen, also mit verschiedenen Seitenangaben; welche Ausgabe hat nun der Verfaffer benutzt? Ja, man wird nicht fehlgehen anzunehmen, daß der Verf. das citirte Buch garnicht kennt, denn sonst müßte er wißen, daß „Sifre, letzter Abschnitt, garnichts sagt, da man nicht weiß, ob Sifre bamidbar, oder Sifre had'barim gemeint ist, ferner :uüßte er wissen, daß Stellen aus dem Sifre nur nach Perikopen und Paragraphen citirt werden können. Das Beste aber ist, baß in Sifre nichts von dem steht, was nach des Vrrf. Angabe darin stehen soll; der Schlußabschnitt von Sifre had'barim erwähnt nur die Streitfrage über die acht letzten Verse des Pentateuch, die Autorschaft Josua's jedoch ablehnend. Und was die anderen Stelle der Notiz betrifft, so enthält ebenfalls Menachoth nichts von dem, was der Verf. dort gesehen haben will, diese Stelle spricht nur von den acht Versen; das einzig richtige Citat ist Maccoth, aber schließlich auch nicht richtig, indem die Behauptung, daß Iosua den Abschnitt über die Asylstädte geschrieben habe, durch unwiderleglichen Beweis rectificirt wird. Diese Art und Weise des Citirens ist für mich ein Beweis — da ich nicht annehme, daß der Verf. absichtlich täuschen wollte —, daß der Verf. keine Kenntniß der Quellenschrift hat uno darum auch beim Nachcitiren vor Jrrthümern n'cht geschützt war. Unterstützt werde ich in meiner Annahme nock dadurch, daß der Verf. bei der U'brrsetzung von Originalstellen Fehler macht, die man einem Schüler nicht verzeihen würde. So übersetzt er das in einem Citat aus Menachoth 45d vorkommende onpsn rsr mit Exodus, und daß dies kein übereilter Schreibfehler ist, beweist, daß er diese Uebersetzung drei Mal wiederholt. In einer andern Stelle findet der Verf., daß R. Iosua ben Levi die Erzählung vom goldenen Kalbe für eine nur fingirte halte, denn dieser behaupte: „Die Israeliten haben das (goldene) Kalb nicht gemacht, aber (es ist dazu berichtet worden), um denjenigen, die Buße thun, die Zuversicht zu sichern, (oaß Gott ihnen verzeihen werde.)" Man braucht nur die Originalstelle anzuführen, und jeder Anfänger im Talmud wird erkennen, daß der Verf. nicht im Stande ist, einen auch nur einfachen Satz des Talmud richtig zu übersetzen; sie lautet 'bvib ns prept jn'b xbx bwn ra <?aiL" lry »6 raitrn; die Wortverbindung sbs-sb bedeutet bekanntlich „nur." und so heißt es, daß die Kinder Israel nur darum in die Lage kamen, das Kalb zu machen, um reuigen Sündern den Anlaß zu geben auf die Verzeihung rechnen zu dürfen. Bedürfte diese Auffassung noch eines Beweises, so ist der eine ähnliche Sentenz enthaltende gleich folgende Ausspruch R. Simeons, der seinen Satz mit der Frage w nvbi einleitet. Vielleicht trifft den Verf. gar keine Schuld an dieser falschen Uebersetzung; das merkwürdige Deutsch, das die Stelle wörtlich wiedergeben soll und die eingeklammerten Worte erinnern mich an ähnliche unbpholfene Uebersetzungsversuche von anderer Seite, und eine freundschaftliche Ueberlaffung dieser Ueberfetzungsweisheit scheint mir garnicht unwahrscheinlich. Wenn ferner der Verf. einen klar im Talmud ausgesprochenen Satz (Nidda 16 d), der den Vorzug ha:, ziemlich bekannt zu sein, aus Weber, System rc. beziehen muß, der wiederum aus einer secundären Quelle geschöpft ha*, so beweist der Verf. nicht damit, daß er, der solche grobe Fehler verschuldet, einfache Sätze des Talmud nicht versteht, Citate anführt, die nicht existiren, allerdings aus Gutgläubigkeit, wie ich annehme, berufen fei einen Stoff zu bearbeiten, zu welchem Kenntniß und Verständniß der Quelle» die erste Vorbedingung ist.