Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1744 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzerr Deutschland. Magdedurg, 10. Nov. (Das aus erwählte Volk der Antisemiten.) Zu dem Parteitage der deutsch-sozialen Reformpartei werden nach einer Kundgebung des Vorstandes nur Vertreter derjenigen Zeitungen zugelassen, die ausdrücklich zur Berichterstattung eingeladen worden sind. Dies die antisemitische Oeffentlichkeit! Das „auserwählte Volk" der Arier will mit dem gemeinen Zeitungspöbel nichts zu thun haben. Aber was soll das Kriterium bilden für die Zulassung der Reporter? Sollen sich diese etwa einer Nasenmessung unterwerfen? Die Zeitungsmenschen, die da im Sinne haben, nach Halle zu gehen — viele sind es nicht, denn die Öffentlichkeit hat bereits noch weniger Jntereffe an den Antisemiten, als diese an ihr, — werden jedenfalls gut thun, sich auf alle Fälle vorzusehen! England. London, 9. Rov. Der Amtsantritt des neuen Lorvmayor Philips, war von einer bei der jetzigen Jahreszeit seltenen Erscheinung, schönem Wetter, begünstigt und waren in Folge dessen Hunderttausende aus den Straßen, die den beliebten Mann auf das Wärmste begrüßten. Dem Banquet wohnten der Premierminister Lord Salisbury, sowie mehrere andere Minister und verschiedene fremde Botschafter und Gesandte bei. Natürlich brachten die Tagesblätter diverse das Ereigniß besprechende Leitartikel, und erwähnten auch die Religion des neuen Lordmayor durchweg in sympathischen Ausdrücken. Bei dieser Gelegenheit wurde bemerkt, welch' ungeheueren Fortschritt die Judenemancipat ion in England gemacht habe. Noch im Jahre 1826 mußte Mr. I. B. Montefiore 1500 Guineen (Mk. 31500) dem damaligen Lordmayor Magnay für die Medaille erlegen, die ihm gestattete, als „Juden m ak ler" in der City zu handeln. Im Jahre 1835 wurde den Juden durch das von Lord Campbell eingebrachte Gesetz ermöglicht, das Amt eines Sheriff zu bekleiden, ohne ihr religiöses Gewiffen irgendwie zu verletzen. Der erste Jude, der das Amt eines Sheriffs inne hatte, war Mr. David S a l 0 m 0 n S, dem zwei Jahre später Sir Moses Montefiore folgte. Trotzdem gab es noch harte Kämpfe, da 1835 der Stadtrath von London die Wahl des Mr. Salomons zum Mitglieds des Rathes nicht genehmigte, wie auch 1844 seine Neuwahl kassirte. Im Jahre 1845 brachte indeffen Lord L y n d h u r st, der damalige Lordkanzler, eine Vorlage vor das Parlament, um die Juden von dem Zwange zu befreien, eine Erklärung „Auf ihren wahren Glauben als Christen" abgeben zu müffen und sich mit einer einfachen Erklärung zu begnügen. Dann wurden den Juden noch weitere Privilegien verliehen, indem sie einen Eid statt der bisherigen Erklärung ableisten konnten, der nichts enthielt, was sie als Israeliten stören konnte. Nun ging Alles glatt, ein Jude wurde Mitglied des Parlamentes und Mr. Salomons konnte seinen Sitz im Stadtrath einnehmen. Letzterer wurde dann Lordmayor von London. Sir Benjamin Philips, Vater des jetzigen Lordmayors, war dann der zweite Inhaber der höchsten Würde der City. So haben im Zeitraum von 3<> Jahren die Juden in ihren Reihen Vater und Sohn finden können, die zu dieser ehrenvollen Stellung erwählt wurden, nachdem die Citu erst vor 50 Jahren sie von jedem städtischen Anrte ansschließen wollte. L. M. London, 10. November. (Der Schah von Persien und die Juden). Der Schah von Persien hat auf die Adresse des Cultusvorstandes und der jüdisch-englischen Allianz (Anglo-Jewish Association) folgende Antwort durch den persischen Minister gesendet: An den Secrctär des Cultusvorstandes und der jüdischenglischen Allianz. Geehrter Herr! Ich habe die Ehre, Ihnen milzutheilen, daß ich Ihre Adresse nach Teheran weitcrschickte, wo sie Seiner Majestät, meinem erhabenen Herrscher vo gelegt wurde. Ich bin beauftragt, durch Sie dem Cultusvorstande und der jüdisch-englischen Allianz mitzutheilen, daß (Leine Majestät die Adresse mit großem Interesse und vieler Befriedigung entgegenzunehmen geruht hat und ihren besten Dank für die freundlichen Wünsche ausspricht. Ich bin ferner beauftragt, Ihnen die Versicherung auszudrücken, daß s>eine Majestät den festen Wunsch und Willen hat, das Glück und die Wohlfahrt aller seiner Unt rlhanen, ohne Unterschied des Glaubens und der Raee, zu fördern. Womit ich die Ehre habe, zu zeichnen Ihr gehorsanler Diener 30. September 1996. M. Ali. Vermischtes. Paris. Frau Baronin Hirsch hat jüngst den Lehrern der galizischen Baron Hirsch-Stiitung zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten Gratifikationen im Betrage von 40,000 fl. gewährt. Zurückgesetzte Stoffe im Ausverkauf. 7 Meter solider Stoff zum ganzen Kleid für M. 1.50 Pfg «wotsjiapwii Veloutine in modernsten Farben & 65 Pf* per Meter doppeltbreit in solider Qualität k 75 Pfper Meter Master auf Verlangen franco in's Haus. Reinwollene Spagnolett Flanelle ä 8y Pfennig' pr. Meter versenden in einzelnen Metern franco ins Haus, neueste Modebilder gratis OKTTtNCiUtt A Co., Frankfurt am Main. 8eparat-Abthellung für Herrenkleiderstoffe. Suxkin v. M. 1.35 pfg.. Cheviots v. M 1 95 Pfg. an pr. Mater