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Der Israelit · 1896-11-12 · Heft 91 (12.11.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 91 (12.11.1896)
Date
1896-11-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1740 den Lebensweg mit mir vereint gehen willst! Du weißt, ich bin ein Feind aller veralteten Satzungen; nur was die Vernunft dictirt, lasse ich gelten. Mache Dir also klar — " „In diese Sphäre kann und mag ich Dir nicht folgen," unterbrach Bertha; „ich bin zwar nicht bigott, hänge aber noch mit allen Fasern meines Herzens an dem, was meinen Eltern heilig, und würde nie glücklich sein, wenn ich den: Verstand allein gehorchend, all' das negiren sollte, was ich seither aus Pietät für meine Eltern gethan. — Fühlst Du in Wahrheit für mich, wie Du mir stets geschrieben, so wirst Du mir das Opfer bringen und warten, bis ich die Ellern zu Deinen Gunsten umgestimmt habe!" „Das wird me geschehen," erwiederte Korani unwillig; „nachdem sie mir den Affront angethan meinen Besuch abzuweisen, halte ich es auch unter meiner Würde mich ihnen je wieder zu nähern!" „Und doch willst Du ihrer Tochter Herz und Hand reichen?" forschte Bertha befremdet. „Mit tausend Freuden," sprach er, indem er ihre Hand an seine Lippen führte. „Du mußt mich nur verstehen, Bertha; ich bin kein Egoist, ich frage nicht nach Geld und Gut, ich will nur Dich, Dich allein, weil ich Dich liebe und fest überzeugt bin, daß Du Dich zu meinen Grundsätzen bekennen wirst. — Was kümmern Dich, wo es sich um unser Herzensglück handelt, die Absichten der alten Leute? Unsere moderne Welt ist ihnen weit voraus; die freie Liebe, die das höchste Ideal der fin de meele-Menschen ist, dürfte bei ihnen —" „D, schweig," unterbrach das junge Mädchen entrüstet; „die freie Liebe findet nicht nur bei den Ettern, sondern vor dem Forum jedes sittlich guten > Menschen gerechte Verurtheilung; wie konntest Du denken, daß ich jemals eine Ehe in dieser Form eingehen werde!" „So habe ich Deine Entfernung aus dem Elternhause, Deine Anwesenheit in Wien falsch gedeutet?" fragte Dr. Korani verwundert. „Nur der Wunsch Dich wieder zu sehen, eine Aussprache mit Dir zu haben, führte mich hierher," erwiederte Bertha ernst; „Du mußt sehr gering von weiblicher Würde und Tugend denken, wenn Du aus meinem Hiersein andere Schlüsse ziehen wolltest!" „Larifari," erwiederte der junge Mann, „nur keine Sentimentalität! Zwei, die einander lieben, gehören zusammen und berauben sie sich des Glückes, das ihnen der Augenblick bietet, so sind sie einfach zu bedauern. Man lebt nur um zu genießen, nicht um zu resigniren. Du, mein kluges Mädchen, solltest das einsehen; und da Deine Eltern partout von unserer Vereinigung nichts wissen wollen, was bleibt Dir übrig, als ihnen mit einem fait aecompli zu kommen und die Meine auch ohne ihre Einwilligung zu werden?" „Nie, nie," sagte Bertha entschieden. „Unsere Ansichten über die Ehe gehen himmelweit auseinander! Glaube uicht, daß ich ohne der Eltern Einwilligung mich je entschließen würde, wie heiß auch meine Liebe 51t Dir ist, die Deine zu werden!" „Und wenn Deine Eltern bei ihrer Weigerung beharren?" „Liebst Du mich, so mußt Du sie überzeugen, daß das, was sie fürchten, nie eintreten wird, daß Dil an einen Glaubenswechsel nicht denkst!" erwiederte Bertha. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint z w e I m a I, montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt -urch G Ktrinacker, Leipzig, Doßptah 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spattige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendnng unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland t6 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden, «ine RüSfeudung von an dl- Redaktion eingesandten Manuscriptcn findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zuriickzubehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelit. Neligionsgescllschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzcn: Deutschland: Berlin. Gleiwii; Breslau Eham. Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Rußland: Warschau. Italien: Rom. — Vermischtes. — Feuilleton: Ehmvirvin Jißurin. Eine Erzählung von Jda Barber, Wien. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilager Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Magdeburg. Rußland: Pe ersburg. England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oestcrr.-Zngar. Monarchie: Budapest. Lemberg. Rußland: Moskau. England: London. Dänemark. Kopenhagen. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraßc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen

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