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Der Israelit · 1896-11-12 · Heft 91 (12.11.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 91 (12.11.1896)
Date
1896-11-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1739 „Judenknecht/ rief der Eine, der Wernau des Diebstahls beschuldigte. „Sie werden sich wegen dieses Wortes zu verantworten haben," sprach der Commissär ernst, drückte auf die Glocke und befahl dem eintretenden Diener jenen Mann in Polizei-Arrest zu behalten, die beiden Anderen sofort dem Polizei-Direktor vorzuführen, er selbst werde in einigen Minuten folgen. * * 4c Im Wernau'schen Hause hatte die Nachricht, daß Julius seine Schlußprüfung nicht abgelegt, große Verstimmung hervorgerufen. Wie sehnsüchtig hatten die Eltern die Depesche erwartet, daß Alles gut abgelaufen! Wie inbrünstig hatte Vater Wernau, als er sein Morgengebet verrichtete, seinen Gott angesteht, er möge dem Sohne beistehen, daß er endlich das langerstrebte Ziel erreicht! Wie schön hatte es sich die Mutter gedacht, nun bald, vielleicht schon in einigen Tagen den geliebten Sohn als Doctor begrüßen zu können! Wie wollte sie stolz sein, ihn ihren Bekannten und Freunden, die sie alle zu einem Festmahl zu vereinigen gedachte, als wohl approbirten Doetor vorsteüen zu können! Die Eltern glaubten einfach nicht, daß er, wie die Nachmittags eingetroffene Depesche lautete, das Examen nicht abgelegt habe. „Er hat es nicht bestanden!" jammerte die Mutter; „o Gott, was strafst Du mich so hart!" Ist Julius unfähig oder läßt er sich ablenken? Lag er seinen Studien nicht mit dem nöthigen Eifer ob? Es war für die Eltern, die so gerne auf den Sohn stolz sein wollten, ein schwerer Schicksalsschlag an seine Untüchtigkeit glauben zu sollen. Und noch eine andere Sorge, nicht minder schwer wiegend, hatte ihnen in letzter Zeit manche bange Stunde bereitet. Bertha's Geheimniß, daß sie Dr. Korani liebe und die Seinige werden wolle, war ihnen durch einen Zufall verrathen worden. Das war kein Schwiegersohn nach ihrem Sinn; er entstammte einer Familie von Strebern, deren mehrere schon ihrem Glauben entsagt hatten,-um zu Amt und Ehren zu gelangen; von ihm wußte man, daß er der freireligiösen Gemeinde angehöre, von religiösen Gebräuchen nichts halte. — Alle Bemühungen der Eltern, Bertha dazu zu bringen, daß sie Dr. Korani entsage, blieben erfolglos. Sie untersagten ihr den Briefwechsel mit ihm, wußten aber doch, daß er ihr schrieb. Was thun, um dem jungen Mädchen die Augen zu öffnen, daß aus dieser Verbindung kein Glück für sie zu erhoffen sei? Die Ellern waren rathlos; sie sahen, wie die einzige, geliebte Tochter von Tag zu Tag abmagerte und im Kampfe zwischen Pflicht und Neigung zu Grunde ging; ihre Wangen, früher blühend roth, waren bleich, ihr Gang ehedem leicht und elastisch, war jetzt schleppend, ihr Jntereffe an Allen., was ihr sonst am Herzen lag, schien erloschen. Sie liebte Korani inniger, als sie sich selbst einzugestehen für gut fand und der Gedanke ihm entsagen zu sollen, machte sie namenlos unglücklich. Dennoch blieben die Eltern dabei, Dr. Korani sei kein Gatte für ihre Tochter; er werde sich so leichten Herzens, wie seine beiden Brüder es gethan, taufen lassen, wenn ihm eine verlockende Stellung winke und — einen Meschummed wolle inan nicht in der Familie haben. Vergebens betheuerte Bertha, daß Korani gar nicht daran denke, um äußerer Ehren willen zum Chriftenthum überzutreten, die Eltern glaubten ihr nicht und beantworteten Dr. Koranis Bitte, bei ihnen vorsprechen zu dürfen, damit, daß sie für seinen Besuch dankten, aber jetzt nicht in der Lage seien ihn zu empfangen. Bertha, verstimmt und unglücklich, wandte sich an ihre Tante, die Frau Dr. Lex in Wien, in deren Hause sie Dr. Korani kennen gelernt und bat dringend, sie einzuladen, damit die Eltern ihre Erlaubniß zur Reise geben. Da Wernau wußte, daß Korani jetzt in Prag weilte, ließen sie die Tochter arglos die Reise nach Wien antreten. Erleichtert athmete das junge Mädchen auf, als sie inr Coupe saß und sich den beengenden Verhältnissen des Elternhauses entrückt wähnte. — Schnell schrieb sie, ein Papier aus ihrer Handtasche nehmend, ein Telegramm, das sie dem Schaffner zur Beförderung übergab. Es lautete: „Fahre soeben nach Wien; erwarte Dich morgen 10 Uhr im Volksgarten. Bertha." Dr. Korani traf, sobald er das Telegramm erhalten, Vorkehrungen zur Abreise und fuhr mit dem Abendzuge nach Wien. Pünktlich, zur verabredeten Zeit trafen die Liebenden einander am Theseus-Tempel. Es war kein erfreuliches Wiedersehen. — Korani wünschte, daß Bertha die Einwilligung der Eltern ertrotze, oder falls dies nicht möglich, mit ihm nach Prag reise, wo er demnächst eine Anstellung im Ministerium zu erhalten gedenke. „Ohne Einwilligung der Eltern? Ohne Deine Frau zu sein?" fragte sie erstaunt. „Es wird uns kein anderer Ausweg bleiben!" „Nimmermehr!" „So liebst Du mich nicht?" „Ich gäbe mein Leben für Dich hin! Aber gegen Gesetz und Sitte verstoßen, nein, das kannst Du nicht von mir verlangen!" „Was Gesetz? Was Sitte? Das sind veraltete Vorurtheile! Ob der Prediger da in Gegenwart der Eltern seinen Segen über uns spricht, oder nicht, das kommt auf Eins heraus. An solch' todtem Formelkram darfst Du Dich nicht halten, wenn Du

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