Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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t-\Tp'"*tr*f 9*T 1738 tigung des Justizministers und des Ministers des Innern abhängig gemacht. Faktisch aber erfolgte diese Bestätigung nie, so daß die Gerichtspräsidenten am Ende ganz davon abstanden, Kandidaten zu präsentiren. Erst in letzterer Zeit haben doch zwei solche Ernennungen stattgefunden. Eine erfolgte im inneren Rußland. Aber davon ist keine Notiz zu nehmen, da der betreffende Herr bis setzt einen hohen Posten im Regierungsdienste bekleidete, er war nämlich Mitglied eines Bezirksgerichts. Aber aus ganz gewöhnlichen Bedingungen heraus wurde Herr Ludwig Landau, Sohn des Bankier Herrn Moses Landau, vor einigen Wochen als Privatadvokat bei dem Friedensrichterplenum zu Pultusk (Gouvernement Warschau) ernannt. Es scheint dieses eine liberalere Richtung in der Praxis der russischen Justizverwaltung zu bedeuten. Italien. (n) Rom, 22. October. In unserer Gemeinde exfftiren zur Zeit achtzehn fromme Vereine oder Chewroth. Nun hat das italienische Parlament schon 1830 ein Gesetz angenommen, welches die Negierung ermächtigt, die Besitzungen uno Güter aller in unserer Stadt bestehenden Congregationen, Bruderschaften und frommer Vereine unter ihre Obhut zu nehmen und dieselben zugleich auch zu verwalten. Mittelst Gesetzes vom 30. Juli d. I. wurden wieder alle frommen Vereine hier, von deren Vermögen die Negierung bisher noch immer nicht Besitz ergriffen hatte, aufgefordert, wenn sie ihren Besitz weiter behalten und verwalten wollten, ihre diesbezüglichen Gesuche unverzüglich bei den Verwaltungsbehörden einzureichen, damit man ihre Einwürfe gegen das Gesetz gehörig prüfen könne. Sechs von unseren achtzehn Chewroth und zwar: ,wa ,om mix ,2"nn man» mao mtp, nnna? und nirm haben schon längst gegen das erwähnte Gesetz den Recurs ergriffen und für die anderen zwölf Chewroth wird erst jetzt ein solcher Schritt unternommen werden. & Vermischtes. < München. Im Königreich Bayern waren zu Anfang des Jahres 189-1 in den Strafanstalten internirt 5~64 Katholiken, 1674 Protestanten, 30 Israeliten. Das ergab bei einer Bevölkerung von 3,959,077 Katholiken, 1571,863 Protestanten, 53,885 Israeliten, auf je 100,000 Personen der betreffenden Konfessionen 148, 106, 56. PirmasenS, 27. Chefchwan. Bor wenigen Tagen ist hier Herr Julius Schohl II. in der schönsten Blüthe seines Lebens nach langem, schweren Leiden gestorben. Sein Leichenbegängniß, an d<m sich auch der Veteranen- und Kriegeroerein betheiligte, zeigte recht deutlich, welch' hohen Ansehens sich der Verstorbene erfreute. Besonders ist ihm seine große Wohlthätigkeit nachzurufen, was auch Herr Bezirksrabbiner Dr. M ey e r—Zweibrücken in seiner Leichenrede besonders hervorgehoben hat. 2vp' '2 ’2“nö. Feuilleton. «■^48 öjcmnunn Iißurin. Eine Erzählung 7) von Jüa Barver, Wien. Wie aus der Erde gewachsen, standen im Ru mehr als 20 handfeste Kerle in Arbeiterkleidern im Local und stimmten den Lueger-Marsch an. „Thut Euere Schuldigkeit," commandirte Otto Pteß, der offenbar die Bande organisirt hatte. „Hoch Lueger! Nieder mit den Juden," ertönte es wie aus einem Munde und ehe es sich der Cafetier versah, war er auf die Straße gedrängt und im Local Taffen, Gläser, Stühle, Tische über einander geworfen. Der Polizeimann gebot zwar Ruhe, doch war er zu schwach gegen die Uebermacht. „Bist wohl auch ein Judenknecht?" höhnte man ihn, und wie tapfer er sich auch zur Wehr setzte, er wurde an die Wand gedrückt und gehindert das Nothsignal zu geben. Ein am Local vorbeigehender Wachmann kam endlich dem Collegen zu Hilfe, die Antisemiten verschwanden so schnell wie sie gekommen, nur die Drei, die Wernau des Diebstahls bezichtigt hatten, waren geblieben, hatten Wernau in ihre Mitte genommen und seine sofortige Arretirung verlangt. Je energischer Wernau dagegen protestirte, um so eher glaubten die Wachleute an seine Schuld und bestanden darauf, daß er ihnen folge. Wernau blickte auf die Uhr; es war 1/4 nach Zehn, gerade die Zeit, da er seine letzte Prüfung abzulegen hatte. Der Moment, nachdem er sich Jahre lang gesehnt, war gekommen, der Preis eifrigen Strebens wäre ihm sicher in dieser Stunde zuerkannt worden, da hinderte ihn die antisemitische Rotte seiner Pflicht zu genügen und anstatt in den Hallen der alma mater Zeugniß seines Könnens vor den versammelten Professoren abzulegen, mußte er, begleitet vom antisemitischen Mob unter den Hochrufen der aufgestachelten Menge zur — Polizei wandern. Der ihn verhörende Beamte war ein Mann von vorurtheilslosem Denken; ihm ward es gar bald klar, daß der ganze Tumult von der antisemitischen Rotte angezettelt war; Wernau erbot sich Beweise zu bringen, daß der fragliche Stock von ihm seit Jahren benutzt werde, seine Wirthin, seine Comilitonen, werden dies bezeugen, indeß der Commiffär verlangte nicht einmal eine Zeugenvernehmung; er entließ Wernau, der ihm mitgetheilt, welche Wichtigkeit diese Stunde für ihn habe, behielt sich aber vor, die drei Antisemiten, die den Skandal provozirt, dem Polizeidirector vorzuführen.