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Der Israelit · 1896-11-12 · Heft 91 (12.11.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 91 (12.11.1896)
Date
1896-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1737 derls, in einer Zeit, wo die Wissenschaft die ungeahntesten Fortschritte gemacht, wo die Technik alle Hindernisse der Entfernung beseitigt, und der Verkehr ungeahnte Dimensionen angenommen hat, wo wir die allgemeine Wehrpflicht besitzen und daran gehen, das Wahlrecht zu erweitern, halten Sie es für möglich, frage ich, eine ganze Klasse von Staatsbürgern zu degradiren? Ich halte es für unmöglich. Und so glaube ich, daß über kurz oder lang diese Frage auch bei uns in das Nichts zurücksallen werde. (Sehr richtig!) Zu bedauern ist nur, daß durch den leidenschaftlichen Kampf theilweise eine Verrohung herbeigeführt wurde. Aber auch unsere Mitbürger israelitischer Konfession dürfen nicht dem Separatismus huldigen, welchen jüngere Elemente derselben proklamiren, einen Separatismus, welchen gerade wir mit allen Mitteln bekämpfen. Wien. Für einen Umschwung zum Besiern, der sich in einer unverkennbaren Rückkehr zum alten, überlieferten Judenthum und seine Satzungen allenthalben geltend macht, mehren sich selbst in — Böhmen die Symptome. Wir erblicken ein solches in einer kürzlich erschienenen Schrift: „Zu unserer religiösen Erziehung" von einemAlten; deren erstes Heft die Besprechung eines neuen Religionsbuches enthält. Das neue Religionsbuch führt den Titel: „Lehrbuch der jüdischen Neligionsgeschichte u. s. w. von Dr. Adolf Weiß I. Th eil. Von der Offenbarung bis zum vorläufigen (!) Abschlüsse des biblischen Kanons. Prag 1894. Brandeis." Wir misten nicht, ob wir uns darüber freuen oder ob wir es bedauern sollen, daß diese vernichtende Kritik anonym erschienen ist. Sie führt so wuchtige, wohlgezielte Schläge auf dieses Kartenhaus von Religionsbuch, daß derjenige, welcher sie führt, sich derselben wahrlich nicht zu schämen braucht. Aber die Halbheit, Hohlheit und Unwissenheit, die sich in dem Weiß'schen Religionsbuch breit macht, ist leider in Böhmen und speziell in Prag noch immer so an der Tagesordnung, daß einer der Alten, welcher dieses Treiben beim rechten Namen nennt, bester zu thun glaubt, wenn er seinen eigenen Namen verschweigt. Auch nach dieser Seite ist die symptomatische Bedeutung dieser Schrift von Interesse. Aber es kann nicht fehlen, daß die vernichtende Kritik, wie sie hier an dieser Sorte „israelitischer Religion" geübt wird, sich in Wirklichkeit nicht auf das Buch und seinen Verfasser beschränkt, sondern auch auf diejenigen einen wohlthätigen Rückschlag ausüben wird, die sich zu dieser modernen Religion bekennen. Wir schenken dem Verfasser die zahllosen Schnitzer, Verschwommenheiten und handgreiflichen Bornirtheiten, von denen es hier so wimmelt. Bei Büchern dieser Art ist man das gewohnt. Was uns besonders anwidert, ist das Coquettiren und Liebäugeln mit dem Christenthum, das man just in einem jüdischen Religionsbuch nicht gerade erwarten sollte. Wir können uns nicht versagen einen hierhergehörigen Passus der uns vorliegenden Schrift wörtlich zu citiren: „Dank verselben menschenfreundlichen Toleranz geschieht das für die Humanität zwar Erfreuliche, für die Religion aber Unerwartete, daß ein Lehrbuch der jüdischen Religion dem Christenthum den Besitz der r ein en Go tte ser kenn iß bescheinigt. S. 27, Abs. 2 „Dagegen haben alle Völker, die die reine G o t tes erk ennt niß besitzen.erlangt. Dies ist der Fall bei allen Bekennern des Christenthums." „Nun ja," meint unser Alter, „immerhin schadet es wohl nicht, wenn die jugendlichen Leser dieses Buches rechtzeitig die richtige Avresse erfahren, um bei gegebener Gelegenheit von ihm den geeigneten Gebrauch zu machen. Suchen sie die „reine Gotteserkenntniß" und finden sie trotz aller Mühe und Noth bei Weiß nicht, so wissen sie wenigstens, wo sie sonst zu haben ist." Man darf nach diesen Proben auf die Fortsetzung des Weiß'schen Religionsbuches, noch mehr aber auf diejenige seines Kritikers gespannt sein. Budapest. In Kreisen der orthodoxen Durchführungs-Commission wird eifrigst daran gegangen, die Vorbereitungen zur Wahl cincä Commissionspräses 511 treffen. Als Candidat wird allgemein der gegenwärtig provisorisch wirkende Vicepräses, Sr. Ehrw. Herr Oberrabiner Lipschitz aus Abany Santo genannt, und dürste dieser voraussichtlich auch gewählt werden. Bezeichnend für die Agitation der antisemitischen Volkspartei ist, daß anläßlich der jüngsten Abgeordnetcnwahlen im Oedcnburger Comitate, wo ein ansehnlicher Theil der Wähler aus Juden besieht, mehrere Candidaten obenerwähnter Partei als gewählt mts der Wahlurne hervorgingen. — Einen wohlthuenden Eindruck hat es überall hervorgerufen, daß unsere Glaubensgenossen im Allgemeinen für die Regierungspartei ihre Stimmen abgaben. In vielen Ortschaften ist auch der Sieg der Liberalen ausschließlich unseren Glaubensgenossen zuzuschreiben. — Einen hochherzigen Act der Wohlthätigkeit übte dieser Tage Graf Theodor Andrüssy, indem er der Galszöcser orth. isr. Gemeinde 2«>000 Bauziegel zum Baue ihrer Synagoge spendete. Rußland. Warschau, 10. November. Seit dem Jahre 1S90 ist durch Cirknlar des russischen Justizministers die Ernennung von Juden zu beeidigten Rechtsanwälten von der Bestätigung des Justizministers, die Ernennung aber zu Privatadvokaten von der Beftä-

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