Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 91 (12.11.1896)
- Date
- 1896-11-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1736 unserer Stadt. — Und so lassen Sie uns jeder Einzelne einen solchen unvergänglichen Blumenstrauß seiner Erinnerung weihen, bannt das Andenken an diesen braven Mann segenspendend recht lange noch nach seinem Tode für unser Gemeinwesen sei. Dem thcurcn Tobten aber schenke der Ewige seinen Frieden." — Hierauf sprach als Vertreter des Magistrats noch Herr Oberbürgermeister Kreidet den Dank der Stadt und des von ihm vertretenen Kollegiums dem Verstorbenen aus. Es gereiche ihm zur größten Genugchuung, daß es ihm seinerzeit vergönnt gewesen sei, die Veranlassung dazu geben zu können, daß der Verstorbene durch die Wahl zum Ehrenbürger und die Aufstellung feines Biloes in der größtmöglichen Weise geehrt wurde. Breslau, 9. Nov. Eine Versammlung von „Alten Herren" der deutschen Burschenschaft, die in Gleiwitz abgehalten wurde und aus dem oberschlesischen Jndustriebezirk zahlreich beschickt war, protestirte energisch gegen die Beschlüsse „Aktiver", wonach es erwünscht sei, daß die Burschenschaften fortan keine Juden mehr in den Verband ausnehmen. In einer einstimmig angenommenen Resolution wird der „Breslauer Zeitung" zufolge verlangt, daß überall, wo sich Vereinigungen „alter" Burschenschafter befinden, jener Beschluß dieselbe einmüthige Mißbilligung und scharfe Zurückweisung erfährt. Weiter heißt es: „Wir weisen den finsteren Geist der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grundsätzen der deutschen Burschenschaften Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter den Bundesbrüdern verschiedener Konfession zu zerreißen sucht, zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit und Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die Ehre der Kommilitonen und widerstreitet dem Vaterlandssinn. Ein Beharren auf jenem Beschlüsse muß zur Trennung „alter" und „aktiver" Burschenschafter führen. Das Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaften verlangt daher, daß jener Beschluß alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wieder hergestellt wird durch ein einmühtiges, rückhaltloses Bekennen zu dem Geiste vorurtheilsloser Duldsamkeit, welcher immerdar die Zierde und der Stolz der Burschenschafter bleiben muß." Cham, 4. Nov. Wir erhalten folgende Zuschrift : „Soeben lese ich in Ihrem w. Blatte wieder folgendes Inserat: „Koscher fette Gänse empfiehlt CH. Bendifl, Skersweihen bei Neu-Stubbern Ostpr." Bei diesem Herrn, Christoph Bendig ist sein voller Name, bestellte ich voriges Jahr eine Gans; aber was kam da? Ein am Genick gestochenes Exemplar. Auf meine Reclamation erhielt keine Antwort, ich mußte dieselbe mit Verlust weitergeben. Ich warne daher vor solchen Annoncen, damit nicht andere Besteller wieder hinein fallen. M. St ein d ler." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Legate des Freiherr«v.Hirsch). Der verstorbene Freiherr Moriz v. Hirsch-Gereuth hat, wie seinerzeit gemeldet, für Wohlthätigkeits- Anstalten in Mähren 1 Million Francs testirt, und zwar zur Hälfte für israelitische Wohlthätigkeits- Jnstitute, zur anderen Hälfte für solche, die ohne Unterschied der Confession wirken. Die Zutheilung der Beträge an Anstalten war Testamerrts-Erecutoren überlassen, welche diese nun durchgeführt haben. Für die Auszahlung hat Baronin Clara Hirsch-Gereuth den 9. Dezember, als den Geburtstag ihres Mannes, bestimmt. Es erhalten sämmtliche israelitische Cultusgemeinden Mährens Beträge von 1500 fl. bis 5000 fl., die Brunner Eultusgemeinde 10,000 fl., der mährisch-jüdische Waisenhilfsverein 110,000 fl., das Brünner Kinderspital 40,000 fl., der patriotische Landeshilfsverein 50,000 fl., die Barmherzigen Brüder für ihre vier Spitäler in Mähren 4l,ooo fl. u. s. w. Wien, 10. Nov. (Der 33ftrgcrmelfter von Brünn über den Antisemitismus.) Vorgestern erstattete, der Bürgermeister von Brünn, Dr. Ritter o. Wieser, feinen Landtagswählern aus dem ersten Brünner Gemeindebczirke seinen Rechenschaftsbericht und bewarb sich neuerlich um das Mandat. Die Kandidatur des Bürgermeisters wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. In seiner trefflichen Rede kam der Bürgermeister auch auf den Antisemitismus zu sprechen, den er auf das entschiedenste vernrtheilte. Er sagte diesbezüglich: Angesichts des Wirrsales uur uns müssen wir aber festhalten an unseren schw.r erkämpften freiheitlichen StaatSgrundgcsetzen und Errungenschaften, deren wichtigste die Volksschule ist; festhalten an dem Postulate der Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unlerschied der Race und der Konfession. Ich komme bamit auf eine etwas heikle Frage, jene des Antisemitismus; derselbe hat viel Staub aufgewirbelt und wurde in der Leidenschaft des Kampfes als Panier erhoben, andererseits aber auch leidenschaftlich bekämpft. Ich glaube, auch dieser Frage ohne jede Leidenschaft gegenübertreten zu sollen, und deßhalb ist sie für mich durchaus keine weltbewegende Frage, sondern vielmehr eine Augenblickserscheinung der allseits zum Ausdruck tretenden wirthfchaftlichen Unzufriedenheit. Es ist unrichtig, daß der Antisemitismus allein ein Kampfmittel gegen die Korruption sei; die Korruption und der Kampf gegen dieselbe bestanden seit jeher bei allen Völkern, schon bei den altcn Römern, und deßhalb kann man nicht sagen, die Korruption hänge an einem bestimmten Volke und an einer bestimmten Zeit. Ich möchte die Frage aufwerfen: Halten Sie es am Ende des neunzehnten Jahrhun-