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Der Israelit · 1896-11-09 · Heft 90 (9.11.1896) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 90 (9.11.1896)
Date
1896-11-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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im nicht aufkommen, und gar oft gelang es den städtischen Obrigkeiten wie der Kirche, allen Rechten zum Trotz judenfeindliche Absichten auch durchzusetzen. Ungeachtet dieser wenig behaglichen Lage entstanden allmählich in Schlesien, besonders an den großen Handelsstraßen, zahlreiche blühende Gemeinden. Die jüdischen Glaubensbrüoer wohnten meist eng in den Städten beieinander, weniger aus Zwang — denn wenn auch die Kirche dies Ghettosystem verlangte, so wurde es doch von den weltlichen Behörden selten ausgeführt — als vielmehr aus Gewohnheit und gegenseitigem Bedürsniß. Jede Stadt hatte ihre Judengasse, jede Judengemeinde ihr Bethaus, das zugleich Schulhaus war, und ihren Beamten, Judenbischof benannt. Kostspielige Friedhöfe konnten sich dagegen nur die größeren Gemeinden anlegen; die kleineren brachten dann ihre Leichen dorthin. Von den interessanten Grabsteinen, die aus jener Zeit noch erhallen waren oder sind (20 aus Breslau, 1 aus Reiste und 2 aus Schweidnitz), berichtet der Verfaster eingehend in einem Anhang. So konnten damals die schlesischen Juden in friedlichen Zeiten, wenigstens in ihrem Leben und Eigenthum unbedroht, ruhig ihren Geschäften nachgehen. Mehr als eine sorgenfreie Existenz erlangten sie nicht dabei; große Neichthümer waren selten bei ihnen. Dennoch wurden sie viel beneidet, und brachen einmal ernste Zeiten über die Bevölkerung herein, so waren es die Juden bereits, die dafür büßen mußten, wie im Jahre 1319, in welchem sie bei einer entsetzlichen Hungersnoth aus Breslau ausgewiesen wurden, und 1324, wo sie in Brieg dasselbe Loos traf, beidemal ohne daß sich der Landesherr ihrer angenommen hätte. Doch das alles war noch erträglich gegen die Wendung in ihrer Lage, als Schlesien seit der Mitte des 14. Jahrhunderts unter die Herrschaft der böhmischen Könige gerieth. So weit im großen und ganzen Branns Darstellung. Auf die interessanten Einzelheiten, die für die Geschichte der Juden in den einzelnen schlesischen Städten zahlreiches und wichtiges Material enthalten, sei der Leser selbst verwiesen, da es trotz der streng wissenschaftlichen Haltung der Bcannschen Arbeit die leichte und gefällige Ausdruckweise des Versasters einem jeden ermöglicht, mühelos in das Ganze sich zu vertiefen. Möge die Fortsetzung des werthvollen Werkes nicht lange auf sich warten lassen. (Dr. F. in der Brest. Ztg.). Vermischtes. In Paris wurde eine Kreditbank zum Zweck der Unterstützung der jüdischen Kolonisten und Handwerker in Syrien und Palästina begründet. Diese Bank wird Anleihen aus bewegliche und unbewegliche Güter begeben. Den Vorstand bilden die Herren: Bankier <L>. Eohn. Z. H. Schames und S. Altnrann in Paris, Dr. H. Hildesheimer und Dr. Heinrich Meyer Cohn irr Berlin' Feuilleton. «Lhawiwin 3if)Uvtn. Eine Erzählung 6) von Ada Barben Wien. Kathi Helveti war eine resolute Natur; ja, sie hatte mit Julius Wernau gebrochen und als er zehn Tage nach dem Tode ihres Vaters von Ezernow znrückkehrend bei ihr vorsprach, fand er verschlossene Thüren; es hieß, sie sei zti einer Verwandten auf's Land gereist. Dem war aber, wie er bald in Erfahrung brachte, nicht so; sie weilte in Wien und wurde täglich in Gesellschaft ihres Vetters Otto Pleß, der sie seit Jahrett mit Liebesantrügen verfolgte, gesehen. Otto Pleß war eilt strammer Antisemit; man sah ihn in allen Versammlungen, er agitirte eifrig, opferte seinen letzten Heller, um der Sache des Antisemitismus zu dienen. Im Heerbann der Lueger, Gregorig und Eonsorten war er eine geachtete Persönlichkeit; man feierte ihn bei allen Gelagen als tapferen Mitstreiter, denl es nicht darauf ankam als Zeuge für Ritualmorde und sonstige Heldenthaten zu gelten. Auch fromm konnte Otto Pleß sein; mit Andacht hörte er den Tiraden und Predigten Pfarrer Deckerts zu, aber wie oft er auch versuchte seine Kathi zu seiner Gesimiung zu bekehren, er predigte tauben Ohren. Jetzt, da er bei der Leichenfeier des Onkels gehört, wie Julius Wernait, der ihm stets ein Dorn im Auge gewesen, Kathi just am Todestage ihres Vaters verlassen, glaubte er den geeigneten Zeitpunkt gekommen, Kathi von Julius Wernau zu trennen und für sich zu erobern. Das vollständig gebrochene Mädchen war seinen Einflüsteritngen nur zu sehr zugänglich. „Da zeigt sich der Jud'," sagte er ihr, als er sie einen Tag nach Wernau's Abreise besuchte und sie ihm weinend klagte, daß sie ihren Verlobten nicht zurückhalten hätte können; sie habe ihn unter Thränen gebeten, wenigstens bis nach der Leichenfeier bei ihr zu bleiben, umsonst, er müsse nach Hause, um mit seinen Eltern das Passahsest zu feiern. „Geschieht Dir ganz Recht," sagte Pleß, „warum hängst Du Dich an einen Juden! Mir hast Du nie gestatten wollen Dir näher zu treten; er war Dein Alles! Da siehst Du, was er Dir in der Stunde der Roth ist! Er wird Dich noch in Schande und Elend bringen, um Deine Ehre betrügen und dann —" „Zwischen uns ist es aus," unterbrach ihn Kathi entschieden; „das habe ich mir in dieser Nacht, als der Schlaf meinen Augen floh, gelobt; und käme er und verspräche mir, mich wie eine Feenprinzessin im

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