Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 90 (9.11.1896)
- Date
- 1896-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448690--42798-2491817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ignatz Robitschek tu Beraun, Dr. Oesterreicher in Leipa, Ignatz Kallberg in Carolinenthal, Dr. Moritz Lichtenstern für Kladno, Dr. Joseph Podvinee in Kolin, Herr Joseph Spitz in Pisek, Dr. Arnold Rosenbacher in Prag, Dr. Ludwig Bendiener in Prag, Dr. Friedrich Duschenes in Prag, Dr. Salomon Freund in Prag, H. Adolph Braun in Raudnitz a. E., Heinrich Längstem in Reichenberg, Rudolph Grab in Smichow, Dr. Friedrich Gutman in Tabor, Dr. Oscar Willner in Teplitz, Dr. Alfred Hamburger in Weinberge, Herr Weiß in Zizkow und Dr. Rudolph Duschner in Pisen; —zu Schiedsrichtern die Herren: Hofrath Professor Dr. Zucker in Prag, Dr. Joseph Zalud in Prag, Dr. Heinrich Rosenbaum in Prag, Dr. Stegmund Schneider in Prag, S. Kohn in Prag, Dr. Joseph Spitz in Brüx, Leopold Mohr in Falkenau, A. Beck in Jungbunzlau, Jonas Bergmann in Neubydzow und Dr. Anspach in Saaz; — zu Revisoren die Herren; Arnold, Turnau, Philipp Falkowicz und Joseph Bunzl in Prag. Türkei. Konstantinopel. (A r m e n i e r u n b Jude n.) Es ist bekannt, daß den Juden von Haskiöi Tbeilnähme an den Armeniermetzeleien in Konstantinopel vorgeworfen wurde. DertttrkischeGroßrabbiner(Chacham Baschi) veröffentlicht folgendes Schreiben: Da in den Tagesblättern von judenfeindlicher Seite die Nachricht verbreitet wird, daß die jüdische Einwohnerschaft von Phanal-Haskiöi sich an den Verfolgungen und Plünderungen der Armenier betheiligt habe, so kann ich nicht umhin auf's Bündigste zu versichern, daß diese Mähr nur durch den Judenhaß erzeugt worden ist, da, gerade umgekehrt, viele Hunderte der verfolgten Armenier in Judenhäusern Schutz und Zuflucht gefunden haben. Es liegen Danksagungen von mehr als 200 Personen vor, die mit Namensunterschrift bezeugen, daß sie ihr Leben nur den Juden zu danken haben. Ich habe sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um den Verbreitern jener Lüge auf die Spur zu kommen. Es hat sich dabei nun ergeben, daß einige Juden von den Plünderen zum vollen Preise Gegenstände gekauft haben. Ich habe darauf durch Aufruf Allen, die dies gethan, aufgegeben, die Sachen, trotz Bezahlung, unverzüglich an die Polizei abzuliefern, was denn auch ohne Weigern geschehen ist." Literarisches. Geschichte der Juden in Schlesien. Aus vieljährigem Fleiß, erstaunlicher Gelehrsamkeit, warmer Begeisterung und dennoch kühl und kritisch abwägendenr wissenschaftlichen Sinne ist die erste zusammenhängende Darstellung einer Geschichte der Juden in Schlesien hervorgpgangen, die der Breslauer Seminardozent Dr. M. Braun als werthvolle Novität seinen früheren historischen Arbeiten angereiht hat. Die vorliegende Veröffentlichung reicht von den ältesten Zeiten an zunächst bis zum Jahre 1335. Diese ältesten Zeiten, in welche die Ansiedelung von Juden in Schlesien zurückreicht, sind diejenigen der polnischen Landesherrschast. Frei von allen Anfeindungen, in Frieden mit der slavischen Bevölkerung lebend, waren damals die schlesischen Juden Grundbesitzer und Ackerbauer; daß sie Handelsgeschäfte trieben, wird in den Quellen nicht berichtet. Um 1150 waren Juden die Besitzer des Dorfes Kl.-Tinz und um 1200 des sogenannten Falknerdorfes, das zwischen Oderstraße und Königsplatz des jetzigen Breslau sich hinzog. Unter der selbstständigen Herrschaft der schlesischen Herzöge begann bereits die Lage der Juden sich zu verschlechtern und zwar zumeist durch den Einfluß der Kirche, die in ihnen nur die Ungläubigen sah und die Gläubigen deßhalb von ihnen fernzuhalten bestrebt war. Schon werden den Juden besondere Zölle auferlegt, und die Synode zu Breslau erläßt 1267 eine Anzahl kirchlicher Bestimmungen, die auf der einen Seite den gesellschaftlichen Verkehr mit den Juden hindern, auf der anderen ihre bürgerliche Stellung, ihr Berufsleben, ja auch ihr religiöses Leben einengen sollten. Aber auch ohne dies war die Stellung der Juden bereits eine andere geworden. Die deutschen Ansiedler, denen Schlesien sein gewaltiges Aufblühen zu jener Zeit verdankte, verdrängten die einheimischen Ungläubigen von Ackerbau und Handwerk und zwangen sie dadurch zur Beschäftigung mit dem Geldhandel, deffen man bei der Entwicklung des Landes immer mehr bedurfte, und der schon deßhalb den Juden zufallen mußte, weil die Kirche ihn den Gläubigen durch das strenge Verbot des Zinsnehmens unmöglich machte. Dieses Muß ward ab^r zugleich der Juden Wehe; denn an dem Geldhandel hing der Glaube eines mühelosen und — als kirchlich verboten — unehrlichen Erwerbs. Gegenüber solchen Anschauungen der Mitbürger und der Kirche blieb den jüdischen Bewohnern Schlesiens zuletzt nur die Hoffnung auf den Schutz des Landesherrn. Diese Hoffnung erfüllte sich auch gar oft. Heinrich IV., seit 1270 Herzog, ordnete zum ersten Mal durch ein Schutzgesetz die Rechtsverhältniffe der schlesischen Israeliten, und unter seinen Nachfolgern bewies besonders Bolko I. von Schweidnitz und Münsterberg ihnen seine Gnade. Durch die von ihm erlheilte Erlaubniß nicht nur mit Geld, sondern auch mit Maaren aller Art handeln zu dürfen, gelangte die Schweidnitzer Judengemeinde zu solcher Blüthe, daß sie oft selbst die von Breslau überragte. Dennoch ließen die fortwährenden Erbtheilungen in den Herrscherhäusern die wirksame Ausführung der Schutzgesetze