Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 90 (9.11.1896)
- Date
- 1896-11-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1714 wird Herr Oekonomierath Schmid überzeugen, wie wenig zuverlässig Leute vom Schlage des Herrn Beringer und Consorten sind und wie schlecht man berathen ist, wenn man den,Angaben dieser Herren blindlings vertraut. Ebensowenig entspricht die Behauptung der Wirklichkeit, daß ein Ausspruch gebildeter Rabbiner die jüdische Schlachtmethode als im schroffen Widerspruch mit dem mosaischen Gesetz bezeichnet. Man könnte jeden Preis auf die Namhaftmachung emes einzigen solchen Rabbiners und seines Ausspruchs setzen! Zur Würdigung des Experiments, welches darthun soll, daß das Fleisch geschachteter Thiere sich weniger lang halte, als das Fleisch geschlachteter Thiere, genügt ebenfalls ein Hinweis auf die Gutachten, welche das vollendete Gegentheil behaupten. Von speziellem Interesse in dieser Gutachtensammlung ist eine Erklärung der Karlsruher Metzger: Philipp Stetter, Andreas Dratz, Hugo Meloer, August Dennig, Hugo Bösch, Gustav Dietrich, Wilhelm Exleben, Karl Dittus, Louis Schneider, Wilhelm Hofmann, Friedr. Jos. Bott, Hermann Hecht, Julius Morlock, August Scherer, Friedrich Geyer, Michael Kern, welche mit den Worten schließt: „Für das gute Aussehen und die bessere Haltbarkeit des Fleisches empfiehlt sich das Schächten, weil bei diesem Schlachtverfahren die Thiere am vollständigsten ausbluten." Wer sich bei seinem Urtheil über das Schächten von tendenziösen Berichterstattungen, wie es die Beringer'sche ist, bestimmen laßt, wird dies immer mit einer gewissen Voreingenommenheit thun. Vielleicht erklären sich so die Beobachtungen, die Herr Oekonomierath Schmid als seine eigenen anführt. — Daß es nicht selten sei, daß beim Niederlegen des zu schachtenden Thieres ein Horn oder eine Rippe breche, muß jedoch entschieden als unzutreffend bezeichnet werden. Da bei Brüchen dieser Art das Thier den Juden zum Genuß verboten wäre, so sorgt schon dieser Umstand dafür, daß solche Fälle nicht Vorkommen. Wenn aber wirklich Fälle vorgekommen sind, wie die von Herrn Schmid erwähnten, daß z. B. das Thier 1U Stunde gebunden hätte daliegen müssen, bevor der Schächter zur Stelle war, u. a. so handelt es sich hier um eine grobe, strafbare Fahrlässigkeit der betr. Metzger, die aber mit dem Schächten nichts zu thun hat. Solche Mißstände, sollten, wo sie vorhanden sind, durch die gerichtliche Anzeige bestraft und beseitigt werden, ohne daß man deßhalb das Kind mit dem Bade auszuschütten braucht. Solche Ungehörigkeilen kommen übrigens auf's Conto der betr. Metzger, nicht des Schächters und noch weniger des Schächtens und bieten keine Handhabe zu einer Verurtheilung des jüdischen Schlachtverfahrens. (Anm. d. Red. Wir haben diese Entgegnung der Redaktion des „Landwirthschastlichen Wochenblatts" in Karlsruhe eingesandt und zweifeln nicht daran, daß es diese Richtigstellung veröffentlichen wird.) O e st e rr.-Un g ar. Monarchie. (F.) Prag, 3. Nov. Im Sitzungssaale der Productenbörse fand Sonntag die eonstituircnde Versanimlung des Gemeindebunds der israelitischen Cultusgemeinden in Böhmen statt. Nach Absendung eines Huldigungstelegrammes an Se. Majestät begrüßte der Vorsitzende Herr Dr. Bendiener die erschienenen Vertreter von 30 Gemeinden Böhmens mit einer Ansprache, in welcher er hervorhob, daß die jüdischen Gemeinden stets autonom waren, daß bei ihnen eine Kirchenoberbehörde nicht existire, sondern daß nur in bewegten Zeiten freiwillig zur Wahrung gemeinsamer Interessen Vereinigungen stattfanden. Solche Zeiten seien die gegenwärtigen. Das öffentliche Leben gleiche, wie ein berühmter Schriftsteller sagt, einem Strome, der in fortgehender Bewegung herrlich sei, wenn er aber steht, zu Eis oder Sumpf werde. Die vermessene Aeußerung des modernen Haman in Wien, die Juden zu vernichten, werde am besten widerlegt durch die einstimmige Wahl eines Juden zum Oberbürgermeister von London, durch die Niederlage des Antisemiten Ugron gegen den Juden Chorin und den glänzenden Sieg des Liberalismus in Ungarn. Herr Dr. Bendiener besprach sodann die Aufgaben des Gemeindebundes, der im Einvernehmen mit der Prager Cultusgemeinde-Repräsentanz und der Repräsentanz der Landesjudenschaft die würdige Begehung der Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät zu berathen, die Abwehr von Uebergriffen, die Stellung der Cultusgemeindebeamten, deren Wittwen und Waisen, und viele andere Fragen für seine Thätigkeit in's Auge zu fassen haben wird, und schloß unter Anlehnung an einen Bibelspruch: „Die Fackeln, die uns stets leuchten mögen, seien die des Patriotismus, der Bildung, der Sittenreinheit, des Mannesmuthes und der Wohlthätigkeit, und dann werden wir gefeit sein gegen Angriffe von Außen und gegen feigen Verrath von Innen. (Lebh. Beifall.) — Ueber Antrag des Herrn Dr. Willner aus Teplitz wurde sodann beschlossen, ein Rechtsschutzbureau zur unentgeltlichen Vertretung gegen antisemitische Uebergriffe ins Leben zu rufen und überdies die Cultusgemeinden Böhmens einzuladen, sich an allen Streitigkeiten der Gemeinden untereinander dem Schiedsgerichte des Gemeindebundes zu unterwerfen. — Eine Reihe weiterer Anregungen wurde an den zu wählenden Ausschuß geleitet. Gewählt wurden in den Ausschuß die Herren: