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Der Israelit · 1896-11-05 · Heft 89 (5.11.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 89 (5.11.1896)
Date
1896-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1701 Osten die östliche voraussichtlich etwas größer werden, als die westliche. Längen lG1^ Mir., Breite 63/4 Mtr., Tiefe 5—51/* Mtr. Der Cubikgehalt der westlichen Cysterne wird daher sein voraussichtlich 560 Cubikmtr. oder 1328 Cubikellen, der östlichen 600 Cubikmtr. oder 1422 Cubikellen: zusammen 1160 Cubikmtr. oder 2750 Cubikellen. Der Cubikmtr. fertige Cysterne wird voraussichtlich hierbei kosten 12—12^/z Frcs. oder die Cubikelle 5—54/4 Frcs. Die beiden Cysternen werden daher einen Kostenaufwand machen von zusammen 14,200 Frcs." Nach dem Bericht oes Jerusalemer Bau-Comitäs ist der Bau der Cysternen bereits soweit vorgeschritten, daß sie schon diesen Winter sich zur Aufnahme des Negenwassers eignen, wodurch eine wesentliche Ersparniß der Baukosten erreicht würde. So nothwendig die Anlage der Cysternen auch in erster Reihe geboten erscheint, so legen die vorliegenden Berichte auch sehr großen Werth auf sofortige Erstellung der Umfassungsmauer. „Die baldige Herstellung der Grenzmauer ist sehr zu empfehlen," heißt es in einem der vorliegenden Berichte, „um Grenzstreitigkeiten, die ja hier sehr häufig sind, oft Jahre dauern und große Prozeßkosten verursachen, von vornhinein abzuschneiden." Die Umfassungsmauer 2,60 Mtr. hoch und 450 Mtr. lang, wird auf 8200 Frcs. veranschlagt. (Die Aufführung derselben ist, wie wir zuverlässig erfahren, gleichfalls bereits in Angriff genommen. Anm. d. Red.) Man sieht aus diesen wenigen Notizen, daß der Bau rüstig fortschreitet. Die Arbeiter, die alle mit Namen und ihren täglichen Arbeitslöhnen in den Berichten aufgeführt werden, sind zum größten Theile Juden; momentan sind durchschnittlich 80 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Bis jetzt aber handelte es sich noch nicht um den eigentlichen Oberbau, sondern um die FundamentirungsarbUten, die Fertigstellung der Cysternen und Kellerräume. Für den eigentlichen Spitalbau fügen wir den Wunsch bei, mit welchem Herr Baurath Schick nach seiner Bemerkung, daß „alles, was bisjetztgemauert wurde, schön und gut ausgeführt" sei, seinen Bericht schließt: „Möchte zum Schluß den Wunsch hinzufügen, daß auch mit dem eigentlichen, schon so viele Jahre angestrebten Spitalbau selbst bald begonnen werde, um endlich das schon so lange gefühlte Bedürfniß zu befriedigen, wozu der Allmächtige Seinen Segen geben möge!" München, 3. Nov. (Landtagsabgeordneter Kommerzienrath CarlMaison.) Die Beerdigung des am Donnerstag Früh verstorbenen Landtagsabgeordneten Herrn Carl Maison auf dem israelitischen Friedhofe am Sonntag Nachmittag gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Unter der zahlreichen Menge von Leidtragenden aus allen Gesellschaftskreisen befanden sich Staatsminister Frhr. v. Crailsheim, der Präsident der Abg.-Kammer v. Walter mit mehreren Abgg., die Bürgermeister v. Borscht und Brunner, der zweite Vorstand des Geirreindekollegiums Hergl mit Deputationen der beiden städtischen Kollegien, Regierungsrath Dobner, Hoftheater-Jntendant Poffart, Kommerzienrath Weidert als Vertreter der Handels- und Gewerbekanm.r von Oberbayern. Magistratsrath Fischer im Namen der Loge zur Kette und viele Andere mehr. Die große Halle vermochte die Menge der Leidtragenden nicht zu fassen, weßhalb der amtirende Geistliche, Rabbiner Dr. Werner, die Grabrede im Freien hielt. Wir entnehmen den tief ergreifenden Ausführungen des Redners Folgendes: Vor uns liegt die Hülle eines wunderbar glücklichen Mannes, eines der glücklichsten Menschen, die je in unserer Mitte gelebt. Reich gesegnet mit Geistesgaben, war es ihm gegönnt, für Beruf, Familie und Vaterland zu wirken. Deßhalb werden Viele den Mann vermissen, der aus unserer Mitte gerissen wurde. Er gehörte zu den bedeutenden Männern, die das Weihemal des Hervorragenden in sich tragen dadurch, daß sie Gegensätze in einer Seele vereinigen: er war begabt mit einem hellen Kopf, der Vielen als kalt gilt; aber sein Herz war warm und sein Gemüth reich; daher standen wir Alle unter dem Zauber seiner liebenswürdigen Persönlichkeit. Derselbe Takt, der ihn zu reden bewog, wo das Reden am Platze war, der bewog ihn auch zum Schweigen, wo das Schweigen die goldene Münze war. Ihm waren nicht goldene Schätze und nicht Stellung und Ehre in die Wiege mitgegeben; er war der Sohn eines einfachen Volksschullehrers; durch eigene Kraft stieg er von Stufe zu Stufe. Die Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit war die Grundlage seines Charakters und auf die baute er sein Handeln auf. Die Welt braucht Kampfnaturen, aber auch solche, die die Kämpfer versöhnen und die Gegner zusammenbringen. Noch ein weiterer Gegensatz vereinigte sich in seinem Charakter: Energie und Bescheidenheit. Weil er fühlte, daß für ihn die Aemter Pflichten und nicht eine Würde waren, so machte er die Nacht zum Tage, um seine Pflichten gegen die Gesammtheit nachzukommen. Wenn sein König ihn ehrte, dann jauchzte sein Herz, wenn aber das Volk ihn verehrte, dann jubelte seine Seele, und neben dieser Arbeitsamkeit und Energie übte er auch die Duldsamkeit aus, weil sie die Grundlage aller Sittlichkeit ist. Nicht jedem Menschen ist es vergönnt, solche Eigenschaften zu besitzen und so viel Gutes zu wirken zum Wohle des Vaterlandes. Nach den üblichen Gebeten bewegte sich der lange Trauerzug zum Grabe. Hier ergriff, nachdem der Sarg eingesenkt war, zunnächst Medizinalrath Dr. Aub im Namen der liberalen Vereinigung der Kam-

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