Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 89 (5.11.1896)
- Date
- 1896-11-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1702 mer der Abgeordneten das Wort, „dem unvergeßlichen Kollegen und treuen Freund" Worte voll ehrender Anerkennung für seinen praktischen und klugen Sinn, aber auch für seine Liebenswürdigkeit und Hilfsbereit: fchast auszusprechen. Er werde im Heizen aller seiner Kollegen fortleben. Landlagsabgeordneter Geiger legte Namens der Centrumfraktion der Abgeordnetenkammer einen prächtigen Kranz nieder. Magistratsrath und Landtagsabgeordneter Seyboth widmete Namens des Ausschusses der Deutsch- Freifinnigen Partei ebenfalls einen Kranz und rief dem treuen Freunde ein „Schlafe wohl, möge Dir die Erde leicht sein!" zu. Schriftsteller Vecchioni betonte, daß Maison zu allen Zeiten ein musterhafter Kollege gewesen sei und daß er nicht in diesem kalten Grabe, sondern in ihrer Aller warmen Herzen eine Stätte bleibenden Gedächtnisses haben werde. Gleichzeitig legte er Namens der Liberalen Münchens eine prächtige Kranzspende nieder. Justizrath Kraußold legte im Namen und Auftrag des Vereins „Frei-München" ein Kranz nieder „auf dem Grabe eines Mannes, dessen Ueberzeugungstreue und nimmer müde Opferwilligkeit Aller Freude war." Kommerzienrath Weidert legte Namens der Handels- und Gewerbekammer von Oberbayern, der belgische Konsul Steub im Namen der Konsuln Münchens, Kaufmann Thannhauser Namens des Vereins deutscher Geschäftsreisender, Kaufmann Grünhut Namens des Kaufmännischen Vereins München je einen prachtvollen Kranz nieder, wie ein solcher auch vom Arbeiterbildungsverein, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, niedergelegt wurde. Ebenso hatten Redaktion und Verlag der „Münchener Neuesten Nachrichten", der wir diesen Nachruf entnehmen, einen Kranz dem unermüdlichen Kämpfer für die liberaleDache in dankbarer Erinnerung gewidmet. Derrmsaites. Berlin. Mit der am 15. Oktober stattgefundenen Schlußfeier in der Gewerbe-Ausstellung hat ein für die deutsche Industrie und besonders für Berlin im Großen und Ganzen segensreiches Unternehmen feinen Abschluß gesunden, an dem sich unsere Glaubensgenossen in hervorragendem Maße betheiligt haben. Natürlich benutzte die antisemityche Hetzprefse die Preisoertheilung bereits vorher zu allerhand Pöbeleien und Einschüchterungen. Gerade deshalb werden wir aber auch nach erfolgter Veröffentlichung der Preise den Antheil der Juden festzustellen haben. Wie bereits bekannt, hat Herr Kommerzicnrath Goldberger den Kronenorden III. Klasse erhalten. Bon den schon zur Vertheilung gelangten 28 goldenen Medaillen ist eine den Taback- und Cigarrenfabrikanten Loeser & Wolfs, eine der Maschinen- und Waffenfabrik Ludwig Loewe zuertheilt worden. In BreSlan ist am verflossenen Jom-Kippur in der neuen Synagoge die Weihe des Tages durch ein gottesdienstliches Konzert gehoben worden. In der Pause begab sich der erste Kantor dieser Synagoge auf das Chor und schmetterte von dort ein Lied auf die Häupter der Zuhörer hernieder, die so ergriffen waren, daß sie selbst das Applaudiren vergaßen. Wien. (Ein Act antisemitischer Rohheit.) Der im Beatrixbade auf der Landstraße beschäftigte Mechanikerlehrting Emanuel Merlin, Wieden, trotze Neugasse Nr. 8 wohnhaft, hat dem Commissariate Landstraße die Anzeige erstattet, daß er von dem im Beatrixbade bediensteten Hausknecht Joseph Jesckek im Maschinenhause dieser Anstalt überfallen und zu Boden geworfen worden sei. Emanuel Merlin ist ein IMhriger. zart gebauter und kränklich aussehender Knabe, der bei seiner Mutter, einer bescheidenen Frau, die sich von ihrer Hände Arbeit nährt, wohnt Merlin wird als fleißiger, gutmüthiger und friedfertiger Junge geschildert. Gestern Abends nach 6 Uhr war er mit dem Säubern der Maschinenhalle beschäftigt und allein daselbst anwesend, als plötzlich der in derselben Fabrik als Hausknecht bedienstete Joseph Jeschek auf ihn zutrat, ihn aus einen Koh'enlwufen warf und ihn ohne vorhergcgangenen Wortwechsel mit beiden Händen zu würgen begann. Der schwächliche Junge war wehrlos gegenüber dem kräftigen Hausknecht. Während nun Jeschek den Knaben mit der einen Hand am Halse sesthielt und würgte, schlang er mit der anderen Hand einen Strick, den er bei sich hatte, um den Hals seines Opfer«, und indem er das Seil fest zusammenzog, rief er fortwährend: „Jud, jetzt schrei' Hoch Lueger!" Der Junge war bereits blau gefärbt im Gesichte und nahe daran, das Bewußtsein zu verlieren, als der rohe Angreifer, jedenfalls jetzt von Furcht gelei et, von seinem Opfer abließ und sich rasch entfernte, den Knabm seinem Schicksale überlassend. Nachdem sich Merlin von seinem Schrecken erholt rmd die nöthige Kraft wieder erlangt hatte, raffte er sich auf, schleppte sich mühsam in die Kanzlei und machte dann die polizeiliche Anzeige. Auf Grund des vom Polizei Bezirks« zte ausgestellten Pareres, welches eine schwere körperliche Verletzung conftatirte, wurde der Hausknecht noch im Laufe des Abends verhaftet. Den jungen Emanuel Merlin brachte man in die Wohnung seiner Mutter. Der Knabe vermag heute kaum noch zu sprechen - er hustet Blut und sein Hals zeigt tiefe Strangulirungswunden. Er genießt wohl die sorgsamste mütterliche Pflege, aber er entbehrt jeder ärztlichen Behandlung. Alle Versuche der besorgten Mutter, einen Armenarzt an das Krankenlager ihres Kindes zu bringen, blieben bis spät Abends unglaublicherweise ohne Erfolg! Bemerkt sei noch, daß Merlin den Hausknecht nur vom Sehen aus kannte, daß er nie mit hm gesprochen und auch keinen Anlaß geben konnte, ein Rachegefühl zu wecken Nach Ansicht der Behörde handelt es sich hier lediglich um einen der brutalsten antisemitischen Gewaltacte, eine Folge der unaufhörlichen, die rohesten Jnstincte wachrufenden Verhetzungen. Briefkasten der Redaction. H. Sch r Bei Grünebaum in Crumstadt, Gr. Hessen. ZüÄIHISBIZä KlOßO IUI' MUH» 7 Meter Noppen-Bocker .... zum Kleid für M. 1,50 Pfennige, 7 „ Waschstoff (garunt, waschächt) „ „ „ 1.5t „ 7 „ Levantine „ „ „ „ „ 2.80 „ 6 „ Damentuch, solider Qualität „ „ „ 3.30 „ 6 „ Veloutine, „ „ „ „ „ 3.90 „ G «legen heitakäufe in YVoll- und Waachatoffen ■-" ■■ zu reduzirten Preisen - versenden in einzelnen Metern, Roben, sowie ganzen Stücken franco in s Haus, Muster auf Verlangen umgehend OETTlNfiiJBR Ä C’o., Frankfurt am Main. Abtheilung für Hcrrenkleiderstoffe: Buxkin z. ganz. Anzug f. M. 4.05 Pt. Cheviot z. ganz. Anzug f. M. 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