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Der Israelit · 1896-11-05 · Heft 89 (5.11.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 89 (5.11.1896)
Date
1896-11-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ItttM■. Zabraana. Erste Beilage zu M 89 des „Hstntlir, Aus der jüd. Lehrerwett. Nknin irnMstzer jlkhrer G»kisitzle>ie«s?) (Jahresversammlung.) (Amtliches Protokoll.) Die in der Ueberschrift genannte Versammlung wurde am 26. v. M. in Königshütte abgehalten und um 11 ’/* Uhr Vormittags durch den Kollegen Walter- Königshütte eröffnet. Nachdem er die Erschienenen aufs herzlichste begrüßt, weist er auf das umfassende Arbeitsgebiet des Vereins hin und schließt seine beifällig aufgenommene Rede mit einem Hoch auf Sr. Mas. dem Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmt. Nach Absingung der Nationalhymne erfolgt die Bildung des Bureaus. In dasselbe werden die Kollegen Bernhard-Tarnowitz (Vereins-Präses) Rosenbaum I.-Beuthen und Böhm-Königshütte gewählt; als Schriftführer fungieren Böhm-Königshütte und Brann-Beuthen. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten begrüßt Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt-Königshütte im Namen seiner Gemeinde die Versammlung und wünscht ihren Verhandlungen den besten Erfolg, daß sie zum Segen von Haus, Schule und Gemeinde gereichen möge. Die Präsenzliste ergiebt die Anwesenheit v. 26 Mitgliedern. In Erledigung der Tages - Ordnung werden folg. Beschlüsse gefaßt: 1. Vorort für die in den Weihnachtsferien 1896 abzuhaltende Generalversammlung ist Tarnowitz. 2. Die Art und Weise der Veröffentlichung des Berichts über diese Versammlung und dessen Abgabe an jüd. Zeitungen bleibt dem Ausschuß überlassen. 3. An den Vorsitzenden des D. I. G. B. in Berlin ein Begrüßungstelegramm zu senden. 4. Eine Kommission zu ernennen, welcher die Ausarbeitung eines Vereinsstatuts übertragen werden soll. 5. Die vom Kollegen L. Katz Rybnick herausgegebene hebr. Fibel zur Einführung in israelit. Schulen umsomehr zu empfehlen, als sie nach den von der Versammlung s. Z. gebilligten methodischen Grundsätzen verfaßt und der Reinertrag aus dem Verkauf dem Oberschlesischen Waisenhaus in Rybnik zufließe. 6. Die Jügendschrift v. Flanter-Berlin, deren Tendenz vollen Beifall findet, in allen israelit. Schulen in 1 bis 2 Exemplaren zur Einführung zu bringen. *) Wegen Erkrankung des Herrn Mitreferenten verspätet. 7. Bei Vertheilung des vom D. I. G. B. zu den Kosten der Versammlung bewilligten Betrages nur diejenigen Theilnehmer zu berücksichtigen, welche zur Erreichung des Versammlungsortes eine größere Reise zu machen hätten. 8. An den D. I. G. B. das Ersuchen zu richten, ein Preisausschreiben über die Frage zu erlassen. Was und inwiefern hat die jüd. Schule seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung deutscher Kultur unter den Juden beigetragen?" Der letzte Beschluß, welchem ein Antrag des Kollegen Brann-Beuthen zu Grunde lag und in namentlicher Abstimmung zur Annahme gelangte, war das Resultat einer längeren Diskussion, welche sich an den hoch interessanten und sehr beifällig aufgenommenen Vortrag des Kollegen Katz-Rybnik über das Thema anschloß: „Die Kultur-Entwicklung der deutschen Juden durch die jüd. Schule," der hier in Kürze skizzirt werden möge. Der Vortragende warf einen Rückblick auf die Schulverhältnisse bei den deutschen Juden von der Zeit Moses Mendelssohns. Als kulturfeindliche Momente bezeichnte er den unter den Juden vielfach verbreiteten Glauben, es könnte die Pflege der Wissenschaften die Grundfesten der jüd. Religion gefährden unter Hinweis auf den Schriftvers: „woabdil es’chem mikol hoamim“ — und endlich die Einwanderung des polnisch-jüdischen Elements zur Zeit der grausigen Verfolgung der Juden Polens unter Chelmnitzky; die polnischen Emigranten hätten sich nicht nur nicht assimilirt, bestärkten vielmehr ihre deutschen Glaubensbrüder in dem Festhalten an das ausschließliche Studium des Talmuds — Kenntniß derBibel imUrtext war streng verpönt — so sehr, daß derjenige, der wirklich einmal kühn einen Schritt vorwärts wagte, sich mit Philosophie in nichthebräischer Sprache und Kultursprachen beschäftigte oder hochdeutsch sprach, als Abtrünniger mit Verachtung gestraft wurde. Dieser Zustand änderte sich blitzartig, als der jüdische Pestallozzi-Moses Mendelsohn, seine deutsche Uebersetzung des Pentateuchs unter die deutschen Juden brachte. Mit ihr löste sich der Bann. Die deutschen Juden lernten durch sie deutsch sprechen, denken und empfinden. Noch brach auch ein kaum begreifliches Interesse für deutschen Unterricht und deutsche Erziehung an, und nach und nach wurden die Schulen nach den Grundsätzen der allgemeinen Pädagogik gestaltet. Bereits im Jahre 1809 erlangte die jüdische Schule die erste Hilfe der deutschen Regierung. Da kam der Stein ins Rollen. Durch weitere unaufhörliche Gründungen deutscher jüd. Schulen in die deutschebezw. in die europäische Kultur eingeführt, und infolge des Ausbaues des gesummten Unterrichts- und Er-

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