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Der Israelit · 1896-11-05 · Heft 89 (5.11.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 89 (5.11.1896)
Date
1896-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1698 „Aber Du würdest ihn nicht lieben," unterbrach sie der Bruder, „wenn Du nicht wüßtest, daß er Dir eine gesellschaftliche Stellung bietet, daß Du ein Haus führen, die Dame spielen kannst! Nicht wahr? O, ich kenne Euch schlaue, berechnende Mädchen," fuhr er unwillig fort. „Ihr denket, ehe Ihr Euer Herz vergebet, zunächst daran, ob der Erkorene Euch auch mit finanzieller Liebenswürdigkeit lohnen, Euere Wünsche und Ansprüche, die Ihr Euch an das Leben zu stellen für berechtigt haltet, erfüllen kann; vermag er das nicht so —" „Du bist ungerecht, Bruder," unterbrach Bertha; „wenn ich je Dr. Korani meine Hand reiche, so geschieht es nur, weil ich mich zu ihm hingezogen fühle, weil mir die reichen Eigenschaften seines Geistes und Herzens imponiren, weil er der Mann ist, zu dem ich aufsehen, den ich verehren und hochachten kann! Und müßte ich mit ihm den Kampf um das tägliche Brot wagen, müßte ich Kummer und Entbehrung mit ihm durchmachen, ich würde, wenn er mich zur Gattin begehrte, freubig meine Hand in die seinige legen!" „Schwärmerin," sagte Julius die Achsel zuckend, „was weißt Du vom Kampf um's Dasein! Kathi aber hat ihn jetzt, da ihr Vater gestorben und die Pension erlischt, durchzukämpfen und ich erachte es als Ehrenpflicht ihr in demselben, folge daraus was wolle, zur Seite zu stehen. Ich frage Dich also noch einmal, Bertha, Nullst Du mir, da ja die Eltern von meinen Beziehungen jit Kathi nichts wißen dürfen, als treue Verbündete zur Seite stehen, damit ich das arme Mädchen, das mir in treuer Liebe ergeben ist, vor Noth und Entbehrung bewahre?" „Rein, das will ich nicht," sagte Bertha entschieden. „Du bist herzlos," sprach der Bruder unwillig. „Wo steckt Deine Güte, Deine Religiosität? Da sah ich Dich gestern und vorgestern stundenlang in der Synagoge beten; aber wenn es dazu kommt, wirklich gut und fromm zu handeln, werkthätige Liebe zu üben, da bist Du unzulänglich. Siehst Du, deßhalb verachte ich Euere Frömmigkeit, die nichts mit echter Herzensgute gemein hat." Schnell erhob er sich und verließ ohne ihr Lebewohl zu sagen, die Laube, in der sie gesessen. Während der acht Tage, die Julius noch im Elternhause weilte, war er schwermüthig, verschlossen. Der Gedanke, wie es Kathi ginge, peinigte ihn; er hatte ihr zwei Tage nach seiner Ankunft geschrieben; der Brief war irneröffnet zurückgekommen. Wollte sie mit ihm brechen? So wie er sie kannte, war es nur Trotz; sie wußte, daß sie eine Macht über ihn besaß. Offenbar mußte sie ja verletzt sein, daß er sie an der Leiche ihres Vaters allein ließ, der Beerdigung nicht beiwohnte; nun, er hoffte, wenn er sie nach seiner Heimkehr sprechen werde, ihr klar zu machen, daß er, den: Wunsche der Eltern Rechnung tragend, nicht anders handeln konnte; seinem Wunsche, Czernow nach den ersten Feiertagen verlaßen zu dürfen, hatte der Vater nicht Rechnung getragen; so mußte er bleiben und war er auch innerlich beunruhigt und mit all' seinen: Denken und Fühlen fern von den Seinen, er mußte bei ihnen aushalten und alle Zärtlichkeiten über sich ergehen laßen, während es ihm nach Zärtlichkeiten ganz anderer Art in den Armen der Geliebten verlangte, die jetzt die Beleidigte, Unversöhnliche spielte und wohl auch, das gestand er sich, Grund hatte, beleidigt und unversöhnlich zu sein. * * (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch G F. Strinacker, Felpstg, Boßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Line Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man vittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubeyalten. Inhalt (Hauptblatt) t Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelit. Religionsgesellschatt zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn: Deutschland: Mainz. Berlin. Frankfurt a. M. Eöln. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. — Feuilleton: Chawiwin Jißurin. Eine Erzählung von Jda Barber, Wien. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilager Aus der jüd. Lehrcrwelt: Verein israelit. Lehrer Oberschlesiens. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt. München. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Altona. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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