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Der Israelit · 1896-11-05 · Heft 89 (5.11.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 89 (5.11.1896)
Date
1896-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1697 wie Kathi es aufnehmen werde, daß er sic in dieser Zeit, da sie so sehr des Trostes bedurfte, verlassen. Nachdenkend saß er so einen Tag nach dem Feste in der Weinlaube, als Schwester Bertha, die ihn von fern beobachtet, auf ihn zutrat und herzlich fragte: „Warum so verstimmt, Julius? Gefällt es Dir nicht bei uns?" Er hörte sie nicht; erst als sie ihm mit der Hand auf die Schulter schlug, wandte er sich um, und sie erblickend, sagte er: „Gut, daß Du kommst, Schwesterchen; ich dachte gerade daran, daß ich mich an Dich wenden und Dich in's Vertrauen ziehen soll!" Bertha lachte hell auf. „Ich Deine Vertraute? Du scherzest, Julius; doch rede, was hast Du auf dem Herzen?" Der junge Mann sann eine Weile nach, dann, einen Entschluß fassend, sagte er, indem er die Schwester an sich zog: „Thue mir einen Gefallen, Kleine; schreibe Du an die Adresse einer Dame, die Du zwar nicht kennst, die mir aber sehr nahe steht, ich sei krank hier angekommen, lasse ihr sagen, daß ein hitziges Fieber eingetreten und meine Abreise auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben sei; — ihr Vater ist nämlich am Tage, als ich Wien verließ, gestorben; sie dürfte mir zürnen, daß ich sie in dieser schweren Zeit allein lasse; wie Du weißt, darf ich es den Eltern nicht anthnn, sie jetzt, kaum da ich gekommen, zu verlassen; also Schwesterchen, ihn' mir —" „Nein, das wird Schwesterchen nicht thun," sagte Bertha entschieden, „ich weiß nämlich sehr gut, lieber Bruder, wer jene Freundin ist, an die ich schreiben soll; Dr. Korani, mit dem Du Dich unlängst überworfen, hat mir Alles mitgetheilt; Du hast den Verkehr mit jenem Mädchen fortgesetzt, obgleich Du weißt, daß die Eltern dagegen sind. Verlange nicht von mir, daß ich —" „Kleine Moralistin Du," unterbrach Julius die Schwester; „willst Du mir Vorschriften machen? Dr. Korani hätte wirklich etwas Besseres zu thun, als zu spioniren und zu klatschen! Uebrigens hoffe ich, daß Du den Eltern keine Mittheilung gemacht?" „Wie werde ich ihnen Kummer bereiten!" sagte Bertha abwehrend. „Derartiges wird nie über meine Lippen kommen; aber, da wir gerade davon sprechen, gestatte mir die Frage, Julius, warum hast Du das dem Vater gegebene Wort, mit Kathi Helveti zu brechen, nicht gehalten?" „Warum? Darf ich mir eine Gegenfrage erlauben?" sprach Julius. „Ich weiß was Du sagen willst," erwiedertc Bertha; „Doch höre: Dr. Korani ist den Eltern nicht fremd; wenn er den angestrebten Posten im Ministerium errungen hat, werden sie uns ihre Einwilligung nicht versagen; einstweilen bleibt es unser süßes Geheimniß, daß wir einander angehören." „Du irrst, Bertha," sprach der Bruder ernst, „wenn Du glaubst, daß Du der Eltern Einwilligung sicher bist. Dr. Korani ist Freigeist; er wird keinen Anstand nehmen, seinen Glauben sogar abzuschwören, wenn ihm äußere Portheile winken!" „Möglich," sagte Bertha ernster werdend, „doch Korani ist klug genug die Eltern nicht ahnen zu lassen, daß er freireligiösen Ansichten huldigt. Er entstammt einer frommen jüdischen Familie, ist wohlhabend; das Mädchen Deiner Wahl aber ist Ehristin, arm, ohne Familie, ohne —" „Mach mir das Herz nicht schwer," siel Julius unwillig ein; „ich weiß zwar, daß ich einen harten Kampf durchuifechten haben werde, indeß —" „Den Kampf ohne Sieg," siel ihm Bertha in's Wort. — „Nie werden die Eltern jenes Mädchen als ihre Schwiegertochter anerkennen! Suche sie zu vergessen, Julius : meide lieber Wien, um nicht der Versuchung ausgesetzt zu sein, sie zu sehen! Vollende Deine Studien in Prag, wo immer, nur meide Wien, Du weißt. Du bist schwach! So wie Du sie siehst, vergißt Du, daß Du den Eltern versprochen, von ihr zu lassen; das Gefühl ist bei Dir stärker als —" „Predige mir keine Moral," unterbrach Julius die Worte der Schwester; „was weißt Du von jenen Hcrzensregungen, die mau nicht bekämpfen kann! Und weshalb sollte ich sie bekämpfen? Kathi ist Christin, ja; aber vor dem Gott, den ich verehre, sind alle Menschen gleich; — daß sie arm ist, gilt mir nicht als Hindernis;; unsere Eltern sind vermögend genug, daß ich nicht gezwungen bin, eine Geldheirath zu machen. Ich würde es unter meiner Würde halten, ein Mädchen nur deßhalb zur Gattin zu wählen, weil ihr Vater auf einem großen Geldsack sitzt." „Das sind Worte, lieber Julius," erwiedertc die Schwester, „die Du selbst, wenn Du einsichtsvoller geworden bist, zurücknehmen wirst. Wie willst Du ein Mädchen wie Kathi, in unserem Kreise als Deine Frau einführen? Wird man sie achten, ihr die ihr als Deine Gattin zukommende Ehre erweisen? Ich glaube nicht. Du müßtest Dich, wolltest Du glücklich mit ihr sein, ganz von Verwandten und Freunden absondern, und ich zweifle sehr, wenn es zum Bruch käme, ob sie bei aller Liebe, die sie Dir angeblich entgegenbringt, Dich für das entschädigen wird, was Du ausgiebft." „Ja zweisie nur," sagte Julius unwillig. „Du kennst eben eine echte, wahre Liebe, die zu jedem Opfer bereit ist, noch nicht!" „Wie Du nur sprichst," erwiederte Bertha erröthend; „auch ich liebe Korani, aber —"

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