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Der Israelit · 1896-11-05 · Heft 89 (5.11.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 89 (5.11.1896)
Date
1896-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1694 r;- kehrer habe Jeder auf den Ehrennamen Arbeiter Anspruch. (Aus verschiedenen Richtungen des Saales erschallte wiederholt Pfeifen, was Herrn Liebermann zu gefallen schien). Fortfahrend wünscht Referent, daß besonders der Bauernstand geschützt werden müsse, dann würde dieser Stand kaufkräftig erhalten, dann profitirten Handwerker und Kaufleute davon. Bekämpften sich aber Katholiken und Protestanten, Städter und Dörfler, dann machten die Juden die besten Geschäfte. Das mühsam kämpfende Handwerk hätte seinen Todfeind in dem Liberalismus und dessen Kinder, dem Sozialismus. Verschiedene, auf den soziademokraten Candidaten Dr. David ausgebrachte Hochrufe nahm Herr Liebermann als ihm geltend spottend dankend entgegen. Der von seinen Anhängern gespendete Beifall ging unter bei dem sich erhobenen Tumult, der den nachfolgenden Redner, Herrn Wolf aus Stadecken, erst nach geraumer Zeit zu Worte kommen ließ. Dieser meinte, daß er nicht gekommen sei, die Brandfackel der Zwietracht unter die Bürgerschaft zu schleudert!, sondern dieselbe darüber aufzuklären, was er und seine Partei wolle, was er ja schon in einem ausführlich gehaltenen Flugblatte ausgeführt habe. Wer lacht nicht auch darüber? Die Judenfrage sei für ihn eine Rassenfrage. Der Kampf gelte dem internationalen Judenthume, dem semitischen Geiste, der dem deutschen Volke immer mehr aufgedrängt werde und einen schädlichen Einfluß auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ausübe. Zum Ueberfluß wurde Herrn Liebermann von Sonnenberg das Schlußwort ertheilt, worin derselbe nochmals gegen die Sozialdemokraten loszog und zwar unter fortgesetztem Tumult. Schließlich wurde die Versammlung geschloffen unter Anstimmung des Liedes „Deutschland, Deutschland über Alles", was der größere Theil der Versammlung mit der „Arbeiter-Marseillaise" beantwortete. Unter diesem „harmonischen Einklang" der Gesänge leerte sich die Halle. Es wäre besser gewesen, wenn man die Herren Antisemiten hübsch unter sich gelassen hätte. Berlin, 23. October. (Brüsewitz und die Juden.) Nichts ist so ungereimt, als daß nicht die Antisemiten es zur Veranlassung eines Angriffes auf die Juden benutzten. Der traurige Fall Brüsewitz sogar muß dazu herhalten. Die „Deutsche Tagesztg.", das Blatt der Bündler, bringt dieses Klopffechterstück fertig. Das Blatt glaubt ja auch, daß in diesem Falle der Offizier anders gehandelt hat, als er handeln durfte und mußte. (Also doch!) Aber es findet es auffällig, daß dieser Fall von der „jüdischen" Presse gegen den ganzen Offiziersstand „ausgenutzt" wird. Unter den Begriff „jüdischer Presse" fallen hier vermuthlich auch die nationalliberalen Blätter, die sich über den Fall Brüsewitz bekanntlich schärfer ausgesprochen haben als die freisinnige Presse. Wir erinnern nur an das Wort der rechtsnationalliberalen „Rheinisch-westfälischen Ztg.", welches allen Bürgern empfahl, für vorkommende Fälle sich mit dem Revolver zu versehen. Das Bündlerblatt hat auch den Grund zur Stellungnahme der „jüdischen" Presse gefunden. „Daß Nichtdeutsche, insbesondere Nichtarier, von solchem Ehrgefühl keine Ahnung haben, ist ihnen nicht übel zu nehmen; — übel zu nehmen ist ihnen nur, daß sie in diesen Fragen mitzusprechen sich erdreisten. Und dabei kommen wir aus den eigentlichen Zweck der Hetze im Falle Brüsewitz. Unsere israelitischen Mitbürger uröchten gar zu gern auch „Offizier spielen." Sie würden noch viel häufiger und noch viel zudringlicher sich in die Osfiziercorps hineindrängen, wenn nicht die fatale Forderung in Bezug auf Ausrechterhaltung der Ehre wäre. Mit der eigenen Person für die Mannesehre eivzutreten, sie gegebenenfalls mit dem Blute zu wahren, das entspricht nicht der in diese»! Falle etwas weniger fein angelegten jüdischen Art. Wenn der Fall Brüsewitz so verwerthet werden könnte, daß diese Ansprüche auf die Einsetzung der gesammten Persönlichkeit für die Offiziersehre etwas herabgesetzt würden, so wäre ein lebhafter Herzenswunsch unserer jüdischen Mitbürger erfüllt. Daher die Ausnützung des Falles! Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen! Die Inden haben schmachvoller Weise kein Verständniß für das Ehrgefühl, das Offiziere zwingt. Wehrlose, die sie vielleicht (!) beleidigt haben, über den Haufen zu rennen. Deßhalb muß dieses Ehrgefühl, das jeder Raufbolo hat, aufrecht erhalten werden, damit die Juden sich nicht noch mehr an die Osfiziercorps herandrängen! Diese ganze Diversion soll selbstverständlich nur ablenken, und wir gestatten uns deßhalb, das biedere Agrarierblatt zu bitten, bei der Sache zu bleiben. Wir empfehlen den Herren vom Bunde der Landwirthe: Laßt Euch doch auch einmal um nichts und wieder nichts, oder um ein Anstoßen am Stuhl, über den Haufen stechen, und dann wollen wir wieder sehen, was Ihr in Eurer „nichtjüdischen, arischen" Presse darüber schreiben werdet. Frankfurt a. M., 3.Nov. (Ein Mädcheuheim für jüdische Waisen). In Ems soll demnächst ein „Mädchenwaisenhaus für Deutschland" geschaffen werden. Beabsichtigt ist, auch für arme Kinder zu sorgen, deren Eltern außer Stande sind, denKindern eine gute Erziehung zu geben. Uebrigens sind nichtdeutsche Kinder nicht ausgeschloffen. Das Konnte, dem Mitglieder aus ganz Deutschland, Herr Hirsch in Nottingham und Großrabbiner Zadoc Kahn in Paris angehören, bittet um Unterstützung. Für Frankfurt a. M. nehmen Rabbiner Dr. Horowitz und Stadtverordneter H. Sonnenberg Gaben entgegen. >: /

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