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Der Israelit · 1896-11-02 · Heft 88 (2.11.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 88 (2.11.1896)
Date
1896-11-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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J 685 nur ein Aufschub der Verbannung bis Ende März, soweit es Prag betraf, uns in Böhmen nachsichtige Duldung bis Ende Juli. (Fortsetzung folgt.) Zeitirngsnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Breslau, 29. Okt. Der Anfangs Oktober c. begründete Wahlverein für die Interessen der hies. jüdischen Gemeinde hatte in den ersten Tagen seines Bestehens bereits über 100 Mitglieder erhalten, sodaß sich das provisorische Comite veranlaßt sah, auf Donnerstag, den 15. Oktober eine Mitglieder-Versammlung zur Berathung der Satzungen einzuberufen. Dieselbe fand in den Räumen der Gesellschaft Eintracht, Tauentzienstraße 5, statt und war sehr zahlreich besucht. Namens des Comitä's eröffnete Herr Redackeur Dr. Lonis Neustadt die Versammlung mit der Mittheilung, daß die Idee des Wahlvereins und seine Tendenzen in den weitesten Schichten der Gemeinde Anklang gesunden haben. Auf seinen Vorschlag überträgt die Versammlung die Leitung der Verhandlungen Herrn Rechtsanwalt Schreiber, der mit großem Beifall begrüßt wird und seine volle Sympathie mit dem Wahlvereine erklärt. In der nun folgenden, mitunter sehr lebhaften Debatte, an der außer dem Vorsitzenden die Herren Fabrikbesitzer D. Kanter, Premieur-Lieutenant a. D. Jaffe, Redacteur Dr. L. Neustadt, Klemperer und Altmann theilnahmen, wurden verschiedene Zustände innerhalb der Gemeinde einer Besprechung unterzogen. Es folgte die Berathung der Satzungen auf Grund eines vom Vorsitzenden des Berliner „Centralvereins" Herrn Gemeinde-Repräsentanten Julius Oppenheim eingesandten Statuts, das mit unwesentlichen Abweichungen genehmigt wurde. Der Verein wird demnach seine Organisation in den einzelnen Bezirken vornehmen. Die Bezirke werden den einzelnen Stadttheilen entsprechen; nur für die innere Stadt und die Schweidnitzer Vorstadt ist eine weitere Theilung vorgesehen. Die Bezirke wählen ihre Vorsteher selber. Die gewählten Bezirksvorfteher bilden den Vorstand des Wahlvereins. Bis zur Vollendung der Organisation soll das provisorische Comite weiter in Funktion bleiben mit dem Recht der Cooptation. Herr Rechtsanwalt Schreiber wurde zum ersten Vorsitzenden des Wahlvereins ernannt. Breslau, 27. Okt. Daß die antisemitische Haltung der Burschenschaften in den Kreisen der „Alten Herren", die jenen Körperschaften angehört haben, als dieselben noch von ganz anderem Geiste beseelt waren, große Mißbilligung Hervorgerufe« hat, ist bekannt. Die „alten Herren" sind auch keineswegs geneigt, die eingetretene Sinneswandlung unter Aktiven so ohne weiteres hinzunehmen. Ein Kattowrtzer Blatt meldet z. B., daß auf Anregung des Rechtsanwaltes PohlGleiwitz für diesen Mittwoch eine Versammlung der alten Burschenschaftler Oberschlesiens nach Gleiwitz einberufen sei, um diese Angelegenheit zu berathen. Königsberg, 27. Oktober. Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden des Herrn Rabbiners Dr. I. Bamberg er, der gestern Mittag um 12 Uhr nach langen und schweren Leiden im 63. Lebensjahre gestorben ist, erlitten. Der Verblichene war nicht blos ein bedeutender Kanzelredner, sein für die Roth der Armen warm schlagendes Herz trieb ihn auch dazu, auf dem Gebiete des Wohlthuns eine weitgehende Thätigkeit zu entwickeln, die zahlreichen, in dieser Richtung arbeitenden Vereinen zu Gute gekommen ist. Geboren zu Angenrod in Hesien, wurde Bamberger gleich nach Beendigung seiner Studien am Seminar zu Breslau als Rabbiner nach Königsberg berufen, und hier hat er länger als 30 Jahre hindurch in dieser Stellung gewirkt. Memel, 26. October. In Sachen der Frau Fried mann, welcher, wie früher gemeldet, beim Überschreiten der russischen Grenze wegen eines Rubels, oen sie an die russischen Zollbeamten zu zahlen gehabt hätte, von letzterer 2466 Rubel abgenommen wurden, verfügte der russische Finanzminister Witte die Aufhebung der ConsiScation und die Zurückzahlung des Geldes an Frau Friedmann. Der betreffende Zolldirektor ist versetzt worden. Oest err.-Ungar. Monarchie. Wien. (Pfarrer Deckert's Conferenzreden.) Der Pfarrer von Weinhaus hat sich von den anstrengenden Reden gegen die Freimaurer, die er in Salzburg und auch anderwärts gehalten, rasch erholt, indem er in seiner Pfarrkirche in einer Reihe von Predigten gegen die Juden loszog. Diese Hetzreden nennt Pfarrer Deckert euphemistisch: Conferenzreden. Welcher Geist sie erfüllt, das verräth schon der Titel, den ihnen der hochwürdige Prediger gab: „Juden raus!" Dieser in Wirthshäusern ordinärster Sorte nicht ganz ungewöhnliche Ruf wurde an feierlicher Stätte, in einer Kirche, von einem Vertreter der Religion der Liebe wohl anstatt eines Satzes aus dem Evangelium zum Texte erkoren. Dem edlen Titel entsprach allerdings der Inhalt der Reden vollständig. Wir wollen bei demselben nicht länger verweilen und möchten nur ein Moment heraus greifen. Pfarrer Deckert, der katholische Priester, legte neuer-

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