Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1604 bürg l) bauten, «später, im Jahre 1673, wurde die Polnisch-Litthauische Gemeinde mit derjenigen der Hochdeutschen vereinigt. . . . Im Jahre 1618 wurde R. Abraham Worms Oberrabbiner, welches hohe Amt er einige 20 Jahre bekleidete. Dann legte er es nieder, um seine letzten Lebensjahre noch ohne Amt zu sein. Nach ihm, im Jahre 1667, folgte N. Jizchack Deckingen in dem hohen Amte. Mit Freude erinnere ich mich auch der Zeit, in welcher die hochdeutschen Juden endlich von der Regierung die Erlaubniß erhielten, eine große, neue Synagoge an der neuen Amstelstraat zu bauen. Man hatte schon seit Jahren aufopfernd Geld für diesen Zweck gesammelt. Am Donnerstag, den 11. Jjar 5430 legte der Vorsteher Jizchack Cohen den Grundstein, und am ersten Tag Peßach des Jahres 5431, den 28. März 1671, wurde nach der Einweihung des Gotteshauses durch den Oberrabbiner R. Deckingen, dasselbe dem Gebrauch übergeben. Zwanzig Tage darauf wurde auch von der Portugiesischen Gemeinde im neuen Stadttheil auf dem alten Deventer Houtmarkt die vier ersten Ecksteine ihrer berühmten Synagoge gesetzt. 1675, am Freitag und Sabbat Nachmu 5435, wurde dieser Prachbau unter glänzenden Festlichkeiten eingeweiht. Ich erinnere mich auch noch des Enthusiasmus, mit dem die Juden in dem schrecklichen Nothjahr 1672 den Regierungsantritt des großen Statthalters Wilhelm III. begrüßten. Unter seiner Negierung sah ich jüdische Handelshäuser zu bedeutender Höhe hinaussteigen. Ich erinnere mich der hohen Stellungen, welche viele Juden damals einnahmen, so der deutsche Jude Boas Pinchas, der den Frieden mit Algier, Tunis und Tripolis erwirkte, und der portugiesische Jude Baroo Isaak, Antonio, Copez, Snasso, der im Jahre 1688 dem Statthalter ohne Interessen 2 Millionen Gulden lieh. . . . Nachdem ich noch viele Synagogen-Einweihungen und andere Feste miterb bt habe, erreiche ich endlich das Jahr meines 100jährigen Jubiläums, das Jahr 1744. R. Arje Lob war zu dieser Zeit Oberrabbiner unserer hochdeutschen Gemeinde und das Talmud- Studium blühte. Im Jahre 1740 hat der Genannte ein imon du errichtet. Ich und meine Brüder hatten in diesem besonders viel zu leiden, wegen unseres kleinen Formates, der kleinen Buchstaben und des schlechten PapiereS. Es war alles richtig, was sie an uns aussetzten, und wir waren sehr böse auf Benveniste, der uns geschaffen. Wir wurden durch andere. Ausgaben verdrängt, so von der aus Frankfurt a. d. Oder, der Slawitter, hauptsächlich aber von bet Amsterdamer Ausgabe von Props. Ich bin ehrlich genug, cs einzugestehen, sie waren besser und schöner, wir aber waren die ersten, die Bahnbrecher. Was mich allein betraf, hatte ich mich nicht zu beklagen, denn durch den Tod meines ersten Besitzers war ich in die Hände seines Sohnes, Jonas Rothenburg übergegangen. Doch noch etwas anderes geschah an dem Tage meines Jubiläums. Jonas Rothenburg hatte einen Sohn namens Rüben. Dieser wurde im Jahre 1744 nM 12, und ich wurde von meinem Herrn dem jungen Rüben zur Benutzung überlassen. Jonas Rothenburg gehörte zu den wohlhabendsten und geachtetsten Männern von Amsterdam, er war Eigenthümer eines großen, soliden Leinengeschäftes. Aber das Leid sollte auch ihn nicht verschonen. Seine brave Gattin, die ihm vor zehn Jahren der Tod entrissen, hatte sein Leben erhellt und es zu einem wahren glücklichen gebracht. Seit der Zeit wich das Unglück nicht mehr von ihm. Sern Geschäft ging zurück. Ec verlor das heitere Vertrauen auf Gott und seine Willenskraft, sowie sein früher unermüdlicher Eifer erlahmten. Das Jahr 1745 brach an. Es war ein unheilvoller fürchterlicher Winter gewesen. Rothenburg kämpfte einen verzweiflungsvollen Kampf ums Dasein. Noch zeigte er der Welt sein stolz erhobenes Haupt, aber er war dem Untergange nahe. Er bedurfte der Summe von 7—8000 Gulden, um wieder das zu werden, was er gewesen, für die damalige Zeit eine enorme Summe, und es hätte eine lange Zeit bedurft, sie zu erwerben. Aber auch auswärts hörte man eine Schmerzensschrei aus Israel. Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, hatte am 18. Dezember 1744 ein Verbannungsedikt gegen alle Juden in Prag, wie auch in ganz Böhmen und Mähren ausgefertigt. Nach Januar 1745 durste sich dort kein einziger Jude mehr aushallen. Die Juden in England, Polen und in der Türkei, aber besonders in dem damals so mächtigen Holland wurden um Hilfe angefleht. Die drei jüdischen Gemeinden, Amsterdam, Rotterdam und Haag sandten eine Adresse an die „Staten- Generaal" (Generalstaaten), in welcher sie um Unterstützung für ihre Brüder baten. Die Staten-General gaben dem niederländischen Gesandten in Wien. Baron von Berrmania, einen ausführlichen Auftrag, sich für die bedrohten Juden in's Mittel zu legen. Auch England beauftragte seinen österreichischen Bevöllmächtigten, mit dem niederländischen Gesandten vereint zu wirken. Leider umsonst. Man erwirkte 1) Eine Straße im armen Judenviertel. (Anm. d. Uebers.)