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Der Israelit · 1896-11-02 · Heft 88 (2.11.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 88 (2.11.1896)
Date
1896-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVH. Jahrgang. Beilage zu M 88 des „Israelit". Feuittetott. A«r »ei Meminv Mer alten Kerotzas-Geviale. Von ihr selbst erzählt. Von T. Tal, Oberrabbiner im Haag. (Autsrisirte Uebcrsetzung aus denk Holländischen von Alexander 0) Baum, Berlin.) ^Nachdruck verboten.^ Drei Wochen spater fand das Äarmitzwoh-Feft in der kürzlich angenommenen Fremdlingsfamilie statt, und zwar im Hause des geschwätzigen Chasan R. Anschel Rood, der aber ein frommer, edler Mann, Haus und Hof stets freigiebig für alle Nothleidenden öffen hielt, Da stand der kleine Moses Rothenburg und hielt seine „rnva-Drosche." Und Rabbi Abraham saß dort oben lauschend in einem Lehnsessel, indessen sein Angesicht vor Vergnügen strahlte. So oft er zustimmend nickte, glaubte auch Anschel Rood nicht Zurückbleiben zu dürfen, er nickte auch, wie ein Pagüde. Um den Varmizwah-Jungen gruppirt, sah man serfchiedene Männer, einige von sehr ehrwürdigem Ansehen. Ganz vorn in seiner Nähe säßen die Eltern des kleinen Helden des Tages. Der bleichen Mutter sah man die Leiden an, die sie durchgemacht, aber heute lag etwas wie Glorienschein des Glücks aus ihrem Antlitz. Thränen der Glückseligkeit sah Ulan in ihren Augen perlen, nur sie ließ keinen Blick voll dem Knaben, ihre Hoffnung, ihre Zukunft. . . . Äus frommem Herzen stieg ein inbrünstiges Gebet zu Gott hinauf. Tie Mutter flehte für das Glück ihres geliebten Sohnes. Als die „Drösche" Unter dem Jubel und w "jro Rufen der Anwesenden beendigt war, stand Rabbi Abraham auf, indem er mich, die Berochoth-Gemore in die Hand nahm. Er hob mich in die Höhe, und weithin leuchteten die kupfernen Schlösser im prachtvollen, juchtenen Gewände. Alle sahen in Bewunderung zu mir hin. Sie begriffen, welch kostbares Geschenk dem jugendlichen Redner durch R. Abraham überreicht werden sollte- Und dieser sprach: „Mein Sohn, Sohn meines Freundes! Diese erste, in Amsterdam erschienene Berochos-Gemore schenke ich Dir heute an diesem Festtage. Halte dieses geweihte Buch in hohen Ehren. Vor wenigen Tagen haben große Gelehrte dasselbe in Händen gehabt und zusammen darin gelesen. Werde ein Lehrer in Thora und Talmud, m v'pnnv'? «n fy, Werde ei« treue? Sohn unseres heiligen Glaubens, werde eine kräftige Stütze dieser Gemeinde, in welche Du vor einigen Wockeu eingetreten bist werde eine Freude und das Glück Deiner braven Ettern. Mögest Du in dieser gesegneten Stadt der Freiheit heranwachsen zu einem wahren fron p in jeder Hinsicht, sowie Du heute ein nia« 12 geworden bist. Gott segne Dich, mein Kind!" Die Mutter konnte nur leise nach dieser Rede weinen, der Vater, R. Jona Rothenburg, aber sprach unter innigem Händedruck seinem Freunde den innigsten Dank für sein Geschenk und seine schönen Wünsche aus. Und R. Anschel Rood begann mit einem kunstvoll ausgesührtem Triller einen Boruch attoh über das Glas Wein zu sprechen, das er zur Hand genommen hatte. Noch lange betrachteten und bewunderten mich alle in meiner Schönheit, und der Knabe, der ">2 ms», strahlte vor Freude und Stolz. In meinem papiernen Herzen aber klopfte es vor seliger Zufriedenheit, denn ich hatte an diesem Sabbatvormittag ein schönes Lebensziel begonnen, als dar Eigenthum des dreizehnjährigen Moses Rothenburg. ... V. Geehrte Leser! Rur einzelne Punkte aus meinem Leben will ich zeichnen, verzeiht daher, wenn sich mit Riesenschritten ein volles Jahrhundert überspringe, und wieder an dem Tage anfangs, wo ich mein Jubiläum feierte. Es ist im Jahre 1744. Mein erster Besitzer, der mats *u, Moses Rothenburg, ist vor 30 Jahren gestorben, im Alter von mehr als 80 Jahren. Er starb als ein würdiger, allgemein geachteter Mann, der, obgleich Kaufmann, fleißig Thora lernte. Auch bekleidete er die ehrenvollen Aemter eines Vorstehers in einer Gemore-Chewroh und eines Parneß in der Gemeinde, ersteres vierzig, letzteres zehn Jahre lang. Noch als Greis pflegte er öfters mit Vergnügen zu erzählen, daß er eine seltene mormra besaß,, die erste in Amsterdam erschienen. Wenn sich einer seiner Söhne oder Enkel am Sabbat bei ihm überhören ließ, und sie gerade am Traktat Berochoth waren, dann galt es als eine ganz besondere Ehre, wenn der Greis sagte: „Nimm die mar» 12-Gemore aus dem Schrank." Unauslöschlich sind meinem Gedächtniß noch einige Bilder eingeprägt, die sich zwischen 1648 und 1658 zutrugen. Schaaren polnischer Juden kamen flüchtend während des Polnischen Kosacken Aufstandes nach Niederland und besonders nach Amsterdam. Ich weiß noch, wie die polnischen Juden 1658 eine eigene Gemeinde bildeten und sich' eine Synagoge auf Uilen-

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