Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Als Kathi sich einigernraßen beruhigt, besprach er mit ihr die Art der Leichenfeier, und daß er an Bela telegraphiren werde, er möge noch heute Abend abreisen. Sobald der Bruder gekonlmen, müsse er selbst, so leid es ihm sei, sie allein zu lassen, die Heimreise antreten. Kathi sah ihn streng und vorwurfsvoll an. „Ist das Deine vielgerühmte Liebe?" sprach sie kalt. „Wohl, wenn Du es über Dich gewinnst, jetzt in meinem namenlosen Schmerze mich allein zu lassen, so verzichte ich ferner auf jeden Verkehr mit Dir! Geh' zu Deinen Eltern Passah feiern und Mazze essen, erheitere Dich beim Gesang Deiner altjüdischen Psalmen — ich — ich mag ferner keine Gemeinschaft mit Dir haben!" Vergebens suchte ihr Julius klar zu machen, daß er nur den Eltern zu lieb die Reise antrat, daß im jüdischen Familenleben ein Geist lebe, den sie nicht kenne, der die Kinder an den Festtagen zu den Ellern rufe — sie verstand ihn nicht und wollte ihn nicht verstehen, blieb fest dabei: „Wir sind getrennt aus ewig." Dessen ungeachtet blieb Julius der Trauernden, nachdem er die nöthigen Anordnungen getroffen, zur Seite; er hoffte, sie werde einsehen, daß er nicht anders handeln konnte; doch gefehlt. — Ohne Abschied von ihm zu nehmen, ging Kathi gegen Abend zu ihrer im Nebenhause wohnenden Tante, der sie ihr Leid klagte. „Da hast Du den Prüfstein seiner Liebe," sagte die alte Frau, die gelähmt war und deßhalb nicht, wie sie wohl gewünscht hätte, der Nichte hilfreich sein konnte. „Ich habe es ja itnnler gesagt," fuhr sie wehmuthsvoll fort, „Wernau hat kein Herz für Dich! Jud' und Christ — das thut nicht gut zusammen. Gieb ihn auf, jeh eher, desto besser!" Ja, das war leicht gesagt. Nicht nur hing Kathi noch mit allen Fasern ihres Herzens in leidenschaftlicher Liebe an dem jungen Mann, sie mußte ja auch aus Klugheitsgründen zu ihm halten, durfte nicht mit ihm brechen, denn mit dem Tode des Vaters hörte die kleine Pension auf, die sie bis jetzt bezogen. Wovon nun leben? Tief bekümmert verließ Kathi die Tante. — Zu Hause angelangt, setzte sie sich an die Leiche des geliebten Vaters nieder. Sie war allein mit ihrem Schmerz — trostlos verlassen. Schon graute der Morgen, ohne daß sie nur 5 Minuten lang die thränenfeuchten Augen geschlossen hatte. Endlich übermannte sie der Schlaf. Auf dem Wege zum Bahnhof ließ Julius den Wagen vor dem kleinen Häuschen halten, indem er so manche frohe Stunde verlebt. Er wollte Kathi Lebewohl sagen, sie zu beruhigen suchen. Die Dienerin theilte ihm mit, daß das Fräulein die ganze Nacht gewacht, eben erst eingeschlafen sei. So wollte er sie nicht stören und schied von ihr, ohne sie gesprochen zu haben. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 6. November, 1. Kislcw, EHR twn. Sabbat-Anfang in Mainz, 4 Uhr 30 Min. Samstag, 7. November, 2. Kislew, rr6in. Sabbat-Ausgang in Mainz, 5 Uhr Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich aweimal, montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E F. Strinacker, Letpstg, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petilzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufenben. Eine Rüdserrdnng von an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurttckznbehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Niem Neligionsbuch. — Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Rußland: Petersburg. — Personalien. — Vermischtes. — Feuilleton: Chawiwin Jißurin. Eine Erzählung von Jda Barber, Wien. (Fortsetzung.) Inhalt dev Beilage r Feuilleton: Aus den Memoiren einer alten Berochos-Gemore. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Breslau. Königsberg. Memel. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Gerichtszeitung. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.