Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1680 Gesammtbevölkerung. Daraus ist der Schluß zu ziehen, daß die Zahl der einberufenen und einzogeneneu jüdischen Rekruten in dem genannten Gouvernement 19,29 Prozent der Gesammtzahl der Recruten betragen sollte. Nach den officiellen Angaben im „Regierungsboten" hatte die ganze Bevölkerung des Grodnoer Gouvernements im Jahre 1890 die Zahl von 14,504 Recruten zu stellen und stellte sie wirklich; die Juden hatten demnach in demselben Jahre 2798 Recruten zu liefern, was 19,29 Prozent ausmacht. In Wirklichkeit aber wurden 3467 Juden einberufen, das heißt 669 Mann mehr, als nach dem Verhältniß der jüdischen Bevölkerungsziffer gefordert werden sollte. Diese 669 Mann repräsentiren nach der Zählung des Profeffors Bunjakowski, der die Einundzwanzigjährigen unter je 1000 Männern auf 18,95 Prozent schätzt, eine Bevölkerung von über 35,000 Männern, welche thatsächlich im Grodnoer Gouvernement nicht existirt. Genau so verhält es sich im Gouvernement Wolhynien. Rach den in Shitomir veröffentlichen officiellen statistischen Daten belief sich die Gesammtzahl der Personen männlichen Geschlechtes im Jahre 1886 auf 1,121,896, im Jahre 1888 auf 1,168,420, im Jahre 1889 auf 1,188,100 Seelen; die jüdische männlichen Bevölkerung betrug im Jahre 1886: 154,252 oder 13,75 Prozent, im Jahre 1888: 159,723 oder 13,75 Prozent und endlich im Jahre 1889: 162,541, was 13,68 Prozent der ganzen männlichen Bevölkerung ausmacht. Nach diesen, von der Gouvernementsverwaltung Sr. Majestät dem Kaiser allerunterthänigst unterbreiteten Bevölkerungszahlungen sollten von den Juden im Jahre 1890 mtyt mehr als die ihrer Bevölkerungsziffer entsprechenden 13,73 Prozent oder 3372 Mann einberufen werden. In Wirklichkeit aber wurden im Jahre 1890 4281 Juden einberufen, das heißt 909 Mann mehr, was wiederum eine Bevölkerung von 48,000 Menschen repräsentirt, die thatsächlich aber nicht vorhanden ist. Falls man in dieser Weise die von den Gouvernementsverwaltungen gesammelten officiellen statistischen Daten sorgfältig den Eiuberufuugsdaten gegenüberstellt, dann erkennt man den erstaunlichen Widerspruch, der gewiß die allerernsteste Beachtung verdient. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn man von den Inden ein verhältnißnräßig größeres Contingent der Einberufenen fordert, als die wirkliche Bevölkerung derselben liefern kann und darf, die Zahl der sich Stellenden nothwendig eine bedeutende Lücke zeigt. Uebexhanpt muß bemerkt werden, daß hei einer Betrachtung der Erfüllung der Kriegspflichi seitens der Juden sehr prägnant der große Widerspruch zwischen Recht und Pflicht in die Augen springt. Go finden wir z> B. ans dem Monument, das zum Andenken an die bei Plewna am 28. November 1877 gefallenen Grenadiere auf einem der Hauptplätze in Moskau errichtet wurde, unter den Namen der Helden auch die Namen der Juden Moschka Umanski, Abraham Oelbaum und Anderer. Ist es nicht sonderbar, daß, wenn diese Helden den ruhmvollen 28. November, der das Schicksal des ganzen Feldzuges entschied, überlebt tyattcit, sie nicht einmal das Aufenthaltsrecht in der Stadt gehabt hätten, wo jetzt ihre Namen auf einem Siegesdenkmal prangen?! Auf dem Denkmal, das bei Kars zum Andenken an die 60 Militärärzte der kaukasischen Armee, die den Tod bei Erfüllung ihrer heiligen Pflicht fanden, errichtet wird, sind von 60 Aerzten 8 Juden, das heißt über 13 Prozent — und ist es nicht sonderbar, es auszudenken, um wie viel höher dieser Prozentsatz ist als die nachher für jüdische Militärärzte festgestellte Norm von 5 Prozent!" . . . Personalien Frankfurt a. M.» 12. Oheschwan. Leider mutz ich heute die Kunde von den, Hinscheiden der Frau Biena Birnbaum bringen. Nur derjenige, welcher diese ntPN in ihren: Wirkungskreise gekannt hat, weiß, wie groß der Schmerz ist, der uns mm betroffen. Als eine Wohllhätcri-,, im wahren Sinne des Wortes konnte sic es nicht unterlasse,,, an alle Arme und Bedürftige “!Dn rv?’DJ auszuüben. Jh^' Name mar in allen Spendenlisten verzeichnet. S^.cts bewährte sie sich als eine DN. Möge @„6 schlummerte bei '“wr\ Lohn für ihre gritcn Werken finden. rrnHin. Vermischtes. Amsterdam. Kürzlich feierte Herr M. L. von Am.- tWi? seine., 70. Geburtstag. Mehr als 15 Jahre war?r als Secretär der großen Snnagogc, unb lange für d»1e philanthropische Gesellschaft der Israeliten in den Niederlanden thätig. Schmeichelhafte Anerkennungen sei,'.er Verdienste' kamen ihm von allen Seiten zu. Feuilleton. «>->*& Cbaiinivin 3t{juvin. gM* Eine Erzählung i) von Atza Barben Wien. „Julius, mein Julius! So Hab' ich Dich wieder!" rief Weruall, der hinter einer Portiöre die Unterhaltung mit allgehört und bcu Sohn an sein Herz ziehend, hielt er ihn, Mund und Stirne mit Küssen bedeckend, lange tlmfangen. „Wie danke ich Gott," sprach er dann, den Sohn freigebend, „für das Wunder, das er an Dir vollbracht! Wie eilte Erleuchtultg von oben, muß es über Dich gekommen sein, daß Du eingesehen: „Auf dieser Bahn ist kein Glück für Dich!" Glaub' nrir, Söhn, es thut nicht gut, wenn Christen tlnd Jltden sich ehe-