Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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---—----T in III I iii^iiipmu.iiitninj^iiaiijmi. 1678 Bürgertugcnden aus, die n'bnr in unverwelklicher Frische enthält. Für denkende Leser, Lehrer und Erzieher' dürfte diese Anregung zur Prüfung des pädagogischen Werthes unseres rrfr genügen. Für wen das Bisherige nicht genügt, für den würde auch eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes nicht ausreichen. Der Einsichtige hat es längst herausgefunden, daß der tiefe religiöse Fond in Wirklichkeit nicht in den Zahlen, Namen und Abreviaturen des m*> liegt, sondern in dem, was der Lehrer aus ihnen macht, in dem Geiste, den ihm der Lehrer einzuhauchen versteht. Nicht das Buch, die Persönlichkeit des Lehrers entscheidet. Wer den redlichen Willen hat, seine Schüler wirklich religiös zu machen, dem wird es gelingen, selbst mit dem schlechtesten Religionsbuch. Wem dieser Wille fehlt, dem fehlt auch die Fähigkeit zu lehren, und das beste Buch wird sie nicht ersetzen. Daher ist der redliche, eifrige, auf die religiöse Erziehung seiner Schüler unablässig bedachte Lehrer das beste Religionsbuch, das er seinen Schüler bieten kann. — Aber als Leitfaden, zur systematischen Vertheilung und Grnppirung des reichen Lehrstoffs, dürfte der jüdische Kalender dem denkenden Lehrer nach der gegebenen Allleitung wohl nicht ohne jeden Nutzen sein. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. October. Die Abendblätter haben bekanntlich gestern, Montag, ein Neuter'sches Telegramm aus London veröffentlicht, demzufolge der Sultan von Marokko ein Rundschreiben an die auswärtigen Vertreter erlaffen hat, in welchem er sein Bedauern über die Plünderung der Stadt Mzab ausspricht und zugleich mittheilt, daß er Beamte dortbin entsenden werde. Der Sultan erklärte auch seine Bereitwilligkeit, die Entschädigungs-Forderungen der Europäer in vollem Umfange zu erfüllen. Die Stadt Mzab liegt in der Nähe der Hafenstadt Eafablanca und hatte sie fast ausschließlich eine jüdische Bevölkerung, die auf 4000 Seelen geschätzt wurde. Vor einigen Wochen wurde nun die Stadt von den Berbern geplündert, welche die Frauen und Kinder auf dm Märkten als Sklaven feilboten. Die Juden in Casablanca brachten große Geldopfer, um diese Unglücklichen wieder loSzukaufen. Die „Alliance" rief die Hilfe des französischen Gesandten in Tanger an, damit er den Sultan auf diese barbarische Behandlung der Juden aufmerksam mache. Sultan Abdul Aziz bat jetzt das erwähnte Rundschreiben an die Mächte erlassen, in dem er den Juden in Mzab volle Genugthuung verspricht. Berlin, 26. Okt. (Jüdische Mädchenhändler.) Die Wocheneorrespondenz der „Mitteilungen" erhält folgende Zuschrift: Die „Staatsbürgerztg." konnte sich natürlich die neulich durch alle hiesigen Zeitungen gegangene Notiz über die Entdeckung eines jüdischen Mädchenhändlers aus Montevideo nicht entgehen lassen, um an diese Thatsache einen gehässigen Ausfall in einenr „Jüdischer Handel mit Christenmädchen" betitelten Leitartikel gegen das Gesammtjudenthum zu knüpfen. Da ich längere Zeit in Argentinien als Arzt und Kreisphysikus thätig war, fiub mir die einschlägigen Verhältnisse genau bekannt, und ich möchte Nicht unterlassen, Ihnen das Material an die Hand zu geben, um den Angriffen jenes Blattes wenigstens durch einen energischen Protest zu begegnen. Denn in derselben Weise, wie wir und jeder anständige Mensch mit der von der „Staatsbürgerztg." selbst gewählten Bezeichnung der Handlungsweise des fraglichen Mädchenhändters als „bestialisch und schamlos" einverstanden sind, so kann man wiederum das Verhalten dieser Zeitung, die eine ganze Religion für die Verbrechen eines einzelnen oder mehrerer Bekenner derselben verantwortlich macht, wenig milder bezeichnen, weil es mit Nichtachtung der Thatsache geschieht, daß doch alle Völker und Religionsgenofferffchaften, ihre Zuhälter, Kuppler, Mörder, Lumpen und Spitzbuben aufzuweisen hat, ohne daß es einem logisch und gerecht denkenden Menschen einsiele, diesen Auswurf als Repräsentanten der bctr. Nation oder Religion ansehen zu wollen. Ich kann Ihnen nun aus eigener Anschauung und aus bestem Wissen, aus Erfahrungen meiner Thätigkeit als Polizeiarzt, wo mir die Untersuchung der Toleranzhäuser von Amtswegen oblag, mittheilen, daß 1. die in Südamerika in der That zahlreichen jüdischen Besitzer und Versorger der Bordelle in den großen Städten sich durchaus nicht auf den Import christlicher Mädchen beschränken, sondern im Gegenteil mit Vorliebe jüdische Mädchen aus Rußland, Polen und Ungarn entführen; 2. die unzähligen Bordelle auf dem flachen Lande (jedes, auch nur 1000 Einwohner zählende argentinische Städchen hat eins oder mehrere) fast durchweg in den Händen von Italienern sind und auch von solchen mit italienischen, französischen und argentinischen Mädchen versorgt werden. Deshalb sieht in Argentinien Keiner in jedem Italiener einen Mädchenhändter oder findet diesen schmachvollen Handel etwa in dein Volkscharakter oder der Volksmoral der Italiener inr Allgemeinen begründet; 3. man in den genannten, wie auch in den jüdischen Bordels, unter den Tausenden von Prostituirten nur ausnahmsweise eine i i 4 i