Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1676 tausende doch in den Geistern und Gemüthern geschlagen hat. Daß diesen Wurzeln die Kraft innewohnt den Lebensbaum seiner Thora aufs neue erblühen lasten, das wäre die heitere, nicht zu brechende Hoffnung, mit der er sich wieder mit Ruhe niederlegle bis zu dem Tage, an dem die Thora ihr Werk der Erlösung der Lebenden und Wiederbelebung der im Schooße der Erde Schlummernden endlich vollbracht haben wird. An der Hand des mb kann der Lehrer in einem einzigen Jahre sämmtliche 613 rwvn ab) nw nm von nwe bis nron nun zur Sprache bringen und erklären. Was ein Religionsbuch mehr enthielte, wäre zu viel, was es weniger enthielte, zu wenig. Welche Ausbeute für die Bereicherung und Veredlung der Lebensanschauung unserer Jugend, bietet aber gar die Besprechung unserer Fest- und Fasttage, die im nib eine so hervorragende Stelle einnehmen! Da ist der einzige, unvergleichliche Tischri-Monat, der mit dem tief ernsten mtrn twn beginnt, über die Teschuba-Tage zum Tage der Versöhnung, zum Feste unserer Freude in der Festeshütte führt und in die Freude mit unserem Gottesgesetze mm nnw ausklingt! Mit welcher Verehrung und Begeisterung müssen die jungen Herzen für ihr Judenthum erglühen, wenn man ihnen die Heiligkeit und Weihe, die Göttlichkeit und Bedeutsamkeit dieser Momente dadurch nahe legt, daß man sie ihnen mit allem dem vergleicht, was sonst Menschen ähnliches ersonnen und an deren Stelle zu setzen versucht haben. Welch' ein schneidender Gegensatz zwischen unseren rnern ewi und dem bürgerlichen neuen Jahre, zwischen der Erregung, mit der sich unser ansn mro ruts^ aus dem bewegten Herzen ttb.r die zitternden Lippen ringt, und dem lachenden „Prosit Neujahr", von dem die Sylvesternacht wiederhallt! Draußen steht alles unter dem Zeichen des sogenannten „Fortschritts", und wirft, rastlos vorwärts hastend, das alte Jahr geringschätzig unter das Abqethane, hier heißt, Einkehr, „Rückkehr", nanwi, die Parole des Tages, welche der ganzen Zeit an der Schwelle des neuen Jahres Namen und Signatur verleiht. Unser Jom Kippur und die bürgerlichen Buß- und Bettage! Für das Hüttenglück des Sukkothfestes fehlt sogar jede Anologie draußen im Leben. Daß man sein festes, wohlgefügtes Haus für volle sieben Tage verlassen und unter dem Laubdach einer leicht gezimmerten Hütte das Fest unserer Freude feiern könne,' dafür hat die ringende, keuchende Welt draußen so wenig Verständniß, daß sie nicht einmal bislang den Versuch gemacht hat, ein ähnliches Fest zu insceniren. Das bleibt der Menschheit bis am Ende aller Zeiten Vorbehalten, wenn erst ihre quaderfteinene Ruhmesbauten sich als morsch und hinfällig erwiesen haben und alle Völker in der Gottesstadt sich zusammenfinden, um in gemeinsamer Verbrüderung das Hütten-- feft zu feiern. Daß aber selbst die Hütte fallen, dev. Feftstrauß unserer Hand entsinken, daß das Fest der Freude vorübergehen, aber die Freude mit der Thorax uns nimmer entwunden werden könne, daß mm nras» ■ uns bleibt für die Kämpfe und Stürme, die unser in dem nun wieder beginnenden wochentägigen Leben warten, das und noch viel mehr, all das regt mein Religionsbuch an, ohne noch auf den inneren Gehalt und die tiefe Bedeutsamkeit dieser von Gott bestimmten Weihestunden einzugehen. Es sind rein menschliche, keine spezifisch jübi^ schen Momente, an die z. B. unser rutwi twn anknüpft. Er ist der m nicht nur für uns Juden,, er ist es nimvn ^yi nismsn bv, er ist der Gerichtstag, für das ganze Universum. Aber selbst, wo es, wie beim Sukkothfest wirklich Momente aus der jüdischen. Geschichte sind, welche das Fest verewigen will, imme^r und überall reicht der Geist und die Bedeutung der Feste weit über die konfessionelle Schranke hinaus ■ und umfaßt mit seinen Verzweigungen und Ausgestaltungen alles Reinmenschliche. So erweitert der Geist des Festes die jüdische Festeshütte zur Völkerhütte, und selbst der ausschließlich jüdische Opfertempeldienst läßt das Fest nicht ohne sein Opfer für die sämmtlichen Völker vorüber gehen, damit sie im ungestörten Lebensglück ihr Dasein entfalten. v rotes pntw diöik y na». Je intensiver, je jüdischer der Religionsunterricht ist, je mehr es ihm gelingt seine Schüler für ihr Judenthum zu gewinnen, um so geläufiger werden ihnen die Gedanken der Brüderlichkeit und- Gleichheit aller Menschen, um so nachhaltiger werden die Schranken und Scheidewände abgetragen, welche sonst der „confessionelle Religionsunterricht" zwischen den Bekenneru der verschiedenen Religionen aufrichtet, um so sicherer werden unsere Schüler als Kosmopoliten erzogen, wenn wir es erreichen, sie als Juden zu erziehen. Daß aber die Erziehung und Gewinnung für ein edles, freies Weltbürgerthum nicht auf Kosteir der Impulse geschieht, aus welchen die Anhänglichkeit für Vaterland und Staat, für deren Förderer und Leuker erblüht, dafür bietet mein Religionsbuch so vielfache Anregung, daß nran als Beispiel gleich den ersten Tag, den nufer mb nach rutwi »tn markirt, dafür als Beleg herausgreifen kann: das Fasten Gedaljah's nH-o ms. Von der erziehenden, sittigenden Kraft unserer Fasttage soll hier nicht die Rede sein. Ihre Würdigung erforderte ein besonderes Kapitel, dessen Umfang weit über den knappen Rahmen dieser Darstellung hinausgehen würde, so nahe die Versuchung einer Abschweifung nach dieser Seite auch liegt. Denn die oft oberflächliche und meist ungenügende Würdigung gerade unserer Fasttage gehört