Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1896)
- Date
- 1896-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ttttU. Kchrga«z. Jer Asraelit. Ein Hentrat-Hrgan für das orlhodoiee Zudenthum. Begründet von Dr. UTefrnmmt in Mstinz Montag, den 2. Nov embet; 5657 (1896)« Leitender Artikel Alein ReligionsbucH. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Eh rm ann in Baden(Schweiz). X. (Schluß.) Indem wir nun zum eigentlichen Inhalt des ni°? selbst gelangen, darf nach allem bisherigen das Pensum, das sich diese Darstellung gesetzt hat, bereits als erledigt bezeichnet werden. Der aufmerksame Leser, der sich an der Hand der bisherigen Darstellung von dem liefen religiösen Fond überzeugt hat, der den bloß äußeren Zuthaten, Beigaben und Arabesken des nib eigenthümlich ist, hat sich bereits selbst gesagt, welch' unergründlicher, unerschöpflicher Born wahrhaft religiöser Bildung und Belehrung der jüdische Kalender selber repräsentirt. Es ist gewiß keine Hyperbel zu sagen, daß eine Entwickelung, Auseinanderlegung und allgemein faßliche Darstellung dessen, was das mb an Momenten für den Religionsunterricht enthält, ganze Bände füllen würde! Es enthält zunächst die ganze Thora von n’pxm bis nxn nron, und wie enthält es dieselbe! Ihre im Lapidarstyl gefaßten Initialen, mp "n ,xm ^b *]b ,n; ,:tpx“o sind die Melkstäbe und Marksteine in der Flucht der Zeiten! Was den Wochen und Tagen des Jahres, Namen, Charakter und Bedeutung verleiht, das ist die Parthie des Thorawortes, der an ihnen zur Verlesung kommt. Daß nicht die Zeit der Thora ihr Gepräge verleiht, das ist hier auf eine Weise verkörpert, die auf keine andere Art so nachhaltig gelehrt werden kann, als durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie hier dargestellt ist. Ich lehre daher meine Schüler möglichst frühzeitig das jüdische Datum schreiben, nicht nur deßhalb, damit sie später es anzuwenden wisien, sondern besonders darum, damit ihnen diese Wahrheit ganz wie von selbst beigebracht wird; die Wahrheit, daß wir unsere Tage nach den Worten der Thora zählen. Die Zeit ist das flüchtige, schwankende, dahinströmende, die Thora ist das Feste, Absolute, das der Zeit Halt und Bedeutung gibt. Wenn es wahr ist, das derjenige die Thora zerstört, welcher im Vergleich zu ihr die Zeit als das Bedingende, Feststehende anerkennt, und daß dies vielleicht auch eine der zutreffenden Deutungen des vieldeutigen Satzes unserer großen Weisen ist: rnirib ow jnprt bi mim nx ‘vbö m *n, so ist gewiß nicht minder wahr: mm nx cpo m 'in dtij6 min xrnpn bi, daß derjenige die Thora aufrecht erhält, der sie als das einzige Feststehende im Gewoge der Zeiten lehrt. Wem es gelingt seinen Schülern diese Thatsache zur unerschütterlichen Ueberzeugung zu machen, der hat sie nicht nur Religion gelehrt, der hat sie in Wirklichkeit religiös gemacht. Wenn sie längst der Schule entwachsen sind und draußen im Leben über das Sinken des religiösen Sinnes Klage erheben hören, so bringt ihnen noch ein Blick in ihr mb die tröstliche Ueberzeugung, wie, uns selber unbewußt, die Thora, zu der uns Moscheh verpflichtete, doch das unverlierbare Erbe der Gemeinde Jakobs geblieben ist. Wenn Moscheh selber heute unter sein Volk träte, so würde er es wohl kaum verstehen, was es heißt, daß wir heute xii rnvb n nv> schreiben. Wenn wir ihm aber erzählen würden, daß wir die Thora, die er uns von Gott gebracht, in so viel Abschnitte zerlegt haben^ als das Jahr Wochen zählt, und daß wir nach den Initialen jedes Abschnittes mflere Tage und Wochen nennen, dann würde alle Verkennung und kränkende Nichtachtung feiner Thora, auf die der suchende Blick des göttlichen Lehrers so vielfach bei seinem Volke gestoßen, ihn nicht die tiefen Wurzeln verkennen lasten, die seine ansgestreute Gottessaat ini Laufe der Jahr-