Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1896)
- Date
- 1896-10-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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T«r”“ " -iiJ^-r* 1669 weil sie die satzungsgemäß festgelegte Altersgrenze von 45 Jahren überschritten; während manche jüngere Kollegen sich noch zuwartend verhalten, weil die Nachzahlungen erst mit dem 22. Lebensjahre beginnen. Unter Hinweis auf das schöne Wort Hillels mahnte der Vorsitzende die noch außerhalb des Vereins Stehenden, sich demselben avzuschließen, da er ja der Träger und Pfleger der reinsten Humanität sei und sich die vornehmste Vlüthe edler Menschenliebe, d. i. die Unterstützung von Wittwen und Waisen zur Aufgabe gemacht. Seit dem Bestehen des Vereins verlor derselbe durch den Tod 26 Mitglieder. Auch in diesem Jahre ging ein wackere Kollege zur ewigen Ruhe, Lehrer Eschwege in Karbach. Dem Heimgegangenen, unter der kühlen Erde gebeiteten Kollegen weihte die Versammlung ein ehrendes Andenken, indem sie sich von ihren Sitzen erhob. Den materiellen Stand unseres Vereins anlangend, beträgt das Gesammtvermögen rund 36000 M. Der Vorsitzende konstatirte mit Genugthuung, daß das Vermögen trotz der gesteigerten Aus '.oben in den letzteren Jahren sich einer ansehnlichen Mehrung zu erfreuen hatte. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Ausgaben in progressivem Steigen begriffen seien. Sie beliefen sich im Jahre 1885 auf 312 M. und im Jahre 1805 auf 2485 M. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder stieg von 57 tm ersten Vereinsjahre auf 580 im jüngst verfloffenen. Diese Zunahme sei ein erfreulicher Beweis, daß die Sympathien für unser« Verein in immer weitere Kreise gedrungen. Die verhältnißmäßig geringe Zahl sei aber auch dafür ein Beweis, daß hier noch weite Flächen sterilen Bodens der Bebauung harren. Möchten sich doch die Kollegen als treue Pioniere auf diesem Kulturbetriebe bewähren. Die Devise unseres Vereins heiße „Selbsthilfe" und in dieser Richtung müßten sich unsere Bemühungen eoncentriren; denn alle Schritte der Verwaltung zur Versorgung der Relikten und des dienstunfähigen Religionslehrers, wie die Zulaffung zu den staatlichen Lehrerwittwen- und Waisenkassen der Volksschullehrer oder deren Pensionskaffen wurden von k. Staalsininisteriums, resp. der k. Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg abschlägig beschieden. Auch ein Lotterieunternehmen zur Hebung der Vereinskaffe, zu welchem die Verwaltung alle Vorarbeiten erledigt und das durch die wohlwollendste Empfehlung seitens der k. Negierung von Unterfranken unterstützt worden, erhielt die Genehmigung des k. Staatsministeriums nicht. Auf diese zerstörte Hoffnung sei des Dichters Wort anwendbar: „Es fliegen unsere Hoffnungen, die schönen Vögel, Hoch, jedoch, wenn sie am höchsten fliegen, In reinster Himmelslust sich wiegen, Woselbst der Adler-Flug bereits ein Träger, Da kommt die Wirklichkeit, der finstere Jäger Und schießt sie herab." Nachdem der Vorsitzende noch einige interne Angelegenheiten zur Sprache gebracht, schloß er seine Berichterstattung mit den Worten: „So ist denn abermals ein Jahr in den Schoß der Vergangenheit dahin gerollt, dahin mit seinen Leiden und Freuden, mit seinen wenig erfüllten, aber desto mehr unerfüllten Hoffnungen." Wieder seien wir dem Ende des Jahrhunderts um einen Schritt näher gekommen, ob auch näher dem Ziele? Zur Beherzigung diene uns des Psalmisten Wort:! eia frr rr^> sni "pir 'n bv *jbvn „Wirs nur auf Gott, was Dir auferlegt ist. Er wird Dich schon versorgen! Er gibt nie Wanken dem Gerechten." Wegen der gleichzeitigen Tagung mit der XIII. Hauptversammlung des bayr. Lehrervereins, dem die meisten unserer Mitglieder angehören und dessen Programm ein sehr reichhaltiges war, war auf unsrer Tagesordnung nur ein Vortrag vorgesehen, den Vorstand Gold st ein übernommen hatte. Das Thema lautete: „Wtttf* und Borblick!" Einleitend bemerkt der Vortragende, daß gleich dem Wanderer, der eine steile Höhe hinanklimmt und eine Weile rastet, um Rückschau zu halten über die bereits zurückgelegte Strecke, uin oann mit neuem Muthe und frischer Kraft dem Ziele seiner Wanderung zuzusteuern. auch ihm ein kurzer Blick in die Vergangenheit unsres Religionsschulen- und Vereinswesens zu werfen gestattet sei. Die gewonnenen Resultate würden vielleicht im Stande sein, uns einen Stütz- und Hallpunkt in unserem so mühevollen und so reich ausgestattetem Berufe zu geben, den Glauben an den Fortschritt des Guten und Vernünftigen zu beleben, die Kraft im Kampfe, um unsere Ideale zu stählen und den Mull) zu beschwingen. Der Vortragende warf zunächst einen Rückblick auf die Entwicklung des Schulwesens speziell in Bayern. Den ersten Baustein lieferte das Edikt vom 10. Juni 1813. Von dieser Zeit an datiren die Fürsorge der Regierung für den Unterricht der jüdischen Jugend. Vorerst hatte diese die christlichen Volksschule zu besuchen, während für den Religionsunterricht die Eltern Sorge tragen mußten. Dies gab den Anlaß zum Aufblühen des Chederwesens mit allen seinen Ausartungen. Halbjährige Kündigung und das Institut der Wanderlifche, auch Versuchsstalione der Lebensmittel genannt, waren stehende Punkte des Vertrags. Erst durch die allerhöchste Verordnung vom 28. Januar 1828 wurde die Errichtung eigener Neligiontzschulen verfügt. In dieser Verordnung war auch ausgesprochen, daß nur Inländer, die mit Erfolg eine