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Der Israelit · 1896-10-29 · Heft 87 (29.10.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 87 (29.10.1896)
Date
1896-10-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1668 die Mitglieder desselben in Bayerns Hauptstadt versammelt, und zum ersten sei es den Münchener Kollegen vergönnt, dieselben zu begrüben und an ihren Berathungen theilzunehmen. „Seien Sie dessen versichert," fuhr er fort, „wir wisien uns eins, die hohe, heilige Sache unseres Religionsunterrichtes mit aller Opferfreude, mit Einsatz unserer besten Kräfte zu pflegen und zu fördern, die Saat des Gut n und Solen, des Gottesglaubens, der Menschenachtuna, der Glaubenstreue und der Menschenliebe in die Herzen der anvertrauten Jugend zu streuen." Ec wies darauf hin, daß wir im Jubeljahre des bahnbrechenden Pädagogen Pestalozzi tagen, der die Begründung eines tugendhaften Charakters und religiösen Sinnes als höchstes Ziel der Erziehung hinftellt, und der insbesondere Liebe zum Glauben der Väter eingeflößt wisien will. In diesem Sinne und Geiste des großen Schulmannes müsie der Lehrer seines Amtes walten. Er wisie sich serner eins in der Anschauung, daß ein ersprießliches und erfolgreiches Wirken sich nur dann erhoffen laffe, wenn dem Religionslehrer eine seiner Stellung würdige Achtung und Anerkennung in weiten und hohen Kreisen zu Theil werde, und wenn die Schaffensfreude durch die Hoffnung auf seinen Zehrpfennig in den Tagen des Alters und durch das Bewußtsein der Versorgung der Wittweu und Waisen gefördert werde. Zur Ehre des Vereins sei es ausgesprochen, daß derselbe in der verhältnißmäßig kurzen Zeit seines Bestehens schon manche Thräne getrocknet und manche Roth gelindert habe. In dieser Beziehung habe auch die „Achawa" ebenfalls schon Großes gewirkt und geschaff n, er wolle nur aus die Thatsache Hinweisen, daß im jüngstverfloffeuen Jahre an 2800 Mark nach Bayern zur Venheilung gelangten. Er schloß mit den Worten: „Gesegnet sei Euer Kommen und gesegnet Euer Scheiden." (Beifall.) AlSdann rief Vorstand G o l d st e i n-Heidingsfeld der Versammlung seinen Willkommengruß zu. Er dankte zunächst den Herren Vorrednern für ihre freundlichen Worte und der Kultusgemeinde München für deren Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit, mit welcher sie dem Ansuchen der Verwaltung um Ueberlasiung ihres BerathungSlokals zur Abhaltung der Versammlung entsprochen habe und ebenso für die hübsche Ausschmückung desielben. Er verbreitete sich hierauf über den Werth der periodisch wiederkehrenoen Lehreroersaminlungen und wünscht schließlich, daß auch diese Versammlung ein schöner Lichtblick im Lehrerleben bleiben und nach des großen Pädagogen Herders Ausspruch: „Licht, Liebe und Leben" durch sie verbreitet werden möge. Hieran anschließend, erinnerte der Vorsitzende daran, eine Herzenspflicht zu erfüllen. Er betonte, daß zu den Hauptpflichten eines Lehrers auch die zähle, Vaterlandsliebe, Treue und Ehrfurcht zu dem angestammten Herrscherhause und zu dem Träger der Krone in der Kinder zartes und darum empfängliches Herz zu pflanzen. Gerne und freudig erfüllen auch wir die Pflicht, denn wir hätten alle Ursache, mit dem Gefühle unauslöschlicher Liebe und flammender Begeisterung zu dem edlen Sproß an der mächtigen Wittelsbacher Eiche empor zu schauen. In der gegenwärtigen Zeitströmung, wo die Hydra des Glaubens und Rassenhasses in so vielen Staaten Europas kühn ihr Haupt erhebt und die traurigen und finsteren Zeilen des Mitttlalters heraufbeschwören möchte, da sei es doppelt wohlthuend, daß in unserem geliebten Bayernlande, unter der wohlwollenden Regierung unseres erhabenen Prinzregenten, dessen Valerherz alle seine Unterthanen ohne Rücksicht auf deren Glaubenszugehörigkeit mit gleicher Liebe umfaßt und unter dessen gerechten und unparteiischen Beamtenstande jene Giftpflanze keinen Nährboden finden könnte. Die Versammlung gab hierauf den Gefühlen aufrichtigsterDankbarkeit, unwandelbarer Treue, ehrfurchtsvoller Liebe lauten Ausdruck und brachte unseren: geliebten Prinzregenten begeistert ein dreifaches Hoch aus. Der Vorsitzende entrollte hierauf ein kurzes Bild des Vereins, von dem, was die Verwaltung im verflossenen Vereinsjahre gewirkt und angestrebt. Man dürfe vor allem nicht außer Augenmerk lasten, daß der Thätigkeit der jüdischen Lehrer, die ans Hebung und Besserung des Religionslehrerstandes durch den Staat abzielt, sebr enge Grenzen gezogen seien. Wir rnüßten leroer bekennen, daß unter allen Kategorien des Lehrerstandes, mögen sie heißen, wie sie wollen, der der israelitischen Religionslehrer sich auf der untersten Stufe der Anerkennung und Werthschätzung befände und sich der geringsten Fürsorge von Staatswegen zu erfreuen habe. Die Kollegen werden deßhalb das Maß ihrer Anforderungen nicht zu hoch schrauben. Uebrigens könne die Verwaltung ruhig die Versicherung abgeben, daß sie zur Wohlfahrt und Kräftigung des Vereins beigetragen habe, so weit es das bescheidene Maß ihrer Kräfte ermöglichte, wobei ihr jedoch die Thatsache der Erk nnntniß vorschwebe, daß alles menschliche Können und Schaffen den Stempel der Unvollkommenheit an sich trage. Die Vorstandschast könne heute mit dem Bewußtsein redlich gethaner Pflicht das Mandat wieder zurückgeben, womit das Vertrauen der Mitglieder sie bisher beehrt hat. Unser am 6. October 1870 zn Würzburg von 40 Lehrern gegründeter Verein zähle heute 150 Mitglieder. Es sei dies weitaus die Mehrzahl der in Bayern angestelllen Lehrer, wobei in Betracht zu ziehen sei, daß manche Kollegen, die sich anfangs ablehnend verhielten, jetzt nicht mehr beitreten können,

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