Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1896)
- Date
- 1896-10-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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1656 Hof in einer älteren Entscheidung auch einem Unterstützungsverein für Hochschüler den Charakter des Wohlthätigkeitszweckes zugesprochen habe, dann sei dies in ungleich höherem Maße der Fall bei einer Stiftung, durch die ein armes, verwaistes Mädchen fürs ganze Leben versorgt werden soll, um nämlich Gattin zu werden, einen Ernährer zu erhalten und die im Staate allein rechtliche Grundlage für eine Familie zu erlangen. Wenn der Zweck einer solchen Stiftung nicht wohlthätig und human sei. dann käme man mit der Bedeutung dieser beiden Eigenschaftswörter in eclanten Widerspruch. Der Beschwerde wurde stattgegeben und die Entscheidung des Finanzministeriums als ungesetzlich aufgehoben. England. Edinburgh. Die hiesige Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten: Ihr hochgeschütztes Mitglied Jacob Michael starb plötzlich am vergangenen Mittwoch im 61. Jahre. In Herzigtorn in Posen geboren, kam er vor mehr als 40 Jahren hieher. Jahrelang war er der einzige „Mohel" in Edinburgh; er ließ sich für diese Thätigkeit nicht bezahlen, ja er reiste in ganz Schottland auf eigene Kosten umher, wenn es galt, in armen Familien Beschneidungen vorznnehmen. Er war lange Präsident der Edinburgher Cultusgemeinde unb war einer der Gründer der Park Place Synagoge. Streng orthodox, war er wegen seiner Ehrenhaftigkeit unb seltenen Wohlthätigfeit bei Jedermann beliebt. Unter den Leidtragenden, die ihm die letzte Ehre erwiesen, befanden sich viele Christen. Dr. Fürst hielt eine ergreifende Trauerrede. vermischtes. Wien. (T h ut nichts, d erInde wird verbrann t.) Ein christlicher Sessclflechter wurde wegen fürchterlicher Sättichkeitsoerbrechen zu fünf Jahren schweren Kerkers verurtheilt. 26«° trägt nun ]d)uIi> daran, daß Derartiges in Wien Vorkommen kann? Das hier erscheinende „Deutsche Volksblatt" weis; in seiner Nummer vom 14. Oktober die Antwort zu geben. Cs ist natürlich „die total verjndete Presse." „Es giebt nur a Kaiserstadt." London- Hier soll ein ständiges jüdisches Theater ins Leben gerufen werden, nach dem Muster der in New 21ork bereits bestehenden. In der großen amerikanischen Metropole ereslieren nicht weniger als drei solcher großen Theater, deren jedes mehr als 100,000 Mk. an Miethe pro Jahr zahlt. Der Unternehmer ist ein Herr Sigmund Fincinan, selbst ein Schauspieler von großer Begabung, der eine ziemlich gute Truppe zusannnen gestellt hat. Die Aufführnrigen sinden zunächst in einem gemictheten Saale statt, doch beabsichtigt Herr Fineman ein eigenes Theater zu errichten. Die Stücke werden im Littaner Jargon vorgeträgeu und das Repertoir erstreckt sich von den klassischen Stücken Shakcspaers und Schillers bis ju den modernsten Operetten. Feuilleton. (Lhcnviwin Jißurin K- Eine Erzählung 3) von Mn Bnrbrr, Wien. „Ich sie kennen lernen? Bist Du von Sinnen?" ries Wernau. „Wagst Dil es daralt zu bcnfcti, daß wir ein solch' ehrvergessenes Geschöpf, das unter freiem Himmel mit Dir hernmliebelt, in unsere achtbare Familie aufnehmen werden? Ganz abgesehen davon, daß sie eine Christin ist nnb " „Gleichviel, ob Christ, ob Jnd'," unterbrach der junge Mann, „wir sind alle Gottes Kinder!" „Schöne Grundsätze das," sagte Wernau deil Sohn stirnrunzelud von Kopf zit Fuß anblickend. „So lang Dn bist, so unverständig, ja kindisch bist Du! Zeige mir eine Ehe, in der Christen und Inden vereint leben, die das rechte Familienglück gefunden? Es bringt einmal kein Segen solch' eilte Mischehe unb ich wäre der Letzte, merke lvob! ans, der bereit wäre, je meine Einwilligung dazll zu geben, daß meine Kinder — und winkten ihnen goldene Berge — eine solche Mischehe mit Christen eingingen!" Der junge Mann, wohl sehend, daß mit dem Vater hier wenig ailszurichten war, bat ihn wiederholt, lilit ihnl ill die Stadt zll kommell. Sie gingell nach Station Krapsemvaldl hinüber. 'Bon Kathi keilte Splir. Sie mußte also lvohl mit dem Inge, der zuvor abgegangen, ill die Stadt gefahren sein. Schweigend, voll verschiedenen Gedanken bewegt, traten die beiden Männer die Rückfahrt an. „Willst Du mich in lueiner Wohnung besllchen?" fragte Julius, als sie an der Rnßdorfer Linie ange langt waren. „Wellil Du das Bild jenes Mädchens ans Deinem Zimmer entfernt haben wirst," erwiederte Werllan, „nicht früher." „So werde ich ans das Vergnügen Dich bei mir zu sehen, verzichten müssen," sagte der junge Mann kurz. „Und ich auf das Vergnügen, Dir monatlich loo Gnldeil für vermeintliche Studienzwecke zil senden!" erwiederte der Vater. Der junge Mann zuckte zilsammen. Diese Worte schienet! ihn wie ein Kenlcnschlag zu treffen. Er kannte den Vater und wußte, daß in Geldsachen mit ihm nicht zu spafsen war. Dennoch vermochteier es nicht über sich zu gewinnen, ein versöhnelldes Wort all ihn zu richten. „Neberlege Dir die Angelegenheit bis morgen früh," sagte Wernau, als sie den Wagen verließen. „Ich wohne Hotel Metropole. Verzeihe Dir Gott die Sünde, die Du begehst, indem Du —"