Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1896)
- Date
- 1896-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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man verbrannte, ist die erste und schützendstc Säule des praktisch rabbinischen Judenthums geworden, und wer auch nur oberflächliche Kunde seiner Schriften hat, weiß, mit welcher Entschiedenheit, mit welchem Ernst, welcher Begeisterung er eben dem verschrieenen Eeremonialwesen in seinem Iad Ehasaka das Wort redet. Der einseitigen, nicht im Judenthum wurzelnden, flachen Spekulation waren die Nabbinen feind, feind einem Streben, das mit vermessenem Dünkel nur die Offenbarung Gottes in der Natur und Geschichte als Basis der Spekulation hinmmmt, darauf das Gebäude der Erkenntniß absolut aufbaut und mit dem dort allein gewonnenen Maße der Erkenntniß das Judenthum kritisireud mißt und verstümmelt. Da hat sich von jeher der Hochmut erzeugt, der mit Kuabenhäilden das GotteSheiligthum stürmen zu können ivähnt. Wo ober die Offeuborung Gottes im jüdischen Gotteswort als gleichwahrhaftiges Factum zu der Offenbarung in der Statur ebenbürtig sich gesellte, wo auf judenthümtichem Boden die Spekulation sich erhob, wo die Gottesfurcht nicht das in Frage gestellte Ergebnis;, sondern die Basis der Erkenntnis; bildete, da begrüßten die Rabbiuen sie stets freudig und auf dieser breiten, gesicherten Basis waren sie jeder Erleuchtung, jeder Geistesentwickelung hold. lind die Rabbinerversammlungeu? So kann der Herr Doctor dieselben im Geiste nicht segnen, wie wir ihrer tag lich und stündlich segnend gedenken. Wie kein anderes Ereignis sonst, haben sic der Generation die Augen geöffnet, haben gezeigt, welche Hohlheit, welche Ohnmacht, welche Bodenlosigkcit diesem ganzen Strebe;; innewohne, und wie die am allerersten jedes Prinzips entbehren, deren erstes und letztes Wort prunkend „Prinzipien" lautet. Regnen, leugnen, spötteln, das konnte man leichten Kaufs zu Hause, aber wo es galt, offen nun an die Stelle des vermeintlich niedergerissenen Heiligthnms ein anderes zu erbauen, da war die Ratlyasigteit so groß, daß die Bersannnlung jede Frage nach Prinzipien verpönte. Ein solches Glaubensbekenntnis aber, oder vielmehr ein solches Bekenntnis des Unglaubens schützt den Herrn Doctor in Zukunft besser als jede Anonymität. sticht w i r sind die Richter, nicht unsere „kleine Heerde" das Forum, vor dem er sich zu vertheidigeu bat. ES giebt einen Richter jenseits, vor dem wir Alle einst uns zu verantworten haben, wie wir mit unfern Gaben gehaust, wie wir vor Allem unsere Stellung zum Heile oder 1!;rsegen unserer Brüder benutzt oder mißbraucht. Und auch auf Erden erscheint noch die Zeit, wo die Enkel bejammernd den Stab brechen werden über einen Leichtsinn, dem eine solche Richtung die Altäre gebaut. Das aber geliehen wir offen- Würde u n s die Bibel das sein, was sie den; Herrn Doctor ist, wir würden es als ein Bei brechen, als eine Versündigung an der uns anvertrauten Jugend betrachten, ihr die Bibel in die Hände zu geben, und zugleich die Kunstgriffe zu lehren, mit denen man, dein ausgesprochenen Gottesworte gegenüber, das Gewissen abfindet und beschwichtigt. Wir würden zittern vor dem Verrathe, den nur an den zarten Kinderhcrzcn begingen, würden das Sittengesetz rein nur aus der Ahnung der menschlichen Brust entwickeln -- die Bibel aber unter den Autiguitätcu verschollener Zeiten vermodern lassen. Mit den; Anonymus waren wir fertig. Mit dem Herrn Dr. Heß sind wir fertig. Wir haben ja diese ganze öffentliche Diskussion nicht angeregt: friedlich gedachten wir die zur Entwicklung unseres religiösen Glaubens erforderlichen Institutionen zn gründen und zu vollenden. Und wahrlich, friedlich hätte man uns unfern Weg gehen lassen können Wir haben die auf anderem Wege ihr Heil suchenden Brüder nie angegriffen und werden sie nie angreifen. Wir sind überzeugt, bas bessere, wahrere Theil ergriffen zu haben, — wir gestehen, provocirt, es offen, wir sind von der Ueberzeugung allerdings durchdrungen, unser Judenthum als das allein wirkliche Judenthum verehren zu dürfen — und wehe dem Juden, der selbst an der Wahrheit seines Judenthums uoch zweifelte, uud doch nicht stark genug wäre, das bessere, wahrere zu ergreifen — wir sind überzeugt, mit unserm Streben nicht nur unser Heil, sondern auch das Heil der einst zum Bessern erwachenden Enkel der uns jetzt entgegenstehenden Brüder zu begründen. Aber nimmer haben wir und nimmer werden wir diese Ueberzeugung Anderen aufdrängen, haben um dieser unserer Ueberzeugung willen Andere nie angefeindrt und werden sic nie anfeinden, wir erwarten den Sieg unserer Sache von der still und uni so sicherer siegenden Kraft der lebendigen Wahrheit, und haben mit keinen Wort die Angriffe des Herrn Doctor provocirt. Daß wir unsere Unterrichtsanstalt angekündigt, und offen und frei die Prinzipien dargelegt, auf die mir sie gegründet, wer hätte das anders erwartet? Und wer hätte auch erwartet, daß dieselben dem Herrn Dr. Heß, den; — wie er von sich rühmt — eigentlichen Schöpfer der Richtung, die wir beklagen, dem eigentlichen Urheber des Riffes, der in unserer Gemeinde klaffet, wer hätte erwartet, daß sie ihm und seinen Ansichten gefallen? Er selbst gewiß am allerwenigsten! Und wahrlich, nicht, daß unsere Anstalt der Pflege des einzig-historisch-wirklichen Judenthums, wie unsere und seine Pater es gekannt, gewidmet ist. nicht das bringt ihn in Harnisch, sondern, daß wir mit gleicher, entschieden ernster Sorgfalt auch die allgemein sociale wissenschaftliche Bildung der Jugend versorgen, das bringt ihr auf, das gefährdet das Monopol. daS er mit ins G>ab zu nehmen gedachte, wenn auch nicht im Besitze des allein wahrhaften Judenthums, doch der alleinige Pfleger der humanen Bildung im hiesigen Kreise gewesen zu sein. Hätten wir unsere Anstalt einem rabbinischen Judcnthum geweiht, wie der Herr Doctor in seiner Unkenntniß es sich einzig möglich denkt, und eme solche Schule gegründet, „in welcher jedes deutsche Wort verpönt gewesen wäre," vergnügt hätte er sich die Hände gerieben und uns still unseres Weges ziehen lassen Aber daß wir zu der Erleuchtung unserer großen rabbinisch-talmudischen Ahnen znrückgetehrt, in nachstrebender Hingebung uns die ihm im „ersten Worte der Verständigung" genannten geistigen Heroen unseres Volkes zum Muster genommen, das macht ihn für den wirkliche;; Sieg seines langjährigen Strebens zittern, und eben sein Zittern bürgt uns dafür, das Rechie getroffen zu haben. Mit dem Herrn Dr Heß sind wir fertig. Wenn etwas noch die Begeisterung „der kleinen Heerde," wie der Herr Doc or uns nennt, für ihr begonnenes Werk hätte steigern tonnen, nichts war so geeignet dazu, als die letzten Worte des Herrn Dr. H e ß. Wir sehen den Abgrund, aus dem es galt, unsere Kinder uud Kiudeskinder zu ritten, uud daukeu Gott dafür, daß er so weit geholfen. Frankfurt a. M., 1V). April 18.r>3. (gez.) Rabbiner H i; sch.