Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 86 (26.10.1896)
- Date
- 1896-10-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1645 Betriebes auf eigenem Grund und Bodsn erhalten, um dann, nachdem sie zur Selbstständigkeit gelangt sind, anderen Tagelöhnern Platz zu machen. Derartige Arbeiter-Kolonien sind gegenwärtig zwei im Entstehen: „Esra" bei Nechoboth und „Kastinjeh" in Süd-Judäa. Für erstere hat unser Verein 8000 M., für letztere 6208,50 M. geleistet; außerdem für die Gartenbau-Kolonie „Moza" (Kulonje) in der Nähe von Jerusalem 500 Mk. und für einen Kolonisten 250 Mark. Somit haben die Gesammtleistungen unseres Vereins während der Berichtsjahre die Summe von 14,980,50 M. erreicht, wozu neuerdings eine Bewilligung von 6500 M. für die Kolonie „Mischmar Hajarden" hinzukoinmt. Die Jnstallirung des erstgenannten Dorfes „Kastinjeh" wird begreifliche:weife noch sehr bedeutende Betrüge erfordern, und schon deßhalb allein niüssen wir nachdrücklichst bemüht sein, an die Hochherzigkeit unserer Freunde und Gönner zu appelliren, daß sie nicht nur selbst uns treu bleiben, sondern zu der Beschaffung neuer Mittel milhelfen. Die lebhafte Antheilnahme unserer Mitglieder bestärkt uns in der Zuversicht, daß sie allefammt nach Kräften Mitwirken werden, das so verheißungsvoll Begonnene zu immer kräftigerem Gedeihen zu bringen und so das bisher Erreichte zu vollem Gelingen auszugestallten. Es ist Großes erreicht worden! Die vor kaum länger als eineinhalb Jahrzehnten unternornmenen tastenden Versuche haben trotz der zunächst unzureichenden Mittel, welche zu Gebote standen, trotz rnancherlei Widerwärtigkeiten und Hindernissen das kühnste Hoffen weit übertroffen. Eine jüdische Bevölkerung von nahezu 7000 Seelen widmet sich auf einem Terrain von ca. 60,000 Morgen in rühriger, von Erfolg gesegneter Thätigkeit den verschiedenen Zweigen der Landwirthschaft, neben dem Bau von Weizen und Gerste, der Kultur von Wein, von Mandel-, Obst-, Maulbeer- und Ethrogbäumen, und kein einziger Versuch ist fehlgeschlagen, auf allen Gebieten erblüht dem Ackersteiße reicher Ertrag. Ja, unsere wackeren Brüder, welche auf dem geheiligten Boden Palästinas die Egge führen und die Pstugschaar, die Sense und das Winzermesser, sie haben jene gerade in unseren Tagen mit geschäftiger Dreistigkeit ausgebeutete Lügenanklage zu Schanden gemacht, daß unserem Stamme die Neigung und die Eignung zunt Ackerbau und Landwirthschaft fehle; ihre glänzenden Erfolge haben für jeden gerecht und unbefangen Urtheilenden untrüglich dargethan, daß Palästina das für Colonisationszwecke weitaus geeignetste Land ist. Aber so bedeutsam die bisherigen Errungenschaften sind, bedarf es fortgesetzt opferwilliger, energischer Arbeit, um das Große zu vollenden. Soll der „Esra" an seinem Theile daran milzuhelfen vermögen, wie er bisher so hervorragend daran mitgeholfen hat, dann muß er in den Stand gesetzt werden, seine Leistungskcaft zu steigern, und hierfür erbitten wir die kräftige Mitwirkung aller Freunde und Förderer unserer Bestrebungen. Aus Baden. Herr Neligionslehrer E. Eichst etter in Eppingen bat dem Großh. Oberrath der Israeliten ein vom Einsender verfaßtes Familienbuch der israel. Gemeinde Eppingen zur Ansicht übersandt. Dem Verfasser wurde von der genannten Neligionsbehörde für diese sehr dankenswörthe Arbeit die Anerkennung ausgesprochen. Dem Familienbuch geht eine Einleitung voraus, welche eine Darstellung der Geschichte des israel. Bevölkerungstheils der Stadt Eppingen, sowie der Einrichtungen der dortigen israel. Gemeinde enthält. Diese Einleitung gibt Aufschluß über die Zeit der ersten Niederlaffung von Israeliten in Eppingen und über ihre rechtliche Stellung im Lause der letzten Jahrhunderte, wobei wichtige Urkunden im Wortlaute mitgetheilt sind, sodann über die Entwickelung der isr. Einwohnerschaft seit der bürgerlichen Gleichberechtigung, sowie über ihre Theilnahme an öffentlichen Ehrenämtern und gemeinnützigen Institutionen (Feuerwehr, Vereine u. dgl.), ferner über die Art ihrer Schulbildung und ihres Gewerbebetriebes (Kaufleute, Handwerker, Handelsleute) und zählt die hervorragenden Personen (Rabbiner, Lehrer, Beamte u. s. w.) aust welche aus der isr. Gemeinde hervorgegangen sind. Hierauf folgt eine Geschichte der früheren und der jetzigen Synagoge unter Verzeichnung bemerkenswerther Inschriften auf Thorarollen, Wimpeln u. dgl., sowie der Spender von Thoravorhängen und sonstigen kostbaren Einrichtungsgegenständen. Weitere Abschnitte enthalten ausführliche Angaben über Schule und Lehrer, Rabbinat, Friedhof (Geschichte, örtliche Vorschriften, wichtigere Grab-Inschriften) isr. Vereine und Stiftungen, über die Größe der Gemeinde nach Familien und Köpfen, über die in derselben vorkommenden Namen und schließlich über die isr. Restaurationen. Das eigentliche Familienbuch geht, bis auf den Beginn dieses Jahrhunderts zurück und gibt von da ab für jede vorhanden gewesene bezw. noch vorhandene Familie auf besonderem Blatt in zweckmäßig vorgedruckten Rubriken an: Namen des Hausvaters und der Hausmutter, Zeit und Ort ihrer Geburt, Zeit und Ort ihrer Verehelichung, Tod der Kinder. Außerdem ist noch eine Spalte für Bemerkungen vorgesehen. Der Verfasser hat dabei in erster Reihe, die bei dem evangel. Pfarramt aufbewahrten und von diesem bereitwillig zur Verfügung gestellten Standesbücher der isr. Gemeinde benützt. Wo es sich um ältere Daten handelte, leisteten die Angaben auf Wimpeln und Grabsteinen, sowie die Aufzeichnungen auf Mohelbüchern und Druckwerken gute Dienste.