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Der Israelit · 1896-10-26 · Heft 86 (26.10.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 86 (26.10.1896)
Date
1896-10-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1646 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Holleschau, 18. Okt. Von Herrn Cultusvorsteher Carl Beer erhalten wir folgende Zuschrift: In Ihrem geschätzten Blatte brachten Sie eine Notiz aus Holleschau vom 1. Oktober, welche Ihnen angeblich vom Cultus-Vorstande*) zugesandt wurde. Bevor ich in die einzelnen Details dieser Notiz weiter eingehe, erkläre ich, daß ich an diesem Tage nicht vom Hause abwesend war und daß daher statutenmäßig der Einsender nicht berechtigt war im Namen des Cultus-Vorstandes etwas zu veröffentlichen und kann ich wohl sagen, daß dieser unbefugte Eingriff in die Rech e des Vorstandes gewiß mehr Aufsehen bei uns erregt hat, als die kurze harnilose Notiz über das Leichenbegängniß 3in R. Emmerich Weiß aus Leipnik. Uebcr die Qualität des in Rede stehenden j)"nx£n 31H IVLmDpJNlD in n"iD will ich mit den: Einsender durchaus nicht streiten, da er doch ohnedies selbst nicht im Ernste daran denkt, daß sein Urtheil in conservativen Kreisen maßgebend sei, — es dürfte Ihren geehrten Leserkreis jedoch gewiß mehr interessiren, zu hören, daß unsere IN.l sein immenses talmudisches Wissen vollinhaltlich anerkennen, ich citive jedoch nur den einen weltbekannten nnstr 'JH pwn »"3 raDJTiD"! T3N DJ13; dieser schreibt ihm — 317! 'TT DDTSDm 'Dl 3* in Ginn G'G3G niJDBm J'MNCn nmoi DltfD NHO 13 ,1V in G3G Nion ,iTNl ->'1L U’N D’DG, überdies stehen dem Manne die besten mm n«TH von anerkannten Koryphäen des Judenthmns u. z. vom 1D1D 3m und?"s? p"3 GMG '1 V3N in Deutschkreuz zur Verfügung. Wenn der Einsender jedoch schreibt, daß Herr Frankfurter niemals die Befugniß hier hatte, sich den Titel eines Rabbinats-Assessors beizulegen, so ist diese Behauptung vollkommen aus der Luft gegriffen und an: Besten dadurch charakterisiert, daß Herr Frankfurter einige Zuschriften in Händen hat, worauf der Einsender als Mitglied des früheren Vorstandes mitgefertigt ist, worin Herr Frankfurter als Rabbinats-Verweser und Rabbinats-Assessor tituliert wird — Thatsache ist, daß Herr Frankfurter circa drei Jahre als Rabbinats-Verweser und Lehrer in unserer Gemeinde angestellt war, allsabbatlich öffentliche Vorträge hielt und überhaupt alle rabbinischen Function versah, bis aus Trauungen und Matrikenwesen, die ihm als Ausländer nicht anvertraut werden durften; seit der Besetzung unseres Rabbinates war er weiter circa drei Jahre als Rabbinats-Afsessor, Lehrer :c. thätig, mußte jedoch, da er sich die oestr. Staatsbürgerschaft nicht verschaffen konnte, auf Anordnung der Behörde am 1. Juli l. I. seines Amtes enthoben werden, was ich und alle meine Gesinnungsgenossen lebhaft bedauere. In Würdigung seiner eifrigen Amtsthätigkeit erhielt Herr F. von der Gemeinde eine Abfertigung von sl. 1000. — *) Anmerkung des Corrcctors: Am Kopfe des am 1. Oktober eingesandten Manuscriptes sind wie bei dem gegenwärtigen die Worte: „Vom Vorstände der isr. Cultusgemeinde Holleschau," vorgedruckt. Außerdem hatten zwei Herren als Mitglieder unterzeichnet. Somit konnte die Redaction mit gutem Glauben annehmen, daß die Mittheilung eine „ofsicielle" Kundgebung des Cultusvorstandcs ist. (Vs) Budapest, 19. Oktober. Da der „Israelit" auch in Ungarn stark verbreitet ist, so erlaube ich mir in diesem Organe die Rabbiner unseres Landes auf folgenden Uebelstand aufmerksam zu machen. Die Nachkommen Aron's und auch die Leviten besitzen bekanntlich weder einen Stammbaum noch sonst ein genealogisches Zeugniß. Ihr heiliger, ehrwürdiger und beinahe schon viertausend Jahre alter Beinamen ersetzt ihnen Beides. Nun mehren sich in der letzten Zeit in Ungarn die Fälle, daß Israeliten, die den Beinamen Kohn oder Levi führen, sich, der Strömung der Zeit folgend, magyarisiren und einen echt magyarischen Namen annehmen. Sie nennen sich dann stolz: Aladar, Luttacs, Benkö, Gyöngrzessi, Kalay, Latacs, Posonyi, Böcsben rc. Die Behörden bestätigen daun auf mit einem 50 Kreuzerstempel belegtes Gesuch dieser Namensänderung. Man braucht wahrhaftig kein Pessimist zu sein, um einzusehen, daß, wenn diese Namensänderungen unter den Israeliten Ungarns fortdauern, es schon nach einen: Vierteljahrhundert in unserem Lande keine Kohanim und keine Leviten mehr geben wird und werden daher die Dirn mm (Priestersegen) und der pn pns (Auslösung des Erstgeborenen) aus unserem Ritus gänzlich abgeschafft werden müffen. Auch der ehrwürdige Gebrauch, einen Kohen und einen Levi zur Thora zu rufen, wird dann abkomrnsn. Wenn es schon an und für sich traurig ist, daß sich in einer Zeit, wo sich der katholische Erzbischof von Olmütz stolz Kohn nennt, die jüdischen Nachkommen Aron's sich dieses altehrwürdigen Namens schämen und ihn dafür mit einem magyarischen vertauschen, so ist es noch trauriger, wenn auch unsere Rabbiner dieser Namensmagyasirung ganz gleichgiltig gegenüberstehen und derselben gar nicht Einhalt zu thun suchen, aus Furcht, ihr magyarischer Patriotismus könnte dadurch bezweifelt werden. vermischtes. Berlin. (Ein antisemitischer Nedacteur). Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Münster in Westfalen: Die Strafkammer des dortigen Landgerichtes verurtheilte den Schriftsteller und Nedacteur F. Kayser wegen Sittlichkeits-Verbrechen in sieben Fällen, begangen mit fünf- bis siebenjährigen Kindern, zu zweijährigem Gefängnisse. Kayser war der Begründer und langjährige Redaeteur der inzwischen eingegangencn antisemitischen „Westfälischen Reform" in Dortmund. Später gab er in Münster ein noch rabiateres antisemitisches Blatt: „Die deutschen 'Worte", heraus. Burgkundstadt, 22. Okt. Bei der heute stattgefundenen Wa^ l wurde Herr Dr. Goitein, seither in Marienbad, als Distr.-Rabbiner gewählt. Letzte Nachrichten. Berlin, 23. October. (Die Bestattung des Justizrath Meyer Levy.) Lange vorder festgesetzten Zeit bedeckte eine schier unabsehbare Reihe von Gefährten die Weißenseer Chauffee, die zum jüdischen Friedhof führt. Die Pferdebahnen konnten nur einen kleinen Theil derjenigen fassen, welche theilS aus Neugierde den Beisetzungsfeierlichkeiten beiwohnen.

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