Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 86 (26.10.1896)
- Date
- 1896-10-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1642 Schöne Achtbarkeit das!" rief er unwillig, „sich mit solch' einem jungen Burschen einlassen, der noch keine Idee hat, wie er einen Gulden verdienen kann!" Kathi, todtenbleich, hatte sich abgewendet und war den Weg nach dem Krapfenwaldl zurückgegangen. Julius that, als sähe er es nicht; er suchte den Vater, der hochgradig aufgeregt war, zuerst zu beruhigen und hoffte dann dahin zu wirken, daß er Kathi kennen lerne unb sich bei ihr ob der gefallenen Worte entschuldige. — Jndeß alle Bemühungen, den Vater versöhnlich zu stimmen, scheiterten an dessen Unmuth, daß der Sohn den Eltern, um leerer Liebelei nachzugehen, die Festesfreude verdorben und ihre Einladung, an den Feiertagen bei ihnen zu sein, nicht beachtet. „Ist Dir die Dirne mehr werth, als Deine Eltern?" fragte er ergrimmt. „Hast Du so wenig religiöses Gefühl, daß Dil nicht einmal den einen Tag im Jahr im Kreise der Deinigen Dich frommen Betrachtungen hingeben kannst?" „Vor Allem, Vater," erwiederte Julius, „das Mädchen ist keine Dirne! Sie ist die Schwester eines Studien-Collegen; wir lieben einander und —" „Schöne Liebe das!" unterbrach höhnisch der Vater; „glaubst Du, daß Du je unsere Einwilligung zu einer Vereinigung mit einer Nichtjüdin erhalten wirst? Wie kannst Du junger Bursche überhaupt von Liebe sprechen? Die Liebe zu Deinen Eltern, zu Deiner angestammten Religion, ist Dir abhanden gekommen; alles Andere ist Sinnenrausch Deinerseits, Berechnung ihrerseits und was die Hauptsache ist, Du wirst Deinen Studien durch solche Liebeleien entfremdet, wirst nie eine rechte Carriere machen und ein Stümper bleiben!" Wernau hatte sich derart in die Erregung hineingeredet, daß er dunkelroth aussah und dicke Schweißtropfen auf seiner Stirne standen. Leute, die des Weges kamen, sahen ihn erstaunt an. „Laß uns nach Hause fahren, Vater," bat Julius; „Tante Sofie wird bös sein, daß Du sie nicht besuchst!" „Was geht mich Tante Sofie an," sagte Wernau unwirsch; „ich bin hergekommen, ltm Dir den Kopf zurechtzusetzen, llicht llm —" „Aber Vater, ich bin kein Kind!" unterbrach Julius; habe ich gefehlt, indem ich au den Feiertagen dem Elternhause fern blieb, so —" „Das wäre noch das Wenigste," schnitt ihm Wernau das Wort ab; „aber was ich hier gesehen, empört mein Innerstes! Du bist es gar nicht werth, noch als Sohn von uns behandelt zu werden," fuhr er in steigender Erregung fort. „Zeit, Geld und Gesundheit an solch' ern Frauenzimmer verschwenden, das —" „Vater, wenn Du schlecht von dem Mädchen sprichst," unterbrach der junge Mann, „so gehen unsere Wege auseinander; ich kann es nicht hören, daß -" „Verlangst Du etwa, daß ich dem lüderlichcn Frauenzimmer, das ich hier auf dem Rasen mit Dir gefunden, meine Hochachtung darbringe?" höhnte der Vater. „Das nicht, aber lerne sie kennen, Vater," bat Julius. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 29. Oktober, 22. Eheschwan, 'lü'ün nuyn. Freitag, 30. Oktober, 23. Eheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz, 4 Uhr 45 Min. Samstag, 31. October, 24. Eheschwan, n"na mt? "li. Sabbat-Ausgang in Mainz, 5 Uhr 50 Min. Montag, 2. November, 20. Eheschwan, 'W n’jyn. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Jlontags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E /. Stetnacker, Leipstg, Rohplah 16. — Inserate 2o Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 6 fl. österr-, sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingesandtrn Mannscripten stndet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein Ritualmord-Prozeß vor dem Berliner Gericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Bnrghaslach. Palästina: Jerusalem. Afrika: Marokko. — Feuilleton: Ehawiwin Jißurin. Eine Erzählung von Jda Barbcr, Wien. Inhalt der Beilage: Leitender Artilel: Von den Ufern der Newa. —Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Baden. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Holleschau. Budapest. — Vermischtes. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerci-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.