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Der Israelit · 1896-10-26 · Heft 86 (26.10.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 86 (26.10.1896)
Date
1896-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1640 WW WWWW Mitglied der Cultusgemeinde Tanger. Derselbe wurde drei Stunden von Tanger im Dorfe Zinat, Bezirk Wad-Raß, meuchlings ermordet. Wie der unglückliche Moise Benzaquen, zog Pinto, Handel treibend, in der Umgebung von Tanger herum. Eines Tages ging er wie gewöhnlich mit seinem Associe weg. Der Letztere trennte sich von ihm und ging in einer entgegengesetzten Richtung weiter. Sie sollten sich in Zinat wieder treffen. Aber wie groß war das Erstaunen seines Handelsgenossen, als er, in dem Dorfe angekommen, das Reitthier Pinto's ganz allein im Markte herumirrend fand. Er erkundigte sich alsogleich. Die anwesenden Araber sagten ihm, daß Pinto mit einigen Individuen fortgegangen sei, um Maaren zu besichtigen, und nicht mehr zurückgekehrt sei. Später erst erfuhr er, daß Pinto meuchlings ermordet und sein Leichnam in einen in der Mitte der Felder befindlichen Ziehbrunnen geworfen worden sei. Der Handelsgenosse Pinto's kannte den Ziehbrunnen, er begab sich dorthin und constatirte mit Schrecken, daß das Verbrechen nur zu wahr sei. Eiligst ging er, der Familie die Hiobsbotschaft zu überbringen. Die Cultusgemeinde von Tanger schickte unter guter Escorte Leute aus, welche unter dem Schutze der stacht, den Leichnam zurücktransportirten. Das arme Opfer wurde von rückwärts überfallen, durch einen mit einer Art oder einer Sense ausgeführten Schlag hatte man ihm zuerst die Hirnschale gespalten, nach einem zweiten Streich quoll das Gehirn heraus. Es giebt für die Juden keine Sicherheit mehr in Marokko. Aber noch mehr als die Attentate gegen Personen ist die Haltung der behördlichen Organe zu beklagen, welche in dieser wie in der Angelegenheit Benzaqen's Proben einer sträflichen Gleichgiltigkeit lieferten. Sei es Furcht vor den Leuten, gegen welche sie gezwungen waren, aufzutreten, und welche seit dem Regierungsantritte des neuen Sultans ein sehr zweideutiges Benehmen gegenüber den Vertretern des Sherifs beobachteten, sei es wirkliche Verachtung für die Person und das Leben der Juden, was sie bestimmt — die marokkanischen Würdenträger zeigten augenscheinlich sehr wenig Bereitwilligkeit, als davon die Rede war, den Leichnam des unglücklichen Pinto zurückzubringen, und auch hernach, als es sich um die Ansprüche der Familie handelte. In Marokko haben die Ansprüche nach einem Meuchelmorde nur dann Rechtskraft, wenn sie sich auf ein Protokoll stützen können, welches von Notaren verfaßt ist und wodurch der Tod constatirt wird. Die Familie Pinto's wollte sich dieses Actenstück verschaffen und bat den Gouverneur, die Notare zu bevollmächtigen, daß sie ihr diesen Act verfassen. Nach mehreren ausweichenden Antworten machte die Regierung aber Miene, die erbetene Bevollmächtigung zu verweigern, unter dem Vorwände, man bedürfe der Intervention des Repräsentanten von Brasilien — der Verstorbene erfreute sich des Schutzes von Brasilien — um den Statthalter dazu zu bringen, daß er seine Pflicht erfülle. Auch sind bis jetzt alle Bemühungen, den Meuchelmörder zu ftttbcn, resultattos geblieben, ganz wie im Falle Benzaquen's. Der Minister der auswärtigen Angelengeiten wendete sich in dieser Sache an den Statthalter, dieser weigert sich aber, einen Araber, bei welchem Benzaquen wenige Tage vor seinem Verschwinden gearbeitet und geschlafen hatte, vorzuladen, und alle Beide gaben vor, daß die dermalige Stinrmung in Wad-Raß es nicht erlaube, eine energische Untersuchung, welche zur Entdeckung der Mörder des unglücklichen Sattelmachers fuhren würde, einzuleiten. Das Connte Central der Alliance lsraelite Universelle hat bei Herrn v. Monbel, dem neuen Minister Frankreichs in Tanger, Schritte gethan, um seine wohlwollende Aufmerksamkeit auf die traurige Lage, in welcher sich die Juden in Marokko befinden, zu lenken, und es ist abzuwarten, welcher Erfolg dies haben wird. Feuilleton. (Lhciwiwin 3i|gurm Eine Erzählung 2) von Ada Barver. Wien. Bruder Julius hatte wenig Zeit, sich um der Schwester Angelegenheiten zu kümmern. Er war ein fescher Corpsstudent, hatte bereits einige Schmarren im Gesichte, die er bei Duellen davongetragen, nahm es aber sonst ernst mit feinem Studium In freien Stunden verkehrte er gerne im Hause seines Freundes Bela Hebeti. Dort herrschte ein lustiger Ton, man musicirte, tanzte, srlchte das Leben von der heitersten Seite anfzufassen. Beta's Schwestern waren hübsche, muntere Mädchen, die es trefflich verstanden die jungen Leute, die in ihrem Hause verkehrten, für sich einzunehmen. Die Acltcste, ^äthi, schien ein besonderes Wohlgefallen an Julius zu finden, und nahm nicht Anstand ihm dies unverholen zu zeigen. Der junge Mann, offenbar geschmeichelt, daß das hübsche Mädchen ihn auszeichnete, ließ es seinerseits nicht an Artigkeiten fehlen uiib so entwickelte sich mit der Zeit ein intimer Verkehr, von dem Julius wohlweislich weder der Tante noch der Schwester etwas mittheilte. Weshalb auch? War es ihrn doch gar nicht ernst, Rathi je näher zu treten. Er betrachtete das Ganze als eine Art Flirt; Kathi aber, die wohl über Wernaus Verhältnisse unterrichtet und den Sohn aus reicher Familie gerne dauernd an sich gefesselt Hütte, war bemüht, tiefer gehenden Einfluß auf Julius Seelenleben zu gewinnen. Sie selbst hatte kein Vermögen; mit dem Ableben des Vaters hörte dessen Pension auf; gelang es den Schwestern sich gut zu verheirathen, so waren sie versorgt, scheiterten ihre Versuche einen reichen Be-

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