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Der Israelit · 1896-10-26 · Heft 86 (26.10.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 86 (26.10.1896)
Date
1896-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1638 antisemitischer Rohheiten wie ein reinigendes Gewitter wirkt, dürfte diese Feier wohl unterblieben sein. Gegen dasUrtheil ist, wie die „Staatsbgztg." mittheilt, die Revision angemeldet. Es wird, behauptet sie, besonders darauf Gewicht gelegt werden, daß der Revisionssenat die bisherige Judicatur des Reichsgerichts umgestoßen hat, ohne einen Beschluß der vereinigten Strafsenate herbeizuführen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. Berlin, 21. Okt. (Die böse Statistik!) Der „Vorwärts" schreibt: Ein hiesiges Blatt will berechnet haben, daß die jüdischen Studenten im Verhältniß der Zahl weit weniger Verbrechen begehen, als die christlichen Studenten. Das Verhältniß sei 3 zu 7 bis 8.' Ob diese Ziffern richtig sind, bleibe dahingestellt. Gewiß ist, daß im allgemeinen die Juden im Verhältniß der Zahl ein geringeres Kontingent der Verbrecher-Armee stellen als die „Christen". Das entspringt der ebenso bekannten als natürlichen Thatsache, daß die besitzenden Klassen weniger Grund haben, gegen die Gesetze zu verstoßen, als die nicht besitzenden Klassen. Und da die Juden durch die Verfolgungen des Mittelalters, die ihnen die produktive Arbeit verschlossen, zunr Gelderwerb und zur Kapitalbildung gezwungen wurden, so haben sie selbstverständlich ein verhältnißmäßig größeres Kontingent zu den besitzenden Klaffen gestellt, als die christliche Bevölkerung. (Namentlich die „reichen" Juden in Rußland, Oestr. und Holland Red. d. Jsr.) Der „Kreuz-Zeitung", die das nicht begreift, verursacht die Entdeckung des liberalen Blattes arge Kopfschmerzen. Sie stöhnt und keift: Die Juden sind nicht „bester" wie die Christen; wohl aber sehr viel geriebener und schlauer, so daß sie der unmittelbaren Berührung mit den Gerichten entweder ganz entgehen, oder doch selbst da keine Handhaben zur Verurtheilung bieten, wo an der Schuld im sittlichen Sinne ein Zweifel kaum besteht. Dies ist nachgerade so bekannt, daß es den Eindruck des Anachronismus macht, wettn wir den Versuch, den edlen Juden anzupreisen, immer wieder erneuert sehen. An den glaubt Niemand mehr, das möge man sich endlich doch gesagt sein lassen. Nun, daß die Juden „besser" seien als die Christen, hat wohl Niemand behauptet. Die „Kreuz- Zeitung" hat aber tausendmal behauptet, die Christen seien besser als die Juden. In ihrer Betrübniß tröstet sie sich damit, daß die Juden „schlauer" seien und dem Gesetz leichter ein Schnippchen schlagen. Diese Resignation der Dummheit ist kostbar. Uebrigens möchten wir bei dieser Gelegenheit die brave „Kreuz-Zeitung" daran erinnern, daß sie — gleich anderen christlichen Kannegießern — die Wurzel des Zerfalls der Türkei iu der Stabilität des Muhamedanismus erblickt, der sich nicht wie das Christenthum, weltklug den realen Verhältnissen anbequemen könne. Die Juden sind „schlau", die Christen „bequemen sich weltklug den realen Verhältnissen an". Was ist der Unterschied? Was das Moralischere? — (Weder die „Kreuz-Zeitung" noch der Vorwärts haben das Richtige getroffen, denn weder der Besitz an irdischen Gütern noch ihre übergroße „Schläue" schützen die Juden vor dem Strafgesetze. Es ist einzig und allein die sittigcnde Kraft der Thora, die uns den Widerstand verleiht gegen die schlimmen Triebe, denn selbst in den von dem heiligen Gesetz Abgefallenen wirkt seine Kraft noch durch den Einfluß der ihm treu gewesenen Väter und Großväter nach. Red. d. Jsr.) Berlin, 21. Okt. (Aus der 8. Brandenburgischen Provinzial-Synode). In feinem Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden während der letzten drei Jahre hebt Pastor Knak hervor, daß sich in Berlin während der drei letzten Jahre insgesammt 80 Juden zur Taufe gemeldet haben, es wurden davon aber nur 36 in die christliche Gemeinde ausgenommen. Synodale Dr. Hefter erklärt bei dieser Gelegenheit, daß in Berlin das Gerücht verbreitet sei, daß es den Juden sehr leicht gemacht werde zur evangelischen Kirche überzutreten. Man nenne dies die „Schnelltaufe". Dies Gerücht gereiche der evangelischen Kirche nicht zur Ehre unb es müsse Aufgabe der Synode sein, dem Gerücht entgegenzutreten. Er berufe sich auf den „Vorwärts", welcher erzählt habe, daß sich eine jüdische Lehrerin um eine Anstellung bewarb, aber zurückgewiesen wurde. Nackkurzer Zeit habe sie ihre Bewerbung mit Erfolg wiederholt, diesmal habe sie ihr Taufzeugniß vorgezeigt. Eine Aufnahme in das Christenthum sei doch ohne eingehenden Unterricht nicht möglich und er müsse es als eine Herabloürdigung des Sakraments bezeichnen, wenn es eine sogenannte „Schnelltaufe" gäbe. — General-Superintendent Faber erklärt, daß ihm der vorgetragene Fall nicht bekannt sei und dessen Wahrheit bezweifeln müsse. — In seinem Schlußwort macht der Referent, Synodale Knak, folgende Bemerkung: „Die Judenfrage ist dann gelöst, wenn Christen und Juden eins geworden sind in der Anbetung des Gottes nach christlicher Auffassung". ES gelangt darauf folgender Antrag zur Annahme: „Die Synode hat mit Interesse Kenntniß von der Wirksamkeit der von der Gesellschaft zur Beförderung des

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